Ohne zunächst wirklich etwas über den historischen Hintergrund zu wissen, habe ich hier ständig ein Abkippen in den Folk-Horror erwartet. Doch das Folk lässt auf sich warten und einen irgendwann sitzen, weil dieser Horror gänzlich real ist. Das macht den Film zu einem der unangenehmsten, die ich in jüngster Zeit gesehen habe.
Ein paar Mal bemühen Veronika Franz und Severin Fiala das Bild der Berge, von denen herab kein Tal, sondern nur eine undurchdringliche Nebeldecke zu sehen ist. Es scheint, als ob dieser Nebel den Horror der Filmwelt von unserer Welt abgrenzt. Doch denken wir das einmal ein paar Zentimeter weiter: Wenn sich der Nebel irgendwann verzieht, sehen wir, dass dahinter die ganze Zeit nur ein weiterer Teil unserer Welt verborgen lag. Es ist nicht die Hölle, die Unterwelt oder ein Purgatorium. Es ist unsere Welt. Genau darin liegt für mich dieser unangenehme Horror des Films. Es ist ein Horror, dem einfach nicht zu entkommen ist. Wer das Pech hat, geboren zu werden, wird von ihm unweigerlich in Beschlag genommen.
Die von Anja Plaschg gespielte Protagonistin Agnes hat dieses Pech, auf die Welt gekommen zu sein. Weil sie (als Frau) existiert, schlägt ihr (patriarchale) Feindseligkeit entgegen. Sie wird für das Unvermögen anderer erniedrigt und bestraft. Eine Existenz in dieser Welt ist permanentes Aushalten, ein dauerhaftes Ankämpfen gegen das Verlangen, aus diesem Leben und damit wieder aus dieser Welt zu treten.
Besonders Frauen leiden unter diesem System, letztlich aber jeder Mensch. Denn auch von Agnes' Mann wird erwartet, dass er seiner Frau drölfzig Kinder macht. Aber wie soll das gehen, wenn die Arbeit von früh bis spät den Körper bereits bis zur Dysfunktion ausgelaugt hat?
Will man wirklich Kinder in diese Welt setzen? Seinen eigenen soll dieser Moloch lieber erspart bleiben. Bereits geborene sind auf dem besten Weg, zum Fortbestand dieser Welt beizutragen. Doch das muss verhindert werden...
★★★½☆
