Ein Team des Deutschlandfunks hat eine beeindruckende, bedrückende und beharrliche Recherche über sexualisierte Gewalt an Schulen, von Lehrern an Schülerinnen, in knapp fünf Podcaststunden verarbeitet.
Drei Schülerinnen sind 15 Jahre alt, als ihre Lehrer mit ihnen eine Beziehung beginnen. Viele Jahre später fragen sich die Frauen, warum dieser emotionale und sexuelle Missbrauch an ihren Schulen lange unbemerkt stattfinden konnte. Der Podcast „Die Lieblingsschülerin“ erzählt von ihren persönlichen Erfahrungen und legt die strukturellen Probleme im Schulumfeld offen. Er fragt, wie Pädagoginnen, Lehrkräfte und Gesellschaft verantwortungsvoller mit Nähe, Macht und Sexualität umgehen können.
Ich finde, dem Podcast gelingt durch die Entscheidung, drei Geschichten parallel zu erzählen, eine sehr gute Gratwanderung. So wird einerseits mit der Mär von den bedauerlichen Einzelfällen gebrochen, andererseits reichen die drei Fälle wiederum, um abstrahieren und Schlüsse auf systemische Probleme ziehen zu können.
Vieles davon mag nicht neu sein. Aber das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass es immer noch derartiger Recherchen bedarf, weil von den zuständigen Behörden kaum mehr als Lippenbekenntnisse zu kommen scheinen.


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