Skip to Content

André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

1365 posts

Posts by André Pitz

Kinotagebuch: The Outrun (2024)

Kinotagebuch: The Outrun (2024)

Es ist unheimlich, wie nah sich Nora Fingscheidt mit Saoirse Ronan in der Hauptrolle an die brutale Vereinzelungserfahrung vor dem Hintergrund einer psychischen Erkrankung heraninszeniert. Der Film zeigt eine längst aufgerissene Wunde, die nie wieder verheilen wird. Das ist die bittere Wahrheit des Films und unseres Lebens. Kein Glücksbringer, kein Kampf mit den Elementen wird diese Wunde jemals verheilen lassen. Es gibt Dinge, die sich einfach niemals bewältigen lassen, und damit einen Umgang zu finden, ist eine lebenslange Aufgabe. Verklärter Optimismus liegt dem Film also fern. Aber er macht Mut und schürt Hoffnung – für die Protagonistin Rona, für uns, für mich. Ob auch für dich, kann ich mir nicht anmaßen zu sagen.

★★★★☆

DE/GB, R: Nora Fingscheidt, D: Saoirse Ronan, Paapa Essiedu, Stephen Dillane, Saskia Reeves, Trailer, Wikipedia
The Outrun - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Finde heraus, wie und wo du “The Outrun” heute auf Netflix, Prime Video, Disney+ & Co. online sehen kannst – einschließlich 4K und kostenloser Optionen.

Gesehen: My First Film (2024)

Gesehen: My First Film (2024)
(c) Mubi

Was dieser Film ziemlich gut beherrscht, ist eine durchgängig unangenehme Stimmung zu halten – und zwar letztlich nicht unbedingt nur durch das Geschehen, sondern alleine durch die zeitliche Einordnung. Diese Figuren, allesamt ältere Millennials, wurden gerade erwachsen, als 9/11 passierte. Schickten sich an, endlich die Zügel ihres Lebens in die Hand zu nehmen, als die Weltwirtschaft vor die Wand fuhr. Wie ist das, wenn man live im Fernsehen dabei zusieht, wie 3.000 Menschen sterben und danach die Welt immer und immer enger wird? Wie damit umgehen, ohne komplett dem Nihilismus zu verfallen?

Auch gefallen hat mir, dass mir der Film wieder mehr ins Bewusstsein gerückt hat, dass nicht nur das Ergebnis die Kunst ist. Mindestens gleichwertig, wenn nicht sogar den größten Anteil hat doch der eigentliche Prozess, sein Innerstes nach außen zu kehren. Und wenn dabei dann auch noch ein gutes Kunstwerk rumkommt, ist das ein cooles Addon, aber eben längst nicht alles. Es fällt mir schwer, das immer und immer wieder beim Durchdringen von Kunstwerken in Erinnerung zu rufen. Denn letztlich lässt sich ein Werk meistens nur für sich stehend betrachten und der Schaffensprozess bleibt weitestgehend im Dunkeln.

Hier drängt außerdem schon die digitale Welt mit ins Bild. Sämtliche Kunst und Kultur jederzeit nur einen Klick, einen Fingerwisch entfernt in der Hosentasche zu haben, ist Fluch und Segen zugleich. Wie seinen eigenen Weg finden, seine eigene Geschichte mit seinen eigenen Mitteln erzählen, wenn auf Youtube zu sehen ist, wie vermeintlich insignifikant die eigene Idee ist und wie andere genau diese Idee schon in unzählbar vielen Varianten versucht haben umzusetzen?

Sehr berührt hat mich, wie Zia Anger hier mit ihrem realen und fiktionalisierten jüngeren Ich in Dialog tritt, stets warm und wohlwollend, niemals resigniert, immer verzeihend und ermutigend.

Was mich jedoch beim Schauen nicht losgelassen hat, ist der Eindruck, dass diesem Film (und vielen vergleichbaren Stoffen, vor allem von Männern) ein Hauch von Anmaßung anhaftet. Denn vor der Verspielfilmung gab es bereits eine Version des Stoffes. Dieses Innere wurde bereits nach außen gekehrt. Und daran ändert auch ein Distribution-Deal nichts. Aber vielleicht ist tatsächlich was dran, als Zia Anger in ihrem eigenen Film Jean Renoir heranzieht, der einst „A director makes only one movie in his life. Then he breaks it up and makes it again“ sagte.

★★★☆☆

GB/US, R: Zia Angers, D: Odessa Young, Devon Ross, Cole Doman, Sage Ftacek, Jane Wickline, Seth Steinberg, Abram Kurtz, Jackson Anthony, Eléonore Hendricks, Eamon Farren, Philip Ettinger, Sarah Michelson, Ruby Max Fury, Trailer, Wikipedia
My First Film - Stream: Jetzt Film online anschauen
Finde heraus, wie und wo du “My First Film” heute auf Netflix und Prime Video sehen kannst – einschließlich kostenloser Optionen.

Gesehen: Stella. Ein Leben. (2023)

Gesehen: Stella. Ein Leben. (2023)
(c) Majestic Film

Ich bin mir nicht sicher, was dieser Film inszenatorisch versucht, aber immerhin versucht er irgendwas und lässt sich nicht komplett von Schuss, Gegenschuss, Halbtotale von den drei apokalyptischen Reitern des deutschen Historienschinkens vereinnahmen. Die Gleichung geht am Ende nur leider trotzdem nicht auf und so bleibt eine sehr komische Melange aus unkonventionellen Blenden und keinem Zweck dienender Farbspielerei übrig.

Ansonsten veranstaltet der Film mit seiner Protagonistin eine Art historischen Domino Day – ehe man sich versieht, ist bereits ein Großteil der Steine umgerissen worden und man hat gar nicht gesehen, was den ersten Stein überhaupt so richtig ins Wanken gebracht hat.

Stella fällt eine (folgenschwerere) Entscheidung nach der anderen. Aber der Film scheitert so wie die überlebenden Jüd*innen daran, einen Blick in Stellas Psyche zu erhaschen, den in ihr aufgebrochenen Abgrund zu umreißen und so nach den Grenzen ihres Gewissens suchen zu können.

Die Art und Weise, wie der Film diese Geschichte erzählt, erscheint mir fast schon wertlos. Es ist besonders bitter, diesen Film mit zunehmend unverhohlener an die Oberfläche durchdrückendem Antisemitismus in der Folge des 07. Oktober 2023 im Hinterkopf zu sehen. Denn vor diesem krassen Kontrast wird glasklar, dass hier vielleicht nicht die richtigen Menschen gefunden wurden, um gerade diese Geschichte mit dem nötigen Einfühlungsvermögen zu erzählen.

An die wirklich komplexen Fragen traut sich der Film einfach nicht heran. Aber genau damit steht und fällt dieser Stoff nun mal.

★½☆☆☆

AT/DE/CH, R: Kilian Riedhof, D: Paula Beer, Jannis Niewöhner, Katja Riemann, Joel Basman, Damien Hardung, Gerdy Zint, Trailer, Wikipedia
Stella. Ein Leben. - Stream: Jetzt Film online anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Stella. Ein Leben.” heute auf Netflix, Prime Video & Co. sehen kannst – einschließlich kostenloser Streams.

Gesehen: Tomorrow Never Dies (1997)

Gesehen: Tomorrow Never Dies (1997)
(c) Eon Productions / MGM

Dass das natürlich weiterhin sexistischer Quatsch ist, der vor lauter Klischees regelrecht trieft, ist fast schon nicht weiter erwähnenswert. Aber komplett faul ist der Film dann auch wieder nicht. Denn er registriert in dieser Zeit in den Jahren nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs, dass die bisher bipolare Welt eine Neuordnung erfährt und was einst so vermeintlich klar abzustecken war, nach und nach zersetzt wird.

Klar, Westen und Osten gibt es immer noch. Aber hier geht es um eine dritte Macht, die durch reine Konzentration von Kapital entsteht und dann missbraucht wird. Eigentlich ist es ein abschreckendes Beispiel dafür, was passiert, wenn zentrale KommunikationsTechnologien praktisch unreguliert bleiben in die Hände von rechtsradikalen Milliardären fallen. Elon Musk. Ich meine Elon Musk.

Zum Abgewöhnen bleibt weiterhin das ganz grundlegende Sujet der ganzen Reihe: Demokratisch gewählte Regierungen sind unfähig und müssen deshalb immer wieder von einem Geheimdienst gerettet werden, der jedoch kaum einer funktionierenden demokratischen und schon gar keiner transparenten Kontrolle unterliegt. Coole Agent*innengeschichten ließen sich auch ohne ein Abkulten dieses Weltbildes erzählen. Aber das muss man dann auch wollen.

★★½☆☆

GB/US, R: Roger Spottiswoode, D: Pierce Brosnan, Jonathan Pryce, Michelle Yeoh, Teri Hatcher, Joe Don Baker, Judi Dench, Ricky Jay, Desmond Llewelyn, Götz Otto, Samantha Bond, Trailer, Wikipedia
James Bond 007 - Der Morgen stirbt nie - Stream: Online
Wie man “James Bond 007 - Der Morgen stirbt nie” auf Netflix und anderen Streaming-Diensten ansehen kann – einschließlich kostenloser Optionen.

Kinotagebuch: The Room Next Door (2024)

Kinotagebuch: The Room Next Door (2024)

Zugegeben, es hat ein bisschen gedauert, bis mir klar geworden ist, dass hier beim Dialogbuch gar nichts schiefgelaufen ist. Denn vieles fühlt sich nach dem Vorlesen von groben Outlines von Szenen und Unterhaltungen an, in denen die Figurenbewegung und Inhalt klar und mit groben Strichen skizziert werden.

Aber weil sich das konsequent durch den gesamten Film zieht und Pedro Almodóvar nun auch kein Anfänger ist, muss die Frage gestellt werden: Ist das Absicht und gar keine Unfähigkeit? Ich jedenfalls glaube schon.

Die Sprache ist zentrales Mittel innerhalb dieser Versuchsanordnung, mit der Almodóvar versucht herauszufinden, was die Menschen untereinander und mit dem Konzept des Lebens verbindet. Ist es die Sprache?

So wie ich den Film gelesen habe: Nein, ist es nicht. Denn Almodóvar hat aus den Dialogen jegliche Seele gepresst, bis nur noch reine Mechanik, deskriptive Wortketten und somit das vermeintliche Wesentliche übrig geblieben sind. Und damit scheitern die Figuren daran, sich ihrer Beziehung zueinander und zum Leben zu vergewissern.

Was ist also der Kitt? Das vermag der Film nicht zu sagen. Und ich finde, das muss er auch nicht. Kunst ist uns keine Antworten schuldig, denn die Antworten können wir nur in uns selbst finden. (Wow, das war jetzt kitschig.)

Letztlich ist es schon interessant zu sehen, wie hier in der Regel als schlechtes Handwerk wahrgenommene Elemente eingesetzt werden, um viel tiefergehende Gedankengänge anzustoßen.

★★★½☆

ES, R: Pedro Almodóvar, D: Julianne Moore, Tilda Swinton, John Turturro, Alex Høgh Andersen, Esther-Rose McGregor, Melina Matthews, Juan Diego Botto, Alessandro Nivola, Trailer, Wikipedia
The Room Next Door - Stream: Jetzt Film online anschauen
Finde heraus, wie und wo du “The Room Next Door” heute auf Netflix, Prime Video & Co. sehen kannst – einschließlich kostenloser Streams.

Kinotagebuch: Riefenstahl (2024)

Kinotagebuch: Riefenstahl (2024)

Es wirkt, als ob Leni Riefenstahl aus der Zwischenhölle heraus gegen diesen Film anargumentiert. Denn es ist wirklich eine Art Dialog mit dem Nachlass Riefenstahls, den Andres Veiel hier anstrebt. Ohne Effekthascherei und komplett in sich ruhend lässt der Film die vergangene Leni Riefenstahl immer und immer wieder voller Selbstbewusstsein auflaufen. Veiel widerlegt Stück für Stück die von Riefenstahl um sich herum gesponnene Legende.

Es mag daran liegen, dass ich am Tag vorher GOLDHAMMER gesehen habe. Aber je tiefer sich die Archiv-Riefenstahl in ihren Bau aus Widersprüchen gräbt, desto überzeugter war ich davon: Wäre die Filmemacherin in unserer Zeit aufgewachsen, wäre sie Influencerin bzw. „Content"-Creatorin. Klar, eine mit unbestreitbarem Talent und Gespür für Ästhetik wie nur wenige andere, aber dennoch.

Am Ende bleibt ein Bild von Riefenstahl als Opportunistin mit bewusst selektiver Realitätswahrnehmung, die um jeden Preis rezipiert werden will – letztlich egal womit. Das zeigt sich auch darin, dass sie immer und immer wieder Interviews gibt – wohl wissend, dass sie auf ihre Rolle im Nazi-Regime angesprochen werden wird. Aber zu groß ist die Versuchung des Rampenlichts, zu gut die Gelegenheit, sich selbst und ein ganzes Täter*innenvolk als eigentliche, unwissende Opfer zu inszenieren.

(Eine ganz besondere Form des Ekels löst das für diesen Dokumentarfilm restaurierte historische Filmmaterial aus. Hitler in makellosem 4K und auf 24 Vollbilder die Sekunde interpoliert in die Kamera lächeln zu sehen, ist eine sehr komische Erfahrung.)

DE, R: Andres Veiel, Trailer, Wikipedia
Riefenstahl - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Riefenstahl” heute auf Netflix, Prime Video und Disney+ online sehen kannst – einschließlich in 4K und kostenloser Optionen.