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Feuilleton & Firlefanz

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Gesehen: Bad Education (2004) - Schubladenspiel

Von Traumata so schwer, dass sie nur durch mehrere Filter erzählt werden können

Gesehen: Bad Education (2004) - Schubladenspiel
Bild: Studiocanal

Ein verschachteltes Vexierspiel, das ein Trauma aufbricht, die Teile in verschiedene Schubladen steckt, diese wahlweise für immer verschließt, in verschiedensten Konstellationen öffnet und miteinander kombiniert oder sie gar herausreißt und den Inhalt auf dem Boden verteilt.

Pedro Almodóvar erzählt hier von Erfahrungen, die derart schwer wiegen, dass sie offenbar selbst im Film nur durch den Filter eines Films erzählt werden können. Dass mehrere Abstraktionsebenen eingezogen werden müssen, um sie zur Sprache bringen oder gar verhandeln zu können.

Er geht sogar so weit, dass seine Figuren in ein anderes Geschlecht flüchten, um möglichst weit weg vom eigenen, das so eng mit

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Gesehen: Arlington Road (1999) - Kollektive Ignoranz

Der GAU ist nicht die Eskalation, sondern die Umstände, die sie ermöglichen

Gesehen: Arlington Road (1999) - Kollektive Ignoranz
Bild: Filmjuwelen

Adäquat inszenierter Verschwörungsthriller, der kaum an Dringlichkeit verloren hat, und ein so folgerichtiges wie konsequentes Ende nimmt. Spannend ist, dass der Film die Paranoia letztlich nicht über die eigentliche Verschwörung einzieht, sondern über die kollektive Ignoranz ihr gegenüber.

Damals™ wie heute richtig, im Film wie in der Realität: Alle notwendigen Werkzeuge, alle akademischen, gesellschaftlichen und exekutiven Strukturen, um Kontrolle über diese Form der Zersetzung zu erlangen und Eskalation zu verhindern.

Aber in dem Wissen darum ist eben auch der Glaube daran angelegt, dass aufgrund der Vorbereitung und Bereitschaft eben nichts passieren könne. Aus Leichtfertigkeit wird Blindheit, aus Blindheit wird Ignoranz,

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Gesehen: Z (1969) - Gespannte Verwaltung

Costa-Gavras macht Bürokratie spannend und spielt Puzzle mit der Wahrheit

Gesehen: Z (1969) - Gespannte Verwaltung
Bild: Filmjuwelen

Mit welchem Rhythmus und welcher Lässigkeit hier eine Reihe von Verwaltungsakten, also die bürokratische Seite des Autoritarismus, inszeniert wird, ist ein ambitioniertes und verführerisches Kunststück, das mich an Melville, Dassin oder auch Lumet erinnert.

Costa-Gavras bricht die Wahrheit – oder das, was gemeinhin als Wahrheit begriffen wird – Stück für Stück in immer kleinere Fragmente auf, und lässt sie von den politischen Akteuren seiner Erzählung immer wieder neu zusammensetzen. Die innere Logik und Plausibilität dieser neuen Puzzlebilder spielen dabei immer kleinere Rollen.

Denn je weiter die Lage eskaliert, je verrohter die Mittel werden, desto egaler wird die formulierte Herleitung. Es geht nur

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Gesehen: Castration Movie Anthology ii. The Best of Both Worlds (2025) - Gratwanderung im Affekt

MACH, DASS ES AUFHÖRT!

Gesehen: Castration Movie Anthology ii. The Best of Both Worlds (2025) - Gratwanderung im Affekt
Bild: Louise Weard

Das hat sich für mich sehr danach angefühlt, als ob sich dieser Teil nun mit aller Kraft gegen eine intellektualisierte Rezeption zu wehren versucht – so sehr ist dieser Film auf Überwältigung und sensorische Überreizung ausgelegt.

Natürlich lassen sich die porträtierten Anordnungen auch auf einer rein abstrakten Ebene auseinanderdröseln und bearbeiten. Aber was hier, zumindest bei mir, auf der Ebene des reinen Affekts passiert ist, war enorm und hat formal ähnliches Kino wie das von Gaspar Noé (mit LUX ÆTERNA und CLIMAX) fast schon alt aussehen lassen.

Der Film wagt die permanente Gratwanderung zwischen Solidarität und Isolation, zwischen Unterdrückung und Entfaltung,

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Gesehen: Soldaten des Lichts (2025) - Gefügig bis aufs letzte Gramm

Die Hybris, sich auch noch bereitwillig beim Grift filmen zu lassen...

Gesehen: Soldaten des Lichts (2025) - Gefügig bis aufs letzte  Gramm
Bild: ZDF, Julian Vogel

Es sind nicht die Strukturen, die Manipulationen, die abstrusen Verschwörungsideologien und die menschenfeindlichen Weltbilder. Es ist die absolute Schamlosigkeit dieser Gestalten, die der Film besonders gut herausstellt.

Eine der letzten Texttafeln vor den Credits sollte eigentlich kaum überraschen. Und dennoch ist sie ein derartiger gnadenloser Schlag in die Magengrube, der unmissverständlich klarstellt, dass es hier um mehr als ein paar Exzentriker*innen geht, die im Innenhof eines heruntergekommenen Guts Königreich spielen.

Es geht um das systematische Herabwirtschaften von hilfebedürftigen Menschen – psychisch, physisch, wortwörtlich wirtschaftlich. Es ist ein Gefügigmachen mit dem Ziel, einen absolut wehrlosen Menschen bis auf das letzte Gramm

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Gesehen: Castration Movie Anthology i. Traps (2024) - Anschmiegendes Rauschen

Ein beeindruckendes Werk über Raumnahme in jeglicher Ausprägung

Gesehen: Castration Movie Anthology i. Traps (2024) - Anschmiegendes Rauschen
Bild: Louise Weard

Dieser Film gehört mit zu den eindrucksvollsten Beweisen, dass die Form des Ausdrucks fast keine Rolle spielt, wenn man eine starke Geschichte zu erzählen hat, etwas zum Ausdruck bringen will und das auch in einer klaren eigenen Stimme vermag. Und dennoch ist die Form hier keineswegs egal, sondern sie und der Inhalt bedingen einander.

Es ist das Rauschen des DV-Bildes und das Rauschen des durchlaufenden Bandes, das sich permanent über die Tonspur legt und an die Figuren schmiegt. Es ist der daraus entstehende sensorische Rausch, der die Erfahrungswelt der Figuren spiegelt.

Figuren, die virtuelle Räume nutzen, um bestehende zu erweitern,

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