Bei Youtube gibt's jetzt auch werbefinanziertes Filmfutter.
Wie die Plattform heute mitteilte, stehen dort zu Beginn Filme von NBC Universal, Paramount und Lionsgate sowie von europäischen & deutschen Partnern wie Wild Bunch Germany, Splendid Film, Tiberius Film, Vuelta, Beta Film, One Gate Media, Daredo und Kontor New Media bereit.

Wie üblich ist da erst mal jede Menge Schund dabei. Ich habe aber trotzdem mal die gesamte Liste durchgescrollt und die ersten Perlen rausgesucht:
Billy Wilders Meisterwerk SOME LIKE IT HOT (1959)
Dieser Film stellt konsequent Männlichkeit und das Bild davon, was ein Mann sein muss und sich gesellschaftlich erlauben darf, infrage. Er lässt Tony Curtis und Jack Lemmon die Perspektive wechseln und dadurch erfahren, welchen Stellenwert Frauen auch wegen Männern wie ihnen haben.

Sidney Lumets brillante Mediensatire NETWORK (1976)
Tonight on Hannity...

Christopher Nolans Erstlingswerk FOLLOWING (1998)
Das hat sich nach dem Debüt eines Filmhochschulabsolventen angefühlt, obwohl Nolan nie eine Einrichtung dieser Art besucht hat. So sehr kreist FOLLOWING um die eigene Kunstform, denkt über das Parasitäre, Übergriffige und Invasive von Film im Speziellen und Kunst im Allgemeinen nach, lotet die Grenzen zur Aneignung aus.

James Mangolds atmosphärischer Western 3:10 TO YUMA (2007)
Rob Reiners Kultklassiker THE PRINCESS BRIDE (1987)
Frank Capras zeitloser IT'S A WONDERFUL LIFE (1946)
IT'S A WONDERFUL LIFE is a just beatiful film about the struggle of not being corrupted by an in part incredibly cynical and selfish world and what it takes to remain a good person in this seeming mess.

Der gar nicht mal so schlechte späte dritte BILL & TED FACE THE MUSIC (2020)
Torsten Körners gelungener Dokumentarfilm SCHWARZE ADLER (2021) über Rassismus im Spitzenfußball
Rolf Peter Kahls und Saralisa Volms Reenactment ALS SUSAN SONTAG IM PUBLIKUM SASS (2021)
Ganz prinzipiell finde ich schon, dass Reenactments dieser Art gewinnbringend sein können – also etwas nicht nur durch seine textliche Wiedergabe zu rezipieren, zu durchdringen und zu verhandeln, sondern sich durch das Theater sozusagen mitten in die Verhandlungsmasse zu begeben und durch diesen performativen Akt Denk- und Diskursprozesse anzustoßen.

Die Influencerinnen-Dokumentarfilm GIRL GANG (2022)
Es ist nicht sonderlich überraschend, was Susanne Regina Meures' Dokumentarfilm hier zutage fördert. Aber aufgrund der Nähe zu diesen Menschen ist er dadurch trotzdem nicht weniger faszinierend. Meures gelingt es einzufangen, wie sich der algorithmisch gesteuerte Mahlstrom auswächst und das Leben einer ganzen Familie pulverisiert, wie öffentlich sichtbare Metriken und Zahlen auf den Bankkonten Menschen zunächst aushöhlen, um sich dann selbst in der leeren Hülle wie Parasiten einzunisten.

Lonely Islands absurd-alberne Stuntman-Persiflage HOT ROD (2007)
Alexander Paynes Politsatire ELECTION (1999)
John Carneys irisches Kleinod ONCE (2007)
Martin Scroseses größenwahnsinniger THE AVIATOR (2004)
Es ist schon bemerkenswert, dass selbst jemand vom Format eines Scorsese dem Größenwahn von Howard Hughes nur mit eigenem Größenwahn begegnen kann. Das sagt viel mehr über die Kulturindustrie Hollywoods und deren Unfähigkeit, sich wirklich tiefergehender mit einer Person als nur an der glänzenden Oberfläche auseinanderzusetzen, aus als über Hughes.



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