Gesehen: The Balconettes (2024) - Entschleierte Gewalt
FilmkritikNoémie Merlant erklärt sich selbst den Boden unter den Füßen weg
Die Variation des REAR WINDOW-Motivs, das Spiel mit dem, was hinter den Türen und Vorhängen passiert, das hat jüngst auch Chloe Okuno mit WATCHER ganz ähnlich versucht. Okuno und auch hier Noémie Merlant wischen den über der patriarchalen Gewalt liegenden Schleier jeweils auf eigene Art und Weise weg.
Merlant arbeitet mit dem Spannungsverhältnis zwischen Anspruchsdenken ohne Schuldbewusstsein auf der einen, und der gewissenhaften Verschleierung von Gewalt auf der anderen Seite. Sie legt Schicht um Schicht frei und eskaliert das Geschehen sowie die Drastik der Bilder konsequent. Und sie findet dafür besonders gegen Ende des Film auf einem Boot im Meer ein total schönes wie absurdes und skurriles Bild der Solidarität und der Schwesternschaft.
Warum sich also der Film dann noch mal nach all dem in aller Ausführlichkeit selbst erklären muss, ist mir ein absolutes Rätsel. Als ob hier Zweifel an etwas ausgeräumt werden müssten, woran die Inszenierung aber eigentlich gar keine Zweifel lässt – also für Zuschauer:innen, die den Film nicht auf dem Second Screen durchlaufen lassen. Es reißt die im Vergleich dazu nicht unbedingt total subtile, aber ausreichend feingliedrige Vorarbeit mit einem monströsen Vorschlaghammer wieder ein bzw. lässt sie im Nachhinein nach vergeblicher Liebesmüh aussehen.
★★★☆☆
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