Wes Anderson und expressionistischer Horror? Mehr davon!
Foto: Netflix
Eine Geschichte, die zum Nachdenken über Klasse, Ausbeutung und die Abwertung der Arbeiter*innenklasse durch Intellektuelle und Menschen mit „ehrenwerten“ Berufen anregt. Sehr gemocht habe ich, wie Wes Anderson für einen kurzen Moment in den expressionistischen Horror abgleitet und möchte davon nun mehr sehen!
🇺🇸, R: Wes Anderson, D: Richard Ayoade, Ralph Fiennes, Rupert Friend, Eliel Ford, Benoît Herlin, Till Sennhenn, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Netflix
Die melancholische Variante von Arrested Development? Jedenfalls beschreibt der Film ziemlich gut, wie es sich anfühlen kann, in der Zeit, in sich selbst festzustecken und nicht mehr raus, nicht mehr vorwärts zu kommen. Vieles davon ist eng mit der sogenannten alten Heimat verbunden. Dort, wo alles gleich geblieben und gleichzeitig während seiner jahrelangen Abwesenheit alles ganz anders geworden ist – sowohl Menschen als auch Orte als auch Gefühle als auch Verhaltensmuster als auch das, wovor man einst die Flucht ergriff.
THE ADULTS ist eine Ergründung von Schuld, Reue, Hoffnung und des Platzes – sei es Ort oder Mensch –, an dem das Herz wohnen kann. Das macht er wirklich gut, aber gleichzeitig auch so erwartbar, so gar nicht herausfordernd oder mit unbequemen Fragestellungen konfrontierend – letztlich also auch ernüchternderweise ambitionslos.
★★★☆☆
🇺🇸, R: Dustin Guy Defa, D: Michael Cera, Hannah Gross, Sophia Lillis, Wavyy Jonez, Anoop Desai, Kyra Tantao, Kiah McKirnan, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Universal Pictures International Germany
Natürlich ist das alles etwas rührselig, bildästhetisch bisweilen ziemlich affektiert und letztlich doch sehr ausbuchstabiert. Kurosawas IKIRU wird immerhin mit Respekt begegnet, aber dabei bleibt es weitestgehend auch. Eigene Pfade werden nie wirklich ausgetreten. Und das gehört unbedingt kritisiert. Aber dann gibt es da eben auch Bill Nighy der ein absolut betörendes Spiel an den Tag legt. Wie er seine Mimik im Griff hat, mit kleinsten Regungen – etwa mit den Augen, der Stirn und in den Mundwinkeln – Bände über Unsicherheit, Hoffnung, Glück, Angst und Verzweiflung sprechen kann, das ist wahrlich meisterhaft.
★★★½☆
🇬🇧/🇸🇪/🇯🇵, R: Oliver Hermanus, D: Bill Nighy, Aimee Lou Wood, Alex Sharp, Tom Burke, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Sony Pictures Classic
Das Gefühl, auf dieser Welt zwar nicht komplett fehl am Platze zu sein, beim Wandeln auf ihr jedoch immer wieder ins Stolpern zu geraten...
Foto: Central Motion Picture Corporation
Perhaps the only difference between me and other people was that I've always demanded more from the sunset. More spectacular colors when the sun hit the horizon. That's perhaps my only sin.
An diese Stelle aus einem Monolog von Charlotte Gainsbourg in Lars von Triers (natürlich viel später erschienenen, aber eben zuerst von mir gesehenen) NYMPHOMANIAC musste ich immer und immer wieder denken. Denn es ist genau dieses Gefühl, diese Stimmung, die Edward Yang hier in seinem Film für mich einfängt – das Gefühl, auf dieser Welt zwar nicht komplett fehl am Platze zu sein, beim Wandeln auf ihr jedoch immer wieder ins Stolpern zu geraten. Wie passen Kunst und künstlerische Sensibilitäten in eine Welt, die von Konformist*innen bevölkert und beherrscht zu sein scheint? Wer zwischen diese Fronten gerät, muss mitunter einen hohen Preis zahlen.
★★★½☆
🇹🇼, R: Edward Yang, D: Cora Miao, Lee Lichun, King Shih-Chieh, Ku Pao-Ming, Wang An, Ma Shao-Chun, Yu An-Shun, Chia-ching Huang, Shanqun Hong, Chonghua Ni, Ming-Yang Shih, Feng Kang Chu, Te-Ming Lu, Hsiao Chih-wen, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Central Motion Picture Corporation
Sam Esmail steuert ohne klares ästhetisches Ziel direkt in konservative Gewässer.
Foto: Netflix
Sam Esmail hat mit Mr. Robot sein Gespür für unverbrauchte Blickwinkel und unkonventionelle Bildgestaltung bewiesen – und dann mit LEAVE THE WORLD BEHIND irgendwie die komplett falschen Lehren daraus gezogen. Wer durch Kameraführung Desorientierung, Verwirrung und Chaos stiften will, muss dafür letztlich einer ausgeklügelten Choreografie folgen oder zumindest ein paar präzise ausgewählte Handgriffe anlegen. Aber hier schien die Regieanweisung gewesen zu sein, einfach Cola über die Bedienung des Kameraarms zu kippen und das zu nehmen, was die kurzgeschlossene Apparatur fabriziert. Nichts arbeitet hier auf eine Art erkennbares ästhetisches Ziel hin.
Zum thematisch in unserer Realität verankertem Kern des Stoffs – der scheinbar kollektiven Psychose einer ganzen Gesellschaft – hat das Drehbuch beschämend wenig beizutragen – keine Idee, kein neuer Raum für einen bisher noch nicht ausgetretenen Diskurspfad, nur die aufgestoßene Tür zum mehr als spärlich eingerichteten Prepper-Bunker.
Dass Akteur:innen von der Demokratie eher weniger zugeneigten Staaten sich gerne Populist:innen vor den Karren spannen, um Destabilisierung voranzutreiben und selbst an Einfluss zu gewinnen, ist keine Verschwörungstheorie, sondern belegte Tatsache. Und diese Tatsache lediglich festzustellen, ist noch kein künstlerischer Umgang damit.
Dort, wo dem Film so etwas wie Subtext gelingt, offenbart sich, wie stramm konservativ er ist, welchem engen Gesellschafts- und Weltbild er anhängt. Aber was würde sich wirklich ändern, wenn wir noch Säbelzahntiger jagen und im Handumdrehen meterhohe Feuer entfachen könnten? In der Versuchsanordnung LEAVE THE WORLD BEHIND absolut gar nichts. Dazu noch Ethan Hawkes Figur die dafür angeklagt wird, die Beschützer*innenrolle seiner Frau zu überlassen. All dem liegt eine maskulinistische Ideologie zugrunde, ein Glaube an den Jäger als Löser aller Probleme, vor denen andere die Flucht zum Central Perk oder die Sunnydale High ergreifen.
(Ich weiß, dass es eine Romanvorlage gibt. Die habe ich jedoch nicht gelesen. Nur der Film selbst kann für sich sprechen.)
★½☆☆☆
🇺🇸, R: Sam Esmail, D: Julia Roberts, Mahershala Ali, Ethan Hawke, Myha’la, Kevin Bacon, Farrah Mackenzie, Vanessa Aspillaga, Charlie Evans, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Netflix
Ein Film, der jegliche allegorische Strahlkraft erstickt.
Foto: Camino Filmverleih
Wie krass dieser Film die gesellschaftlich absolut relevanten Debatten dermaßen verengt, damit sie auf diese sehr eingegrenzte interpersonelle Ebene passen und dort ausgefochten werden müssen, erstickt jegliche allegorische Strahlkraft im Kern. Übrig bleiben so zahlreiche Banalitäten, die dazu auch noch ziemlich bieder inszeniert werden.
★★☆☆☆
🇩🇪, R: Katharina Woll / D: Anne Ratte-Polle, Lea Drinda, Ulrike Willenbacher, Urs Jucker, Hassan Akkouch, Tayfun Baydar, Robin Gooch, Jonas Hien, Frieder Venus, Akiko Hitomi, Jana Klinge, Nete Mann, Raymond Tarabay, Pascale Schiller, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Camino Filmverleih
Nach der einfach nur niederschmetternden Recherche des Spiegel zur sexualisierten (digitalen) Gewalt, die Collien Fernandes erfahren hat, lese ich viele Texte, von denen ich erst mal zwei hier festhalten möchte.
Jasmin Schreiber:
Wer auf diese Zahlen hinweist, bekommt verlässlich zu hören: Aber die meisten Männer sind doch anständig. Stimmt. Mein
Börsenverein-Vorsitzender Sebastian Guggolz zu Weimer in der ersten Reihe: „Ich bin stolz auf die Buchbranche, weil wir Ihren fragwürdigen autokratischer Gestus nicht akzeptieren“.
— Alexander Moritz (@dermonologist.bsky.social) 2026-03-18T18:38:15.923Z
Um es auch noch mal hier festgehalten zu haben: BKM Wolfram Weimer (parteilos) hat beim Festakt zur Eröffnung
„Heute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag, habe ich mir einfach mal überlegt, welche Möglichkeiten und Privilegien Männer haben, die ich für uns auch gern hätte“, schreibt Jasmin Schreiber. Man(n) liest und scrollt sehr lange.
Privilegien, die ich als Frau auch gern hätte — JASMIN SCHREIBERHeute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag,
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