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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Gesehen: Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutant Mayham (2023)

Gesehen: Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutant Mayham (2023)
(c) Paramount Pictures Germany

INTO und ACROSS THE SPIDER-VERSE haben es vorgemacht, eine Tür aufgestoßen und auf der anderen Seite den Boden exzellent bestellt. Dieser Stil scheint wirklich der Way to go für bestimmte Comic-Verfilmungen zu sein. TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES: MUTANT MAYHEM ist kein Trittbrettfahrer oder billiger Abklatsch, sondern schlägt klar eine eigene, wenn auch ähnliche Richtung ein.

Die Turtles waren nie wirklich Teil meiner Kindheit, deshalb kann ich hier gar keine großen Vergleich anstellen oder mit nur hinderlicher Erwartungshaltung an den Film herangehen. Jedenfalls war ich sehr überrascht davon, wie politisch dieser Film doch ist. Der gesamten Geschichte zugrunde liegt nämlich eigentlich eine Betrachtung von (strukturellem) Rassismus. Den Turtles ist gar nicht bewusst, dass sie letztlich ausgebeutet werden und nur von Xenophobie verschont werden, solange sie im kapitalistischen Sinne Wert schaffen – hier eben auf die Superheldennummer à la Gut gegen Böse heruntergedampft, aber dadurch nicht weniger richtig. Wer nicht mehr zur Wertschöpfungskette beitragen kann, wird ausgegrenzt und verstoßen „weil er*sie sich nicht richtig integriert“.

Für viele migrantische Menschen – in sagen wir Deutschland, weil mir nunmal dieser Blickpunkt in die Wiege gelegt wurde – bliebt der feierliche Ferris-Bueller-Moment, bei dem man singend auf einem Paradewagen steht und einem alle zujubeln nunmal Utopie. Wer sich den Arsch aufreißt, wird gerade so toleriert, aber bloß nicht gelobt, wertgeschätzt oder gar gefeiert. Wer weniger als 200 Prozent gibt, ist faul und gehört abgeschoben. Dass der Film sich trotzdem der Utopie hingibt, ist letztlich dem Genre immanent und im Rahmen seiner Möglichkeiten auch gar nicht weiter schlimm.

Unterm Strich fand ich die Art Direction hier nicht ganz so stark wie in den Spiderverse-Filmen. Zu oft brechen unsaubere Renderings die Immersion und offenbaren die unschöne Polygonen-Fratze hinter dem coolen Comic-Look. Außerdem legt der Film erstaunlich bzw. erschreckend wenig Wert auf seine vier schildkrötigen Protagonisten. Viel zu spät fällt dem Drehbuch ein, dass verschiedene Maskenfarben kein ausreichendes Distinktionsmerkmal sind. Und so bleiben die Turtles eben doch sehr farblos.

★★★☆☆

🇨🇦/🇫🇷/🇺🇸, R: Jeff Rowe, D: Micah Abbey, Shamon Brown Jr., Nicolas Cantu, Brady Noon, Ayo Edebiri, Maya Rudolph, John Cena, Seth Rogen, Rose Byrne, Natasia Demetriou, Giancarlo Esposito, Jackie Chan, Trailer, Wikipedia

Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutant Mayhem - Stream: Online
Wie man “Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutant Mayhem” auf Netflix & anderen Streaming-Diensten ansehen kann – einschließlich kostenloser Optionen.

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Gesehen: The Crime Is Mine (2023)

Gesehen: The Crime Is Mine (2023)
Nadia Tereszkiewicz, Isabelle Huppert und Rebecca Marder // (c) Weltkino Filmverleih

Eine wundervoll leichtfüßig, verspielt und bunt inszenierte Geschichte von Solidarität, die mitunter an den entscheidenden Moment etwas zu dick aufträgt. Vielleicht wird dieser Eindruck durch die im Film breit referenzierten und von François Ozon verehrten Werke von Rainer Werner Fassbinder noch einmal verstärkt. Denn die sind zwar ähnlich klar im Sujet, aber viel feinfühliger. Klar, Ozon wollte hier offenbar Unterhaltung schaffen und seine Kräfte erst gar nicht mit denen Fassbinders messen. Warum sollte er auch? Aber erzählerisches Geschick ist und mainstreamigere Unterhaltung sollten sich doch nicht gegenseitig ausschließen.

P.S.: Die für ihre Verhältnisse absolut entfesselt spielende Isabelle Huppert wirkt wie das großartige Echo einer Fassbinderschen Frauenfigur 💜

★★★☆☆

🇫🇷, R: François Ozon, D: Nadia Tereszkiewicz, Rebecca Marder, Isabelle Huppert, Trailer, Wikipedia

Mein fabelhaftes Verbrechen - Stream: Online anschauen
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Gesehen: Drii Winter (2022)

Gesehen: Drii Winter (2022)
Michèle Brand // (c) Grandfilm

Die Ehe als gemeinsames Fundament, auf dem zusammen etwas Neues geschaffen werden, ein progressives Moment entstehen kann – das kontrastiert DRII WINTER mit einer nicht nur örtlich, sondern auch in sich zurückgezogenen Gesellschaft, die à la Michael Haneke bereits so stark vergletschert ist, dass sie in eine Regression geraten ist, dabei jegliche Empathie hinter sich gelassen hat und an einer Existenz auf längst unfruchtbarem Boden festhält. Worte sind nur leere Hüllen ohne Bedeutung, die ausgesprochen werden, um voreinander und vor allem vor sich selbst die Fassade des Menschseins aufrecht zu erhalten. Wer keinen Beitrag zu dieser Art zu leben bereit ist zu leisten, wird endgültig entmenschlicht und wie ein krankes Nutztier entsorgt.

Strapaziert der Film diese Metapher mitunter etwas über? Vielleicht. Aber an diesem Punkt hat er sich längst in noch größere Tiefen vorgearbeitet und zeigt eine Frau, die sich nicht länger über den Wert ihres Partners für die regressive Gesellschaft definieren lassen will. „Du kannst nicht einfach so gehen. Hast du das verstanden?“, fragt sie mit bebenden Lippen den gebrochenen Mann, der ihr Leben und das ihrer Tochter zertrümmert hat. Sie lebt in einer Hölle auf Erden und will ihn darin so lange wie nötig brennen sehen.

DRII WINTER ist ein filmischer Wolf im Wolfspelz, der nie mit einfachen Schuldzusprechungen und Moralurteilen abzuspeisen versucht – unbequem, niederschmetternd, irritierend, aufwühlend.

★★★★☆

🇩🇪/🇨🇭, R: Michael Koch, D: Michèle Brand, Simon Wisler, Trailer, Wikipedia

Drei Winter - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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Gesehen: Silent Night (2023)

Gesehen: Silent Night (2023)
Joel Kinnaman // (c) Leonine Studios Spielfilm

Hier habe ich einfach keinen Zugang gefunden und fand das alles ganz grauenhaft. Es wirkt auf mich, als ob der John Woo entweder Action-Leuchttürme wie THE RAID oder JOHN WICK nie gesehen hat oder ihnen halbherzig nacheifern möchte. Denn eine tatsächliche Handschrift lässt SILENT NIGHT nur sehr, sehr selten wirklich erkennen.

Stattdessen versteigt sich der Film in Klischees, die gefühlt zuletzt in den 1990ern Menschen von den Hockern gehauen haben: das an ein konservatives Familienbild geknüpfte Rachemotiv, befeuert von diesem „Die Drogen-Gangs machen UNSERE FRAUEN mit Heroin gefügig und müssen deshalb dran glauben“.

Aber SILENT NIGHT scheitert auch an der Idee, den Protagonisten kein einziges Wort sprechen zu lassen. Denn Joel Kinnaman fehlen hier entsprechendes Ausdrucksvermögen und stoisch-charismatische Präsenz, was er mit deutlich überzogenen Grimassen auszugleichen versucht oder zumindest dazu angehalten wurde. Beides ist alles andere als optimal.

★☆☆☆☆

🇺🇸, R: John Woo, D: Joel Kinnaman, Kid Cudi, Trailer, Wikipedia

Silent Night - Stumme Rache - Stream: Online anschauen
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A ★ review of Silent Night (2023)
Hier habe ich einfach keinen Zugang gefunden und fand das alles ganz grauenhaft. Es wirkt auf mich, als ob der John Woo entweder Action-Leuchttürme wie THE RAID oder JOHN WICK nie gesehen hat oder ihnen halbherzig nacheifern möchte. Denn eine tatsächliche Handschrift lässt SILENT NIGHT nur sehr, sehr selten wirklich erkennen. Stattdessen versteigt sich der Film in Klischees, die gefühlt zuletzt in den 1990ern Menschen von den Hockern gehauen haben: das an ein konservatives Familienbild geknüpfte Rachemotiv, befeuert von diesem „Die Drogen-Gangs machen UNSERE FRAUEN mit Heroin gefügig und müssen deshalb dran glauben“. Aber SILENT NIGHT scheitert auch an der

Gesehen: Mandibules (2020)

Gesehen: Mandibules (2020)
David Marsais und Grégoire Ludig // (c) Wild Bunch

Regie und Drehbuch: Quentin Dupieux. Entsprechend erwartbar skurril und lustig ist MANDIBULES geraten. Aber der Film trifft auch andere Nägel auf den Kopf: Ökonomisch am Rande der Gesellschaft stehende Menschen tun alles in ihrer Macht Stehende, um sich bei denen „einzuschmeicheln“, die sie an anderer Stelle schamlos ausbeuten. Und wenn das nicht klappt, kann man ja immer noch selbst noch schwächere Menschen übers Ohr hauen. Bloß nicht wirklich versuchen, an der ökonomischen Ungleichheit zu rütteln ☝️

★★★½☆

🇧🇪/🇫🇷, R: Quentin Dupieux, D: Grégoire Ludig, David Marsais, Adèle Exarchopoulos, India Hair, Bruno Lochet, Coralie Russier, Thomas Blanchard, Trailer, Wikipedia

Mandibules - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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Kinotagebuch: Poor Things (2023)

Kinotagebuch: Poor Things (2023)

Ich muss schon sagen, dass ich den alten Yorgos Lanthimos vermisse. Eben den Filmemacher, der viel fragmentarischer gearbeitet und versucht hat, Form anders zu denken. Der mit Sprache und nicht quirky Wes-Anderson-Sets Welten konstruiert und geformt hat. Den mit avantgardistischer Ambition.

Nichtsdestotrotz ist POOR THINGS ein fabelhafter Film. Denn Emma Stone schafft es eigenhändig, die formale Kantenlosigkeit in den Hintergrund treten zu lassen. Sie muss die Entwicklung vom Kind zur Frau im Turbogang durchmachen und schafft es selbst bei diesem rasanten Tempo, ihre Figur mit emotionaler Nuancierung zu versehen, die einfach ansteckend ist. Diese unbändige Neugier, der regelrechte Spieltrieb, die konstante Irritation ob Mensch und Welt um sie herum – dem verleiht sie ohne einen Moment der Schwäche auf dieser langen Strecke brillant Ausdruck.

Letztlich waren es für mich zwei Punkte, die der Film – im Gegensatz zu einem Großteil seines Ansinnens – nie explizit ausspricht, die POOR THINGS in all seiner Brachialiät aber klug durchsetzen: Zum Einen ist da Bella mit dem Körper einer Frau, dem ein Mann das Hirn eines ungeborenen Babys einsetzt. Andere Männer verfallen wahrscheinlich gerade deshalb dieser Bella, weil sie glauben, dieses „unschuldige“ Wesen manipulieren und einfacher ihre moralische Verkommenheit verstecken zu können.

Zum Anderen gelingt es dem Film, die enge Verzahnung, ja das gegenseitige Bedingen von Kapitalismus und patriarchalen Strukturen zu einem Standbein der Geschichte zu machen und daraus resultierende Verhaltensmuster nachzuzeichnen – von den Männern, die Bella wie eine Ware behandeln bis zur Bordellchefin, die unter Vorspiegelung solidarischer Absichten lediglich selbst Profit aus Bella schlagen will.

All das schafft der Film konsequent aus der Perspektive von Bella zu erzählen und ohne die Figur in Trauma ertrinken zu lassen. Denn die Erkenntnis, wie die Welt funktioniert und wie sie mit diesem System brechen kann, zu der gelangt sie durch ihre Wissbegierde und ohne zynisch auferlegtes Leid.

Einfach Spaß macht es dann auch durch die Tatsache, dass POOR THINGS ist wie die beim Familienfest trocken an den unangenehmen Onkel gestellt Frage, was denn jetzt genau das Lustige an seinem rassistischen Witz ist – nur eben mit misogyner Gedankenakrobatik, die der Film konstant auflaufen lässt.

★★★★☆

IE/GB/US, R: Yorgos Lanthimos, D: Emma Stone, Mark Ruffalo, Willem Dafoe, Ramy Youssef, Christopher Abbott, Trailer, Wikipedia
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