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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Alexander Matzkeit über das Raygun-Dilemma

Alexander Matzkeit über das Raygun-Dilemma
(c) Sonia Sanmartin / Unsplash
Ich bin so fasziniert wie überfordert vom Fall der olympischen Breakdancerin Rachael “Raygun” Gunn aus Australien.

Mir geht es wie Alex. Und der hat sich nun die Mühe gemacht, ein bisschen Ordnung in diesen Komplex zu bringen.

Das Raygun-Dilemma
Ich bin so fasziniert wie überfordert vom Fall der olympischen Breakdancerin Rachael “Raygun” Gunn aus Australien.

Gesehen: Hypnotic (2023)

Gesehen: Hypnotic (2023)
(c) Telepool, CENTRALFILM Verleih

Erstmal ist HYPNOTIC ein unfassbar faul geschriebener Film, der sich anfühlt wie ein Satz Reifen, deren Felgen nicht ordentlich ausgewuchtet worden sind. Wie ein Auto mit diesem Schicksal eiert der Film vor sich hin und sieht sich so offenbar dazu gezwungen, ein paar halbgar aus den Angeln der Realität gehobenen Actionsequenzen immer wieder mit zehnminütigen Expositionsdialogen zu unterbrechen, weil sich diese Welt viel zu schnell abnutzt und so permanent lebenserhaltenden Maßnahmen unterzogen werden muss.

Ich finde aber, dass man ihn ruhig hätte sterben lassen können. Denn was hier präsentiert wird, schrammt bei genauerem Hinsehen wirklich nur knapp an der Ideologie von QAnon vorbei. Diese im Verborgenen agierende Schattenorganisation, die alle Fäden zieht oder zumindest ziehen kann und sich dafür der Kinder™ ermächtigt, das kommt schon sehr bekannt vor. Dazu diese fast schon Macho-Fantasie des ehrenhaften Helden, der das dunkle System als einer der wenigen durchblickt und somit zu Fall bringen kann. Man­no­mann.

★½☆☆☆

GB/US, R: Robert Rodriguez, D: Ben Affleck, Alice Braga, William Fichtner, J. D. Pardo, Dayo Okeniyi, Jeff Fahey, Jackie Earle Haley, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: 35 Rhums (2008)

Gesehen: 35 Rhums (2008)
(c) Soudaine Compagnie, Pandora Film, ARTE France Cinéma

So paradox es klingen mag, aber echte Freiheit lässt sich niemals ohne Zwänge und Verbote erreichen. Wer etwa finanzielle Freiheit erlangen möchte, muss sich grob formuliert über Jahre hinweg an den Schreibtisch anketten. Denn vor der finanziellen Freiheit steht der ökonomische und gesellschaftliche Aufstieg – und der gelingt aus einer weniger privilegierten Situation heraus, wenn überhaupt, nur über Bildung.

Die romantische Vorstellung, mit der Dampflok gen Sonnenuntergang zu fahren und dort hinter dem Horizont endlich frei zu sein, ist eine Illusion, weil das eben doch nur auf Schienen funktioniert. Und irgendwann verlernt der Mensch, frei zu sein. Nach Jahrzehnten der abstumpfenden Maloche ohne jeden Raum für Sinnstiftung und selbstwirksame Momente kann der Ruhestand aka die Freiheit wortwörtlich den Tod bedeuten, weil der Mensch im Vakuum nicht überleben kann.

Freiheit ist bei Claire Denis hier nichts inhärent Gutes, sondern ein komplexer Kompromiss zwischen ökonomischen Realitäten, menschlichen Träumen, väterlichen Gefühlen, gebrochenen Herzen und kapitalistischer Ausbeutung.

★★★½☆

FR/DE, R: Claire Denis, D: Alex Descas, Mati Diop, Nicole Dogué, Grégoire Colin, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: White Material (2009)

Gesehen: White Material (2009)
(c) Why Not Productions, Wild Bunch, France 3 Cinéma

Ich habe bei Weitem noch nicht alles von Claire Denis gesehen, aber es scheint mir, als ob sie selten so explizit den Kolonialismus ins Zentrum ihrer Erzählung rückt wie hier. Damit meine ich nicht, dass der Kolonialismus in ihren anderen Filmen keine gewichtige Rolle spielt – ganz im Gegenteil. Nur erschien mir oft viel mehr auf der implizierten Ebene abzulaufen. Und hier wird es uns auf dem Silbertablett präsentiert. Und das meine ich ganz wertfrei, es fiel mir nur auf.

Hier bestimmen aus einstigen kolonialen Verhältnissen gewachsene Strukturen mit eindeutig neokolonialistischen Prinzipien die Machtverhältnisse. Und es geht um das plötzliche Machtvakuum, das sich auftut, wenn die de facto Besatzungsmacht aus dem Land vertrieben wird. Es folgen politische und gesellschaftliche Instabilität, Bürgerkriege brechen aus, die Unterdrückung endet nicht, sie verschiebt sich nur.

Woran ich mich wirklich gerieben habe, sind die bildlichen Metaphern, die Claire Denis hier gewählt hat. Da gibt es den zu Beginn des Films einen den Rückzug ankündigenden Hubschrauber der französischen Armee, der beim Abwerfen von ein paar lächerlich schmalen Survival-Kits irgendwie auch nah an APOCALYPSE NOW ist. Es gibt die Arbeiter*innen, die wie auf einem Viehtransporter zur Kaffeeplantage gekarrt werden, wo sie in Baracken untergebracht werden, deren Inneres auch als Kulisse für einen KZ-Film hätte dienen können. Dass der Torbogen der Plantage dann auch noch optisch wahnsinnig nah Auschwitz ist, wird weder den Opfern des Kolonialismus noch den rund sechs Millionen KZ-Toten gerecht, sondern ist billige Effekthascherei.

★★★½☆

FR, R: Claire Denis, D: Isabelle Huppert, Christopher Lambert, Nicolas Duvauchelle, Isaach De Bankolé, William Nadylam, Michel Subor, Adèle Ado, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Andrei Rublev (1966)

Gesehen: Andrei Rublev (1966)
(c) trigon-film

Ein schonungsloser Ritt durch Teile der russischen Geschichte, bei dem Kontinuitätslinien des religiösen Fundamentalismus, des größenwahnsinnig-radikalen Nationalismus, der feudalistischen Ausbeutung und Unterdrückung, des Rassismus, der patriarchalen Gewalt und von verschiedensten Rattenfängern.

Wie umgehen mit einer derartigen Vergangenheit, mit im Namen irgendwelcher Säulenheiliger begangenen Verbrechen, die nicht nur immer weiter verklärt werden, sondern wieder als stolze Tradition angeführt werden? Wie können Künstlerinnen unter diesen Umständen schaffen oder sterben Künstlerinnen in einer derartigen Welt bereits vor ihrer fleischlichen Hülle?

All das gipfelt schließlich in einer Sequenz, bei der ich unweigerlich an den letzten Part von Fellinis 8½ denken musste – in der völlig im Tunnel, völlig größenwahnsinnig einem überlebensgroßen Ziel hinterhergeeifert wird; in der Hoffnung, dass mit dem Erreichen dieses Ziels die Erlösung kommt. Nur gerät dabei komplett unter die Räder, dass schon längst niemand mehr weiß, was das Ziel ganz konkret bedeutet – oder ob es überhaupt jemals einer gewusst hat.

★★★★½

SU, R: Andrei Tarkowski, D: Anatoliy Solonitsyn, Ivan Lapikov, Nikolay Grinko, Nikolai Sergeyev, Irma Raush, Nikolay Burlyaev, Trailer, Wikipedia
Andrej Rubljow - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Gesehen: Cruising (1980)

Gesehen: Cruising (1980)
(c) Warner Bros.

Persönlich kann ich an dieser Stelle gar kein abschließendes Urteil fällen: Friedkins Inszenierung dieses Milieus wirkt zwar durchaus klischiert, aber nicht aus einer überheblichen Position heraus. Die Kamera macht keinen Hehl daraus, dass hier ein randständiger Teil der Gesellschaft abgebildet wird. Doch sie macht auch klar, dass diese Randständigkeit nicht selbstverschuldet, sondern Resultat einer zutiefst homophoben bzw. queerfeindlichen Gesellschaft ist.

Darüber hinaus lässt der Film anhand des von Al Pacino verkörperten Protagonisten außerdem zu, ihn unter „moderneren“ Gesichtspunkten zu lesen – nämlich mit einem Verständnis von sexueller Orientierung als Konzept, das auf einem Spektrum und nicht nur zwei Polen existiert und durchaus fluide ist.

★★★½☆

US, R: William Friedkin, D: Al Pacino, Paul Sorvino, Karen Allen, Richard Cox, Don Scardino, Trailer, Wikipedia
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