Ich finde es immer wieder toll, wie Jafar Panahi stets auch einfach „nur“ Dokumentarist iranischen Lebens ist, das jedoch niemals zulasten der Schärfe seiner unermüdlichen Kritik an den iranischen Zuständen geht und auch niemals dazu führt, dass Menschen aus der Haftung genommen werden und zu leicht davonkommen.
NO BEARS dokumentiert und ist gleichzeitig Ausdruck der enormen Widersprüche, denen die Menschen in Iran und Jafar Panahi als vom Regime sanktionierter Kunstschaffender ausgesetzt sind, die auch in ihnen existieren und von ihnen fortgeschrieben werden.
Es ist die Auflage, das Land nicht verlassen zu dürfen und sich gleichzeitig aus freien Stücken dazu zu entscheiden, zu bleiben. Zu bleiben, um hinzusehen, Zeuge zu sein. Um dem Regime und seinen Vasallen über den Film sinngemäß ins Gesicht zu sehen: „Schaut her, ihr könnt mir gar nichts, ich finde immer einen Weg und werde Zeuge eurer totalitären Mangel sein!“
Dieses Zeugnis legt Panahi hinter mehreren, immer wieder gebrochenen, immer mal mehr und mal weniger durchlässigen Filmebenen ab. Fiktion wird Wirklichkeit, Wirklichkeit wird Fiktion, Blicke gleichzeitig geschärft und verschleiert – immer unter Lebensgefahr, immer gewillt, nicht einfach die Flucht zu ergreifen.
★★★★☆
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