Skip to Content

Netzkultur

27 posts

Posts tagged with Netzkultur

Martin Fehrensen erklärt digitale Öffentlichkeit jetzt auch (sehr gut) auf Youtube

Schöner erster Aufschlag von Martin Fehrensen of Social Media Watchblog-Fame, der jetzt auch Youtube macht.

Warum ist der organische Google-Traffic 2025 global um ein Drittel eingebrochen? Was bedeutet es für unsere Demokratie, wenn die „eine richtige Antwort“ der KI das Abwägen überflüssig macht? Diese Fragen beschäftigen gerade ein Drittel der deutschen Redaktionen in internen Strategiemeetings – doch öffentlich spricht kaum jemand darüber.

Mal davon abgesehen, dass das inhaltlich natürlich erstklassige Ware ist, finde ich alleine dieses Ausprobieren vor der Kamera inspirierend. Ich überlege nämlich auch gerade wieder, wie ich meine Gedanken zu Film(en) in Bewegtbild gießen könnte – also so, dass es zumindest für ein paar Menschen auch interessant ist.

Im vergangenen Jahr habe ich mal ein paar Wochen lang vertikale Dreiminüter rausgehauen. Das waren im Prinzip „Übersetzungen“ meines Letterboxd-Tagebuchs. Und das war tatsächlich noch, bevor die Hochkantplattformen dem KI-Slop nicht nur bereitwillig die Türen öffneten, sondern ihn auch noch durch entsprechende Features in den eigenen Tools ermöglichten. Mein Gedanke: Warum sollte ich eigentlich noch ein Format bespielen, bei dem ich neben seelenlos dahingeprompteten Inhalten stattfinden muss? Das hat mir ganz schnell den Spaß an der Sache genommen.

Aber die Lust auf Video ist seitdem nicht verschwunden. Nur glaube ich mittlerweile, dass der Spaß mit Hochkantvideos und den damit verbundenen Konventionen einfach nicht mehr wiederkommen wird. Es sollte schon quer- und langformat sein – jedenfalls länger als die gequetschten drei Minuten.

Die ein oder andere Idee – Konzept kann man das noch nicht nennen – habe ich im Hintergrund schon mal ausformuliert. Aber das kann man natürlich auch unendlich lange so treiben. Ich muss demnächst wahrscheinlich auch einfach mal loslegen und mich dabei finden, sonst zerdenke ich das alles nur unnötig.

your ai slop bores me

Irgendwer wird bestimmt einen Weg finden, ein LLM anzuschließen und damit alles kaputtzumachen. Aber bis dahin haben wir diese kleine weirde, toll Ecke des Internets noch für uns – etwa mit your ai slop bores me.

in a world looming with the threat of ai stealing your job, save humanity by stealing ai's job.

Wer im Chatbot-Interface eine Frage stellt oder zum Malen auffordert, bekommt Antwort von einem echten Menschen. Jede Anfrage muss mit einem Credit bezahlt werden, Credits bekommt man, indem man als AI „larped“ und die Prompts anderer Menschen beantwortet. So kann man sich nicht nur bedienen, sondern auch zurückgeben und das kleine digitale Kleinod am Leben halten.

humans make mistakes because that's what makes us human

In diesem Sinne: Have a banana!

Keine Gebete mehr für den Algo-Gott

„Wann lösen wir uns endlich von Social-Media-Algorithmen?", fragt Damián Morán Dauchez bei musermeku.

Keine Gebete mehr für den Algo-Gott
Foto: Google DeepMind / Unsplash

„Wann lösen wir uns endlich von Social-Media-Algorithmen?", fragt Damián Morán Dauchez bei musermeku.

Es gibt natürlich viele Content-Ersteller, die ihr Bestes geben, um gegen dieses System der großen Social-Media-Plattformen zu kämpfen. Ich habe dies beruflich so lange wie möglich gemacht. Es zeigt sich aber auch immer wieder, wie viele großartige Content-Ersteller lange versucht haben, mit ihren Inhalten gegen die Algorithmen zu bestehen – bis sie aufgrund der mangelnden Reichweite keine Motivation mehr hatten weiterzumachen. Und dies lag oft nicht am mangelnden Interesse eines bestehenden Publikums, das sich für genau die Inhalte der Creators interessiert hätte. Wenn Algorithmen entscheiden, dass dieses Publikum von den Inhalten gar nicht erreicht wird, bleiben nur noch wenige Optionen: seine Inhalte so verbiegen, dass der Algorithmus darauf anspringt, selbst wenn man sich damit von seinem persönlichen Stil verabschieden muss, seine Inhalte mit Budget bewerben und sich die Reichweite erkaufen – oder resigniert seine Social-Media-Aktivitäten einschränken oder ganz aufgeben.
Das Problem der Social-Media-Algorithmen | musermeku
Wer Inhalte für Social Media erstellt, arbeitet vor allem gegen Algorithmen. Gibt es einen Weg aus diesem problemarischen System?

Fühle ich total und ich mache das gerade auch irgendwie so: Meine Gedanken zu Filmen zweitverwerte ich auch in Kurzvideos und als Podcast. Ich mache das (zum Glück), weil ich's kann und nicht muss. Das alles hier ist Hobby und es bereitet mir ziemlich viel Spaß, auch andere Distributionswege auszuprobieren und die Abhängigkeit von Algorithmen zwar zu sehen, sie mir aber letztlich egal sein kann.

Manche Videos klatschen aus nicht nachvollziehbaren Gründen gegen die Algorithmus-Wand, einige werden einigermaßen okay verteilt, andere vom Algo-Gott geküsst – eben weil sie (von mir nicht bewusst vorgesehen) in diese Kerbe schlagen:

Die Social-Media-Plattformen sind lediglich Strukturen, leere Hüllen. Sie brauchen Inhalte, um Nutzer bei der Stange und süchtig zu halten. Sie brauchen den Zugriff auf die Nutzer, um Gewinn aus Werbeeinnahmen und persönlichen Daten zu generieren. Der Algorithmus ist der Weg, diesen Zugriff zu behalten. Er wird auswählen, welche Inhalte relevanter sind, indem er die psychologischen Schwächen der Nutzer ausnutzt und empörende, emotionalisierende, radikale Botschaften priorisiert.

Die Kommentare unter dem verlinkten Video unterstreichen das noch mal.

Deshalb blogge ich auch (wieder) so gerne – weil das hier mein Garten ist und ich und nur ich Freude an meinem Garten habe. Wenn das ein Publikum findet? Schön! Wenn das kein Publikum findet? Nicht so wichtig... Wichtig ist mir aber, tolle Inhalte anderer sichtbarer zu machen – und wenn es an schlechten Tagen nur zwei Augenpaare, zwei Klicks sind. Sharing ist dennoch caring.

Die Ausbeutungsblase platzt: Wie Creator*innen Cutter*innen behandeln

„Ohne Cutter und Cutterin ohne Thumbnail Artist, ohne Leute, die Skripte schreiben, funktioniert das auch alles nicht."

Die Ausbeutungsblase platzt: Wie Creator*innen Cutter*innen behandeln
Foto: Skye Studios / Unsplash

Ex-Cutterin Janis fasst in einem Video in aller Ruhe zusammen, welchen Stellenwert Cutter*innen im derzeitigen Creator*innen-Kosmos haben, wie sie ausgebeutet werden und wie wahnsinnig unprofessionell anscheinend große Namen der Szene unterwegs sind.

Es fällt mir schwer, das nicht als System zu bezeichnen. Dass die alle sinngemäß mit Streams im Kinderzimmer großgeworden und nicht aus dem Mutterleib direkt ins BWL-Studium gefallen sind, will ich gar nicht in Abrede stellen. Unternehmensführung ist außerdem eher kein Bestandteil von Muttermilch. Aber wir sprechen hier teilweise von Menschen, die heute Multimillionär*innen sind und von professionellen Managements vertreten werden. In dieser komfortablen Lage sein Business nicht im Griff zu haben – und wenn es durch das Delegieren an Menschen, die das können, ist –, wirkt vorsätzlich.

Ohne Cutter und Cutterin ohne Thumbnail Artist, ohne Leute, die Skripte schreiben, funktioniert das auch alles nicht. Also, es sind wichtige Menschen in dieser Branche und die dürfen nicht wie Scheiße behandelt werden.

Auch die Zeit hat aufgrund aktueller Ereignisse mit ein paar Menschen aus der Szene gesprochen.

Streamer: Wie Twitch-Stars ihre Cutter verheizen
Die Videos berühmter Internetstreamer schneiden und dabei Geld verdienen – für viele Jugendliche ein Traum. Oft endet er mit Ausbeutung, wie eine ZEIT-Recherche zeigt.

(Geschenklink)

(Ich linke hier bewusst nicht auf Videos und Posts von konkret Betroffenen und Angeschuldigten. Viel von dem, was ich bisher gesehen habe, sollte meiner Meinung nach in dieser Form nicht öffentlich ausgetragen werden. Auf systemische Missstände aufmerksam machen? Unbedingt! Sich mit Banalitäten in Schlammschlachtnähe zu begeben? Kindergarten...)

Mary Shelley 🤝 Instagram

Früher war nicht nur mehr Lametta...

Mary Shelley 🤝 Instagram
Foto: freestocks / Unsplash

Ob ich diesen Vergleich gelungen oder faul finden soll, weiß ich selbst noch nicht so genau. Treffend ist er nichtsdestotrotz:

In her classic novel Frankenstein, author Mary Shelley imagines a monster that's reanimated with its piecemeal body sewn together, tendon by tendon. “The dissecting room and the slaughter-house furnished many of my materials,” Shelley writes. That’s exactly what scrolling through Instagram feels like right now—an ungodly morass of features stitched together.

Das schreibt Reece Rogers für Wired und er hat unterm Strich natürlich recht. Früher™ mochte ich Instagram wirklich sehr. Über jeden Post sind erst mal drölfzig Filter gerutscht. Alles war eine ästhetische Zumutung. Aber es kam von echten Menschen. Das war noch, bevor Facebook für den aus heutiger Sicht verdammt schmalen Taler von einer Milliarde US-Dollar Instagram übernommen hat. Der/mein Feed bestand aus echten Menschen.

Heute ist das natürlich komplett anders – und das liegt nicht nur daran, dass ich unter anderem auch Medien wie dem Deutschlandfunk folge. Es ist auch die totale Verunmöglichung, bequem und dauerhaft von der algorithmischen zur chronologischen Timeline zu wechseln. Gar keine Kontrolle mehr darüber zu haben, was ich eigentlich wann sehe, führt jedenfalls bei mir dazu, mich nicht im Scrollen zu verlieren, sondern dass ich gar nicht mehr in den Feed schaue. Nur die Storys haben noch einen Wert, denn die werden (noch) nicht mit Inhalten von Accounts bespielt, denen ich gar nicht folge und auch nicht folgen will.

What Even Is Instagram Now?
Long after shifting your feed away from friends and toward influencers, Instagram is adding new features intended to make the app more personal. The turnabout exposes the platform’s identity crisis.

Google Maps, aber auf Basis von Zeit statt Raum

Google Maps, aber auf Basis von Zeit statt Raum
(c) Václav Volhejn

Warst du auch schon immer der Meinung, dass Land- und Stadtkarten die völlig falsche Maßeinheit als Grundlage benutzen? Nein, ich auch nicht. Václav Volhejn hingegen schon. Deshalb hat er ein Kartentool gebaut, das Zeit statt Raum darstellt.

This is a map that can show time instead of space. Distances in the map reflect travel times: points that are close but take a long time to travel between (by car) get pushed away from each other, and vice versa.
0:00
/0:10

Mit fällt kein Grund ein, warum das nicht die Standardeinstellung jeder Kartenanwendung sein sollte 😅 Anyways, mir gefallen solche weirden, elaborierten und ausgeklügelten Experimente, um Lösungen für Probleme zu finden, die eigentlich niemand hat, einfach.


Per Mail kommentieren oder auf Bluesky antworten.