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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Gesehen: 45 Years (2015) - Ohrenbetäubende Ruhe

Gesehen: 45 Years (2015) - Ohrenbetäubende Ruhe
Tom Courtenay und Charlotte Rampling // Foto: Piffl Medien

Diese Blicke voller Liebe, Anteilnahme und Misstrauen. Diese tiefe und ehrliche Verbundenheit bei zunehmender Distanz. Diese ohrenbetäubende Ruhe… Gerade die hat mich gepackt. Es ist unglaublich, wie leise dieser Film ist und wie laut das bei mir ankam.

★★★★☆

🇬🇧, R: Andrew Haigh, D: Charlotte Rampling, Tom Courtenay, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Piffl Medien

45 Years - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Finde heraus, wie und wo du “45 Years” heute auf Netflix, Prime Video, Disney+ & Co. online sehen kannst – einschließlich 4K und kostenloser Optionen.
A ★★★★ review of 45 Years (2015)
Diese Blicke voller Liebe, Anteilnahme und Misstrauen. Diese tiefe und ehrliche Verbundenheit bei zunehmender Distanz. Diese ohrenbetäubende Ruhe… Gerade die hat mich gepackt. Es ist unglaublich, wie leise dieser Film ist und wie laut das bei mir ankam.

Gesehen: Late Autumn (1960) - Eskalierender Streit

Was in EQUINOX FLOWER (1958) schon stellenweise anklang, macht nun Schule.

Gesehen: Late Autumn (1960) - Eskalierender Streit
Foto: Shochiku

Das war der erste Ozu, der sich bei mir etwas gezogen hat. Nichtsdestotrotz steckt auch dieser Film voller kluger Beobachtungen und wie schon zuvor in SOMMERBLÜTEN (1958) bis zur Oberfläche durchdringende und mitunter auch in offenen Streit eskalierende Wut. Eine Wut ob der dreisten Anmaßung des eigenen Geschlechtes, mit dem anderen umgehen zu wollen wie mit Spielfiguren auf der Risiko-Weltkarte.

Die stärkste Szene, das stärkste Motiv: Der Bräutigam steht im strengen schwarzen Anzug neben seiner in ein traditionelles japanisches Gewand gekleideten Braut, beide blicken wie versteinert mit finsterer Miene in die Kamera. Der Fotograf fordert beide dazu auf, sich nun bitte nicht mehr zu bewegen und betätigt den Auslöser. Ehe im Kontext dieser Gesellschaft ist Stillstand. Die Zeit wird einem Foto gleich eingefroren, Fortschritt wird unmöglich.

★★★★☆

🇯🇵, R: Yasujirō Ozu, D: Setsuko Hara, Yōko Tsukasa, Mariko Okada, Keiji Sada, Miyuki Kuwano, Shinichirō Mikami, Shin Saburi, Chishū Ryū, Nobuo Nakamura, Kuniko Miyake, Sadako Sawamura, Ryuji Kita, Fumio Watanabe, Yuriko Tashiro, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Shochiku

A ★★★★ review of Late Autumn (1960)
Das war der erste Ozu, der sich bei mir etwas gezogen hat. Nichtsdestotrotz steckt auch dieser Film voller kluger Beobachtungen und wie schon zuvor in SOMMERBLÜTEN (1958) bis zur Oberfläche durchdringende und mitunter auch in offenen Streit eskalierende Wut. Eine Wut ob der dreisten Anmaßung des eigenen Geschlechtes, mit dem anderen umgehen zu wollen wie mit Spielfiguren auf der Risiko-Weltkarte. Die stärkste Szene, das stärkste Motiv: Der Bräutigam steht im strengen schwarzen Anzug neben seiner in ein traditionelles japanisches Gewand gekleideten Braut, beide blicken wie versteinert mit finsterer Miene in die Kamera. Der Fotograf fordert beide dazu auf, sich nun

Gesehen: Flora and Son (2023) - Prekärer Hochglanz

John Carney ist eben kein Ken Loach

Gesehen: Flora and Son (2023) - Prekärer Hochglanz
Eve Hewson als Flora // Foto: Apple TV+

Ich mag John Carneys unbändigen Optimismus und sein grenzenloses Vertrauen in die heilende Kraft der Musik und die Kunst als ein die Menschheit zusammenbringendes Element einfach und ich werde das wahrscheinlich niemals nicht mögen. Das gilt auch für FLORA AND SON. Klar, Carney war nie und ist auch heute kein Ken Loach. Und doch erzählen seine Geschichten auch immer aus, über und von prekären Verhältnissen.

Und genau darin besteht für mich das größte Problem von FLORA AND SON. Denn hier prallen prekäre Lebensverhältnisse auf die Hochglanz-Optik eines Apple-Werbespots, in dessen Universum sich auch der/die das neuste iPhone und die dicken MacBooks ins Haus stellen kann, der/die sonst jeden Cent umdrehen muss, um sich und das Kind über die Runden zu bringen. Das passt nicht zusammen. Der Kontrast ist so eklatant, dass man gar nicht um die sonst von mir so verhasste Erbsenzählerei drum herumkommt und die durch den Film behauptete Welt dann ziemlich schnell in sich zusammenfällt.

Es ist für mich nur schwer zu begreifen, wie sich John Carney so hat vor den Karren spannen lassen.

★★½☆☆

🇮🇪/🇺🇸, R: John Carney, D: Eve Hewson, Orén Kinlan, Joseph Gordon-Levitt, Jack Reynor, Marcella Plunkett, Paul Reid, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Apple TV+

Flora and Son - Stream: Jetzt Film online anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Flora and Son” heute auf Netflix, Prime Video & Co. sehen kannst – einschließlich kostenloser Streams.
A ★★½ review of Flora and Son (2023)
Ich mag John Carneys unbändigen Optimismus und sein grenzenloses Vertrauen in die heilende Kraft der Musik und die Kunst als ein die Menschheit zusammenbringendes Element einfach und ich werde das wahrscheinlich niemals nicht mögen. Das gilt auch für FLORA AND SON. Klar, Carney war nie und ist auch heute kein Ken Loach. Und doch erzählen seine Geschichten auch immer aus, über und von prekären Verhältnissen. Und genau darin besteht für mich das größte Problem von FLORA AND SON. Denn hier prallen prekäre Lebensverhältnisse auf die Hochglanz-Optik eines Apple-Werbespots, in dessen Universum sich auch der/die das neuste iPhone und die dicken

Gesehen: Fingernails (2023) - Vorstoß verzweifelt gesucht

Hier fehlt einfach der Mut.

Gesehen: Fingernails (2023) - Vorstoß verzweifelt gesucht
Jessie Buckley als Anna und Riz Ahmed als Amir // Foto: Apple TV+

Ich weiß gar nicht so recht, was ich hierzu großartig schreiben soll. FINGERNAILS provoziert nichtmal ein Achselzucken, so banal und letztlich egal ist dieser Film. Das Drehbuch hält sich mit derartigen Selbstverständlichkeiten auf, als hätte es Jahrtausende Philosophie, Jahrhunderte Soziologie und Jahrzehnte voller filmischem Herzschmerz nie gegeben. Diesem Stoff fehlt ein mutiger Vorstoß, die große Idee – oder überhaupt eine Idee. Es ist somit ziemlich schade, dass Jessie Buckley, Riz Ahmed und Jeremy Allen White nicht der Hauch einer Chance gegeben wird, den Film noch auf ein okayes Niveau zu hieven.

★★☆☆☆

🇬🇧/🇺🇸, R: Christos Nikou, D: Jessie Buckley, Riz Ahmed, Jeremy Allen White, Luke Wilson, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Apple TV+

Fingernails - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Fingernails” heute auf Netflix, Prime Video, Disney+ & Co. online sehen kannst – einschließlich 4K und kostenloser Optionen.
A ★★ review of Fingernails (2023)
Ich weiß gar nicht so recht, was ich hierzu großartig schreiben soll. FINGERNAILS provoziert nichtmal ein Achselzucken, so banal und letztlich egal ist dieser Film. Das Drehbuch hält sich mit derartigen Selbstverständlichkeiten auf, als hätte es Jahrtausende Philosophie, Jahrhunderte Soziologie und Jahrzehnte voller filmischem Herzschmerz nie gegeben. Diesem Stoff fehlt ein mutiger Vorstoß, die große Idee – oder überhaupt eine Idee. Es ist somit ziemlich schade, dass Jessie Buckley, Riz Ahmed und Jeremy Allen White nicht der Hauch einer Chance gegeben wird, den Film noch auf ein okayes Niveau zu hieven.

„Geheimplan gegen Deutschland“, szenisch vorgelesen

Chapeau!

„Geheimplan gegen Deutschland“, szenisch vorgelesen
Foto: Correctiv, Berliner Ensemble, Volkstheater Wien
Die investigative Redaktion von CORRECTIV veröffentlichte am 10. Januar eine Recherche rund um ein Treffen, von dem niemand erfahren sollte: AfD-Politiker, Neonazis und finanzstarke Unternehmer kamen im November 2023 in einem Hotel bei Potsdam zusammen. Sie planten nichts Geringeres als die Vertreibung von Millionen von Menschen aus Deutschland. CORRECTIV war auch im Hotel – und hat das Treffen dokumentiert. Die ganze Recherche finden Sie hier.

Regisseur und Intendant des Volkstheaters Wien Kay Voges bringt die Recherche als Koproduktion des Berliner Ensembles und des Volkstheaters Wien in Form einer szenischen Lesung auf die Bühne des Berliner Ensembles.

Dass Correctiv immer wieder mit neuen Darreichungsformen ihrer Recherchen arbeitet, hatte ich schon mal in irgendeinem Podcast mit Jonathan Sachse gehört. (Sorry, ich habe vergessen, wo das war.) Mir gefällt der Gedanke sehr, das Trägermedium neu zu denken. Besonders in dieser Form lässt die Kunstfreiheit noch einmal schärfere und direktere, jedoch nie unzutreffende Formulierungen zu. Toll finde ich außerdem, dass die Macher:innen das Stück frei zur Verfügung stellen, sodass jede:r eine eigene Bühne suchen kann.

Chapeau!

P.S.: Teil der szenischen Lesung waren auch neue Informationen, die es in schriftlicher Form natürlich auch bei Correctiv gibt.

Und hier noch einmal hervorgehoben (und von Correctiv übernommen) die Beteiligten der Produktion:

Besetzung

Regieteam

  • Lolita Lax (Text)
  • Jean Peters (Co-Autor)
  • Kay Voges (Szenische Einrichtung)
  • Max Hammel (Video)
  • Mona Ulrich (Kostüme)

Gesehen: Foe (2023) - It's not the technology, stupid!

Eine einzige Texttafel gräbt Unmengen von Wasser ab

Gesehen: Foe (2023) - It's not the technology, stupid!
Saoirse Ronan as Hen und Paul Mescal als Junior // Foto: Amazon Studios

Letztlich ist das gar kein Film über künstliche Intelligenz und artifizielles Leben und die Grenzen des Menschseins, sondern einer über körperlich und emotionale Selbstbestimmung, über den Einfluss von Politik und Wirtschaft auf Intimsphäre und über hegemoniale Männlichkeit. Der natürlich trotzdem stattfindende Technologiediskurs bewegt sich auf ähnlich uninspiriertem, aber visuell ansprechendem Niveau wie der im selben Monat erstmals gezeigte THE CREATOR von Gareth Edwards. Dazu ist es mir ein Rätsel, warum sich der Film noch vor der ersten Szene mit einer einzigen kleinen Texttafel so dermaßen das Wasser abgraben muss…

★★★☆☆

🇦🇺/🇺🇸, R: Garth Davis, D: Saoirse Ronan, Paul Mescal, Aaron Pierre, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Amazon Studios

Enemy - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Gibt es Enemy auf Netflix, Prime Video, WOW, AppleTV+ oder Disney+ und co legal? Jetzt online Stream finden!
A ★★★ review of Foe (2023)
Letztlich ist das gar kein Film über künstliche Intelligenz und artifizielles Leben und die Grenzen des Menschseins, sondern einer über körperlich und emotionale Selbstbestimmung, über den Einfluss von Politik und Wirtschaft auf Intimsphäre und über hegemoniale Männlichkeit. Der natürlich trotzdem stattfindende Technologiediskurs bewegt sich auf ähnlich uninspiriertem, aber visuell ansprechendem Niveau wie der im selben Monat erstmals gezeigte THE CREATOR von Gareth Edwards. Dazu ist es mir ein Rätsel, warum sich der Film noch vor der ersten Szene mit einer einzigen kleinen Texttafel so dermaßen das Wasser abgraben muss…