Richtige™ Kritiken habe ich in den vergangenen Wochen immer nur über sehr ernüchternde deutsche Komödien geschrieben. Aber the job is the job. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, den ab Freitag (03.04.) bei Mubi aufschlagenden MY UNDESIRABLE FRIENDS – PART 1: LAST AIR IN MOWSCOW bereits sehen und darüber schreiben zu können.

Loktev verwebt ihre streng mit der Handkamera gefilmten Beobachtungen mit Programmausschnitten aus verschiedensten Doschd-Formaten und Handyvideos ihrer Protagonist:innen zu einer multiperspektivischen Bildcollage, die in ihrer Gesamtheit nicht nur Porträt einer gewissen Unausweichlichkeit, sondern ebenso Ausdruck eines zentralen Motivs der filmischen Auseinandersetzung mit repressiven Systemen ist: des Motivs der Zeug:innenschaft.

MY UNDESIRABLE FRIENDS reiht sich damit ein in die in unmittelbarer zeitlicher Nähe erschienenen Spielfilme THE SECRET AGENT von Kleber Mendonça Filho und FÜR IMMER HIER von Walter Salles. Das unablässige Dokumentieren der Verhältnisse und der persönlichen Umstände fungiert sowohl im Fiktionalen als auch in der harten Realität von MY UNDESIRABLE FRIENDS vor allem als Instrument der Selbstvergewisserung: Ja, ich sehe das gleiche Unrecht wie du. Ja, ich bin immer noch hier. Ja, ich bin bei dir. Ja, wir stehen (das) zusammen (durch).
My Undesirable Friends: Part I - Last Air in Moscow (2024) | Film, Trailer, Kritik
Julia Loktev ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort und zeigt, was russische Journalist:innen aus dem Inland nun nicht mehr zeigen können. Es geht u…