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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Kinotagebuch: Furiosa: A Mad Max Saga (2024)

Kinotagebuch: Furiosa: A Mad Max Saga (2024)

Das hat einfach Spaß gemacht und es ist George Miller hoch anzurechnen, dass er nicht einfach versucht hat, FURY ROAD irgendwie zu übertreffen, sondern aus FURIOSA etwas ganz Eigenes und sich doch in das Universum perfekt Einfügendes zu machen. Dazu zählt unter anderem der noch einmal viel kontrastreichere, stellenweise fast schon plastikhafte Look, mit dem eine Welt konstruiert wird, die zwar bereits untergegangen ist, jedoch noch nicht in jener Gänze von Hoffnungslosigkeit zerfressen wurde, wie FURY ROAD.

FURIOSA ist auch dezidiert alberner, mit mehr Mut zur karikaturesken Überzeichnung, die noch einmal mehr den Aspekt freilegt, welche armen Würstchen diese Welt zugrunde gerichtet haben und nun trotzdem noch meinen, sie beherrschen zu müssen – mit ihren wertlosen Kriegsorden, den Admiralswesten, achtzylindrigen Schrottkarren und röhrenden Motorrädern. (Als würden wir dem nächsten FPD-Parteitag beiwohnen.) In diesem Film steckt mehr Witz, der der Ernsthaftigkeit dieser Welt jedoch niemals Abbruch tut, aber genau die richtigen Figuren in genau den richtigen Momenten ins Lächerliche zieht.

Dazu kommen viele neue visuelle Ideen, die das Gesamtpaket FURIOSA zu einem wirklich tollen Kinogenuss machen. George Miller einfach Maschine.

★★★★☆

US/AU, R: George Miller, D: Anya Taylor-Joy, Chris Hemsworth, Tom Burke, Alyla Browne, Lachy Hulme, Trailer, Wikipedia
Furiosa: A Mad Max Saga - Stream: Jetzt online anschauen
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Gesehen: The Exorcist (1973)

Gesehen: The Exorcist (1973)
(c) Warner Bros. Home Entertainment

Was mich sehr begeistert hat, sind die zeitlosen, die Implikationen des historischen Kontextes transzendierenden Qualitäten des Films, durch die sich auch Bezüge zu unserer Zeit eröffnen. Denn was jede Faser des Werks durchdringt, ist eine Betrachtung des gesellschaftlichen Umgangs mit psychischen Erkrankungen. Depressionen werden aufs Übelste stigmatisiert, Mediziner sind im übertragenden Sinne kurz davon, einer Jugendlichen das Hirn zu entfernen, bevor sie einmal ernsthaft zuhören und sich wirklich mit ihr auseinandersetzen. Selbst ein Exorzismus wird in den Raum gestellt – nur um sich nicht wirklich auf die junge Frau in einer offensichtlichen psychischen Krise einlassen zu müssen. Gesprochen wird über sie, aber nicht mit ihr.

Auch das Thema neokolonialer Schuld bietet sich meiner Meinung nach als Lesart an. Denn der Film öffnet mit einer Szene im Irak, wo unter Anleitung von US-Amerikanern Ausgrabungen stattfinden und der böse Geist freigesetzt wird. Es ist, als ob die Amerikaner nun dafür bestraft werden, dass sie die kulturellen Schätze anderer Völker plündern. Dass die ersten gesprochenen Worte „Allahu akbar“ sind, wirkt zunächst irritierend und mitunter etwas islamophob. Wahrscheinlich ist das dem mangelnden Feingefühl in dieser Zeit zuzusprechen. Denn ich habe nicht den Eindruck, dass der Film wirklich ein Bild vom bösen Islam zeichnen will. Ganz im Gegenteil, er legt den Finger doch schon sehr deutlich in die Wunden des christlich geprägten Westens.

Rein formal betrachtet ist es außerdem richtig stark, wie dynamisch und zielsicher hier inszeniert wird. Die Form folgt einer glasklaren Vision, Kamera, Ausstattung, Schauspiel und Score greifen meisterhaft ineinander und sind auf ein konkretes Ziel ausgerichtet. Friedkin geht selbstbewusst, furchtlos und kompromisslos an den Stoff heran und das reißt einfach mit.

★★★★☆

US, R: William Friedkin, D: Ellen Burstyn, Linda Blair, Jason Miller, Max von Sydow, Trailer, Wikipedia
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Das Sounddesign von THE ZONE OF INTEREST: „You Can Shut Your Eyes, but You Can’t Shut Your Ears“

Das Sounddesign von THE ZONE OF INTEREST: „You Can Shut Your Eyes, but You Can’t Shut Your Ears“
(c) The Atlantic, A24

The Atlantic hat – schon vor einer Weile, aber ich hab's jetzt erst gehört – mit Johnnie Burn (Design) und Tarn Willers (Mix) über den Sound von Jonathan Glazers herausragenden und formal herausfordernden THE ZONE OF INTEREST (2023) gesprochen. "You can shut your eyes, but you can't shut your ears."

‘You Can Shut Your Eyes, but You Can’t Shut Your Ears’
The Oscar-nominated “The Zone of Interest” is the sound of annihilation.

Gesehen: My Blueberry Nights (2007)

Gesehen: My Blueberry Nights (2007)
(c) Prokino

Wong Kar-wais Versuch, seine typische Bildästhetik in einen westlichen Kontext zu setzen, funktioniert nur bedingt. Wie gemacht scheint sie für die Momente der Zweisamkeit in einem New Yorker Café einerseits und erzeugt andererseits fast schon groteske Bilder, die wie eine nochmal überzeichnetere Version der Bildsprache eines FEAR AND LOATHING IN LAS VEGAS wirken.

Überrascht bin ich letztlich doch davon, wie wenig versöhnlich sich dieser Film gibt, obwohl ich ihm schon die Hoffnung als Grundprinzip unterstellen würde. Die Wärme der Bilder kann aber nicht über den bitteren Kern des Films hinwegtäuschen. Hier geht es um Alkoholismus, Spielsucht, Gewalt und Konsum um jeden Preis in einer weitestgehend unsolidarisch organisierten Gesellschaft, in der es ohne (Selbst-)Ausbeutung kein Überleben gibt.

Wer es dann trotzdem schafft, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen, aber ausgerechnet eine Frau ist, der wird dann doch noch Opfer eines sexuellen Übergriffs. Ich bin davon überzeugt, dass Wong Kar-wai gerade diesen Punkt mit ganz anderem Ansinnen inszeniert hat. Aber das Geschehen ist nun mal das Geschehen. Das kann natürlich auch aus einem (pseudo-)romantischen Blickwinkel heraus betrachtet werden, aber das bringt ein moralisches Dilemma mit sich, das der Film bedauerlicherweise ignoriert.

★★★☆☆

FR/HK, R: Wong Kar-wai, D: Norah Jones, Jude Law, David Strathairn, Rachel Weisz, Natalie Portman, Trailer, Wikipedia
My Blueberry Nights - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Gesehen: Tótem (2023)

Gesehen: Tótem (2023)
(c) Piffl Medien

Es ist so berührend und teilweise auch schmerzhaft zu sehen, wie dieses Kind hier durch die Lupe der Vergänglichkeit des Vaters mit der eigenen Existenz und im weiteren Sinne dem Fortbestand des Planeten hadert und gewissermaßen auf existenzieller Sinnsuche ist.

Wird diese bedingungslose und unbändige Liebe, die sie für ihren Vater empfindet, die ihr Vater für sie empfindet, die im Verbund der Familie am Leben erhalten wird, überhaupt Bestand haben, wenn er einmal nicht mehr ist, wenn sie irgendwann nicht mehr ist? Oder ist die Liebe größer als all das und sie sieht nur deren Schatten an der Wand?

Und es geht um das Unvermögen von Sprache. Die Vergänglichkeit des Vaters verlangt plötzlich danach Dinge, die bisher als Teil einer füreinander tief empfundenen Liebe keiner Worte bedurften, in Worte zu gießen. Aber es gibt Dinge, Verbindungen und Gefühle, die einfach größer als das Leben und die durch den Menschen beschreibbare Realität zu sein scheinen. Worte können dem niemals gerecht werden.

★★★★☆

DK/FR/MX, R: Lila Avilés, D: Naíma Sentíes, Montserrat Marañon, Marisol Gasé, Saori Gurza, Mateo García Elizondo, Teresa Sánchez, Iazua Larios, Trailer, Wikipedia
Totem - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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Zweiteilige Youtube-Doku: „The Making of Arrested Development was a Sh*t Show“

Zweiteilige Youtube-Doku: „The Making of Arrested Development was a Sh*t Show“
(c) The Walt Disney Corportaion

Arrested Development gehört zu meinen absoluten Lieblingsserien, die es trotz übelster Widrigkeiten auf drei großartige Staffeln (und zwei nicht unbedingt erwähnenswerte bei Netflix) gebracht hat. Jetzt bin ich auf Youtube über diese kleine zweiteilige Doku gestolpert, die nochmal zusammenrührt, was diese Serie so einzigartig gemacht hat, warum es trotz ein Wunder ist, dass sie existiert und welche Fehler letztlich zu einem etwas getrübten Vermächtnis geführt haben.

Arrested Development - Stream: Jetzt Serie online anschauen
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