Klar, das sind schon ziemlich privilegierte Verhältnisse, aus denen heraus hier erzählt wird. Darüber kann auch die Anmerkung der Schwester der Protagonistin, dass man das Geld aus einem etwaigen Verkauf des Hauses der verstorbenen Mutter gut hätte gebrauchen können, nicht hinwegtäuschen. Denn in einer Zwangslage scheint sich deren Familie nicht zu befinden.

Joachim Trier schafft es dennoch – im Gegensatz zu Noah Baumbachs im selben Sommer uraufgeführtem JAY KELLY – anschlussfähig zu bleiben und die Brücke zum emotionalen Kern seiner Geschichte nicht einstürzen zu lassen.

Trier erzählt durch die Gefühlswelt der Protagonistin von deren Vater, der erst am Ende seiner Karriere und wahrscheinlich auch seines Lebens, konfrontiert mit der Sterblichkeit seiner Freunde und seiner eigenen, plötzlich eine seit Kindheitstagen klaffende Wunde in sich entdeckt. Der den Suizid seiner Mutter nie verarbeitet, sondern nur abgetan und verdrängt hat.

Er muss erkennen, dass diese Wunde bis in die Seelen seiner Töchter klafft. Dass er seine beiden Töchter und die Mutter einst nicht einfach nur verlassen hat, sondern er dabei vielleicht selbst sicherstellte, dass es nicht sie sind, die ihn verlassen – im übertragenen Sinne wie seine Mutter damals. Dass er für dieses Kapitel nie ein Ende verfasst und seinen Töchtern nie das Schreiben beigebracht hat.

Der Vater dominiert die gesamte Erzählung des Films, obwohl er nicht der Protagonist ist. Trier beutet den Schmerz und das Trauma der Protagonistin an vielen Stellen schlichtweg aus, um die Vaterfigur zu entwirren. Das kann man dem Film durchaus vorwerfen und das halte ich auch für seine größte Schwäche.

Dennoch steckt eine universelle Wahrheit in diesem Film, die sich dessen unbeeindruckt zeigt.

★★★½☆