Gesehen: Le Pupille (2022)

Filmisch erzählt wurde schon viel und ausführlich über die Nähe und strukturellen wie ideologischen Übereinstimmungen von katholischer Kirche und (italienischem) Faschismus. Doch hier gibt es eine Szene, die damit einen frischen Umgang findet.
Die Internatsmädchen müssen sich geordnet Aufstellen, um die neuste italienische Weltkriegspropaganda im Radio mit anzuhören. Als die offenbar linientreue Nonne den Raum verlässt, tritt eines der Mädchen aus der Reihe. Sie hat ein Auge auf ein neben dem Gerät liegendes besticktes Herzornament geworfen. Beim Aufheben hält sie sich am Radio fest. Dabei wird plötzlich der Empfang verrückt und wechselt von Propaganda zu Musik – und alle Mädchen beginnen, ausgelassen zu tanzen.
Doch dann kehrt die Nonne zurück, das Mädchen lässt das Herz fallen und aus dem Radio tönt wieder Propaganda. Denn Faschismus hat kein Herz, nur Hass. Hass wird erlernt, ein Herz muss erst vergessen werden.

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