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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Gesehen: The Pianist (2002)

Gesehen: The Pianist (2002)
Foto: Studiocanal, Arthaus

Es ist durchaus beachtlich, dass sich der Film trotz des unsagbaren Elends nicht zu einem Elendsporno auswächst. Ja, Polański zeigt schlechte Menschen, die anderen Menschen Unsägliches antun. Aber er suhlt sich mit seinen Bildern letztlich nie darin.

Es sind Bilder, die zeigen, wie ein ganzes Volk von der Bildfläche verschwindet. Wie Adrien Brody als Władysław Szpilman durch das praktisch komplett menschenleere Warschauer Ghetto läuft, durch Straßen, die von vereinzelten Leichen und den letzten zurückgelassenen Habseligkeiten derer, die kurz zuvor in den Zug nach Treblinka gesteckt wurden. Später durch die grauen Ruinen einer in Folge des Warschauer Aufstandes zerstörten Stadt.

Das sind wahnsinnig eindrückliche Momente, die von einer unbegreiflichen Vereinzelung erzählen.

Außerdem ist der Film ziemlich gut darin, zu transportieren, wie die Welt um Władysław Szpilman herum mit jeder Sekunde enger wird – natürlich einerseits durch unser Hintergrundwissen um die Shoah, andererseits durch viele Momente, die ob dessen zu Nebensächlichkeiten zu werden drohen. Die Frau, die aus Angst vor den Nazis ihr eigenes schreiendes Kind erdrosselt hat. Ein Lebensmitteldieb, der vor Verzweiflung Eintopf wortwörtlich von der Straße isst. Menschen, die auf Gnade von den Nazis hoffen und sich deshalb gegen ihre Mitmenschen richten.

Abschließend wie immer: Fuck Roman Polański.

★★★★☆

🇫🇷/🇩🇪/🇵🇱/🇬🇧, R: Roman Polański, D: Adrien Brody, Thomas Kretschmann, Frank Finlay, Maureen Lipman, Emilia Fox, Ed Stoppard, Julia Rayner, Jessica Kate Meyer, Michał Żebrowski, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Studiocanal, Arthaus

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A ★★★★ review of The Pianist (2002)
Es ist durchaus beachtlich, dass sich der Film trotz des unsagbaren Elends nicht zu einem Elendsporno auswächst. Ja, Polański zeigt schlechte Menschen, die anderen Menschen Unsägliches antun. Aber er suhlt sich mit seinen Bildern letztlich nie darin. Es sind Bilder, die zeigen, wie ein ganzes Volk von der Bildfläche verschwindet. Wie Adrien Brody als Władysław Szpilman durch das praktisch komplett menschenleere Warschauer Ghetto läuft, durch Straßen, die von vereinzelten Leichen und den letzten zurückgelassenen Habseligkeiten derer, die kurz zuvor in den Zug nach Treblinka gesteckt wurden. Später durch die grauen Ruinen einer in Folge des Warschauer Aufstandes zerstörten Stadt. Das

Gesehen: Rosa Luxemburg (1986)

Gesehen: Rosa Luxemburg (1986)
Barbara Sukowa in „Rosa Luxemburg" // (c) Studiocanal, Arthaus

Schon ein bisschen spröde und behäbig, aber Margarethe von Trotta tut trotzdem einiges dafür, hier nicht nur ein ultrakonventionelles, glatt gezogenes Biopic zu inszenieren.

Der Verzicht auf eine streng lineare Erzählweise kontrastiert immer wieder neu die Ideale Rosa Luxemburgs und die Notwendigkeit dieser mit der Welt im Wandel, der Gesellschaft im Wandel, der Sozialdemokratie im Wandel.

Ein bisschen Behäbigkeit ist schließlich verschwunden, als klar wurde, dass von Trotta hier keinen Wert darauf legt, möglichst opulentes historisches Puppentheater zu spielen. Mit unter anderem Karl Liebknecht, Clara Zetkin und August Bebel tauchen zwar auch andere „Titan*innen" der deutschen Sozialdemokratie auf, aber niemand wird hier überlebensgroß inszeniert – auch Rosa Luxemburg nicht. Das sind halt der Karl, die Clara und der August.

Aus heutiger Sicht ist es von Trotta außerdem besonders gut gelungen, sehr klar- und weitsichtig die Probleme linker Bewegungen einzufangen: Mackerprobleme, innere Grabenkämpfe bis zur Selbstzerfleischung und die Erkenntnis, dass ein Sieg der Sozialdemokratie noch längst kein Sieg über das Patriarchat bedeutet.

★★★½☆

DE/CZ/SK, R: Margarethe von Trotta, D: Barbara Sukowa, Daniel Olbrychski, Otto Sander, Hannes Jaenicke, Karin Baal, Winfried Glatzeder, Charles Regnier, Hans-Michael Rehberg, Trailer, Wikipedia
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Die ARD-Audiothek: Ein unnötiges öffentlich-rechtliches Silo

Die ARD-Audiothek: Ein unnötiges öffentlich-rechtliches Silo
(c) Natalie Kuhl / Unsplash

Die ARD-Audiothek ist ein tolles und absolut sinnvolles Produkt, um die Programmvielfalt der neun Landesrundfunkanstalten plus der drei Sender des Deutschlandradios abzubilden und zu bündeln. Was jedoch eine Frechheit ist: In der Entwicklung dieser Plattform sind mutmaßlich richtig dicke Summen gesteckt worden – und dann verweigert man sich Standards und Gepflogenheiten beim Publizieren von Podcasts.

RSS-Feeds für Inhalte aus der Audiothek gibt es nicht. Warum nicht? Diese Frage – „Warum bietet die ARD Audiothek keine RSS-Feeds der Podcasts an?" – stellt die ARD sogar selbst auf der korrespondierenden Hilfeseite. Die Antwort empfinde ich als blanken Hohn, denn natürlich geht sie auf das „Warum" mit keiner Silbe ein.

In der ARD Audiothek werden derzeit keine Podcasts als RSS-Feeds angeboten. In den Apps der ARD Audiothek und auf der Webseite können Podcasts jederzeit abonniert und offline gespeichert werden. Mit dem ARD-Konto können Sie die gespeicherten Inhalte auf allen angemeldeten Geräten übergreifend nutzen.

Vereinzelt werden Podcasts als RSS-Feeds auf den Webseiten der jeweiligen für die Sendung verantwortlichen Sendern angeboten. Hierfür sind die Landesrundfunkanstalten jeweils selbst verantwortlich. Bei Fragen zu einzelnen Sendungen bitten wir Sie sich direkt an die entsprechenden Sender zu wenden.

Ich will nicht die drölfzigste App installieren, um einen weiteren Podcast hören zu können. Ich will die App benutzen, die ich mir aus Gründen ausgesucht habe und den offenen Standard nutzen, auf den sich Podcaster:innen geeinigt haben, lange bevor Spotify und Co. mit der Enshittification des Internets losgelegt haben.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist nicht davon abhängig, seine Inhalte in Silos zu stecken (und zu verstecken) und sollte es deshalb auch nicht tun. Gesellschaftlich relevante Recherchen, aber auch öffentlich-rechtliche Unterhaltung sollten in ihrem Zugang einfach nicht unnötig beschränkt werden. „Alle Folgen könnt ihr in der ARD-Audiothek hören" garantiert, dass ich es mit Sicherheit nicht tun werde – so bitter das auch ist.

Gesehen: Lee (2023)

Gesehen: Lee (2023)
Kate Winslet in „Lee" // (c) Studiocanal

Wie dieser Film im Abspann noch einmal selbst betont, war Lee Miller eine der wichtigsten Kriegsberichterstatter*innen unserer Zeit. Und dann erzählt ihr mit dieser Engstirnigkeit ihre Geschichte?

Die Filmfigur Lee Miller ist eine getriebene Frau – jedoch über weite Strecken nicht von ihren eigenen Überzeugungen, sondern weil sie auf Männer reagiert. Das schmälert letztlich auch ihre Arbeit, der dieser Film kaum gerecht wird und die auch nur selten wirklich nachempfunden wird.

Vom fotojournalistischen Prozess, dem künstlerischen Aspekt und dem Idealismus dahinter ist im ganzen Film kaum auch nur ein Hauch zu spüren.

Völlig bizarr ist auch der regelrecht publikumsverachtende Geschichtsunterricht, der hier wie für noch unwissende Fünftklässler*innen betrieben wird. Aber es muss noch mal erklärt werden, dass ja aus allen Ecken des Kriegsgebiets Menschen verschleppt und nie zurückgekehrt sind. Dass das Vernichtungslager Dachau auch wirklich von den Nazis war – denn wofür braucht es sonst diesen Schwenk über einen Torbogen mit Hakenkreuz und Reichsadler?

Der Film treibt konsequent unfokussiert an der Oberfläche und tut wirklich rein gar nichts dafür, auch nur mal kurz den Kopf unter die Wasseroberfläche zu tauchen.

★½☆☆☆

AU/SG/US/HU/GB, R: Ellen Kuras, D: Kate Winselet, Andy Samberg, Alexander Skarsgård, Marion Cotillard, Andrea Riseborough, Noémie Merlant, Josh O’Connor, Trailer, Wikipedia
Lee - Die Fotografin - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Gesehen: The Last Stop in Yuma County (2023)

Gesehen: The Last Stop in Yuma County (2023)
Jim Cummings und Jocelin Donahue in „The Last Stop in Yuma County" // (c) Pandastorm Pictures

Nicht sonderlich viel mehr als eine Stilübung. Zwar eine gute Stilübung, aber eben nur eine Stilübung. Die satirische Überhöhung dieser Figuren, dieser Ästhetik, dieser Dramaturgie fügt sich eher nicht zu einem wirklich dichten Werk. Ja, Francis Galluppi hat offenkundig sehr scharf beobachtet, wie die Filme der Tarantinos, der Coens, der Schießmichtots in Teilen funktionieren. Aber letztlich ist unter diesem Kommentar auf die Kolleg*innen wenig eigene Substanz zu finden.

Der für mich interessanteste Betrachtungswinkel war der durch das junge Paar (Sierra McCormick und Ryan Masson) eröffnete. Er betet ihr einen vermeintlichen genialen Plan für den Einbruch bei einem Diamanthändler herunter und sie zerlegt ihn lauthals, weil sich herausstellt, dass er nicht viel mehr tut, als einen Film zu zitieren.

Ab diesem Punkt blickt der Film nicht mehr nur nach innen, sondern auch nach außen – auf das Publikum. Ein Publikum, das mit 16 PULP FICTION gesehen und sich danach nie wieder richtig herausgefordert hat. Nie den Drang verspürt hat, hinter diesen Horizont zu blicken, aber anderen erzählen wollen, man habe die ganze Welt gesehen.

Und deswegen müssen Francis Galluppis Figuren auch sterben, weil es da draußen noch viel mehr als nur diese Art des Kinos gibt.

★★★☆☆

US, R: Francis Galluppi, D: Jim Cummings, Jocelin Donahue, Sierra McCormick, Nicholas Logan, Michael Abbott Jr., Connor Paolo, Alex Essoe, Robin Bartlett, Jon Proudstar, Sam Huntington, Ryan Masson, Gene Jones, Faizon Love, Richard Brake, Barbara Crampton, Trailer, Wikipedia
The Last Stop in Yuma County - Stream: Online anschauen
Wie und wo du “The Last Stop in Yuma County” online auf Netflix & anderen Anbietern ansehen kannst – einschließlich kostenloser Streams.

Gesehen: Leaving Las Vegas (1995)

Gesehen: Leaving Las Vegas (1995)
Nicolas Cage und Elisabeth Shue in „Leaving Las Vegas" // (c) Studiocanal, Arthaus

Braucht für meinen Geschmack sehr lang – vielleicht auch zu lang –, um wirklich aus dem Knick zu kommen. Viel Zeit geht für selbstmitleidige Rührseligkeit drauf, bis dann auf den letzten Metern tatsächlich noch die emotionale Dampframme ausgepackt wird.

Wie wunderschön und gleichzeitig schmerzhaft ist es bitte, diesen beiden Figuren zuzusehen. Die beschlossen haben, dass ihr jeweiliges Leben nichts mehr für sie ist. Die sich gegenseitig sehen, akzeptieren, stützen, stärken und schließlich lieben. Die wissen, dass es zu dieser Liebe ein bereits geschriebenes Ende gibt. 💔

★★★½☆

FR/GB/US, R: Mike Figgis, D: Nicolas Cage, Elisabeth Shue, Julian Sands, Trailer, Wikipedia
Leaving Las Vegas: Liebe bis in den Tod - Stream: Online
Wie man “Leaving Las Vegas: Liebe bis in den Tod” auf Netflix & anderen Streaming-Diensten ansehen kann – einschließlich kostenloser Optionen.