Gesehen: Sirāt (2025) - Geister in der Wüste
FilmkritikMenschen verlieren durch Verluste die Haftung an der physischen Welt
Für mich ist SIRĀT eine Geistergeschichte. Denn das Leben, das dieser Mann führt, lässt sich kaum als solches bezeichnen. Er zieht mit seinem Sohn im Schlepptau nur noch von Rave zu Rave, immer auf der Suche nach seiner für ihn spurlos verschwundenen Tochter. Seine Tochter ist für ihn zum Geist geworden und er versucht nun, ihr auf diese Ebene zu folgen, über die Raves zu geistern und sie so zu finden.
Er haftet immer weniger an dieser Welt und seinem eigenen Leben. Deshalb ist es nur folgerichtig, dass er schließlich unbeirrt und unbeschadet über ein Minenfeld laufen kann. Es ist wie, als ob er tatsächlich zum Geist geworden ist, dem gar keine Wechselwirkung mehr mit der physischen Welt möglich ist.
SIRĀT ist aber auch eine Geschichte über Flucht – die Flucht vor Familie, Gesellschaft, deren Konventionen, der Welt und ihrem Elend, hin zu Freund*innen und in die Hoffnung auf ein besseres Leben.
★★★★☆
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