Kendrick Lamar 2017 im TD Garden in Boston // (c) Kenny Sun unter CC BY 2.0
Kendrick Lamar hat in der Halftime-Show des Superbowls seinen Diss-Track gegen Drake, „Not Like Us", mit eingeflochten. (Link, weil die NFL das Einbetten des Videos nicht erlaubt.) Das sollte auch nicht überraschen, denn der Song war nicht nur in fünf Kategorien – Record of the Year, Song of the Year, Best Rap Performance, Best Rap Song und Best Music Video – für einen Grammy nominiert, er hat auch alle fünf mit nach Hause genommen.
Das an und für sich ist schon ziemlich lustig – außer, man ist Drake. Für den kann es jetzt es rein theoretisch noch unangenehmer werden. Warum, das erklärt der derzeitige Lieblingscomedian des Internets, Josh Johnson.
Noch mal kurz zusammengefasst: Dadurch, dass die von easy mehr als 100 Millionen Menschen gesehene Halftime-Show im Fernsehen übertragen wurde, kann sie auch für einen Emmy nominiert werden.
Meine Headline bleibt natürlich trotzdem Clickbait. Denn einen Oscar und auch noch Tony halte ich dann doch für sehr unwahrscheinlich. Aber noch ist die letzte Messe nicht gesungen 😅 Ich wollte einfach nur noch mal das Set von Josh Johnson teilen.
Was in den USA gerade unter Trump und mehr oder weniger Elon Musk passiert, macht fassungslos. Ich spare mir die vielen einleitenden und erklärenden Worte, möchte aber auf die Kolleg*innen von Wired hinweisen, die einen fantastischen Job abliefern und in dieser Sache gerade so ziemlich jedes andere US-Medium vorführen.
Ich komme mir komisch dabei vor, diese Katastrophe mit weitreichenden Folgen für das (Über-)Leben von unzähligen Menschen einfach zu ignorieren. Andererseits: Was kann ich auf diesem Blog mit vergleichsweise keiner Reichweite schon zur Gemengelage beitragen?
Jason Kottke, den ich seit Jahren täglich lese, treibt das auch um. Diese Woche schrieb er unter anderem:
As you might have noticed (and if my inbox is any indication, you have), I have pivoted to posting almost exclusively about the coup happening in the United States right now. My focus will be on this crisis for the foreseeable future. I don’t yet know to what extent other things will make it back into the mix. I still very much believe that we need art and beauty and laughter and distraction and all of that, but I also believe very strongly that this situation is too important and potentially dangerous to ignore.
Klar, Jason hat zwar eine enorme Reichweite, aber natürlich nicht die einer Wired oder New York Times. Letztlich geht es hier aber auch darum zu tun, was sich richtig anfühlt.
Für mich fühlt es sich nun richtig an, mit dem Finger hierauf zu zeigen: Donald Trump ernennt sich selbst zum Vorsitzenden des Kuratoriums des John F. Kennedy Centers for the Performing Arts und schmeißt gleichzeitig mehrere Mitglieder raus.
At my direction, we are going to make the Kennedy Center in Washington D.C., GREAT AGAIN,” he wrote. “I have decided to immediately terminate multiple individuals from the Board of Trustees, including the Chairman, who do not share our Vision for a Golden Age in Arts and Culture. We will soon announce a new Board, with an amazing Chairman, DONALD J. TRUMP! (Indiewire)
Das ist nicht nur ein bisschen faschistoid, das ist Faschismus 101.
Back in his first term, Trump declined to attend the Kennedy Center Honors ceremony in 2017 after some honorees were critical of him. The honorees included Carmen de Lavallade, Gloria Estefan, LL Cool J, Norman Lear, and Lionel Richie.
Die beleidigte Leberwurst zu spielen, ist das eine. Kunst und Kultur zu „verstaatlichen", um sie nach eigenen Vorstellungen zu einem Instrument der Propaganda umzubauen, das andere.
Zurück zu Jason Kottkes Coup-Coverage – oder besser: zu dem, was der ebenfalls geschätzte Andy Baio dazu sagt:
it's hard to keep posting fun creative projects while your country is being gutted, but I'll keep going until I can't anymore
Vielleicht mache ich mir etwas vor, wenn ich jetzt sage, dass auch ich das hier bei mir im Blog versuche. Vielleicht sage ich das, weil es sich gut anhört und die Lage in Deutschland (noch) nicht so ist. Aber es fühlt sich richtig an, auch weiter über die inspirierenden Dinge zu schreiben – auch, wenn diese Inspiration einen dunklen Ursprung hat und es sich irgendwie auch so anfühlt, wie Berit Glanz schreibt.
Wie sich die Gleichzeitigkeit von Alltag und aufziehendem Faschismus angefühlt haben muss, kann ich erst jetzt richtig nachvollziehen. Man sitzt irgendwie geschockt vor Nachrichten, muss dann aber auch Geld verdienen und die Geschirrspülmaschine ausräumen.
Primo Levi und Jean Améry hatten viel gemeinsam: Vom Widerstand über die Lagererfahrung bis zum Versuch ihrer Bewältigung. Doch als Schriftsteller zogen sie aus Auschwitz unterschiedliche Schlüsse und gingen mit der Lesart des anderen ins Gericht.
Für mich war es sehr bereichernd, diese beiden verschiedenen Biografien nebeneinander zu sehen, die selbst die Shoah, der Holocaust nicht auf eine gemeinsame Bahn bringen konnte. Wie beide unterschiedlich mit ihrem Judensein umgingen und haderten. Was der naturwissenschaftliche Hintergrund Levis und der geisteswissenschaftliche Amérys für ihr (Über-)Leben in Auschwitz bedeuteten. Was die unterschiedlichen Verhältnisse zur deutschen Sprache im Konzentrationslager in ihnen ausgelöst und ihr Denken auch nach der Befreiung beeinflusst haben.
Die Stolpersteine von Philipp, Rahel und Felix Nussbaum in Osnabrück // (c) 19XAVO90 unter CC BY-SA 4.0
Ich war immer davon beeindruckt und bis es noch, wie gut die Kolleg*innen von „Die Sendung mit der Maus" sehr schwierige und komplexe Themen in einfachen Worten zu erklären und ihnen dabei praktisch nie ungerecht werden.
Auch den Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust umschifft die Maus-Redaktion nicht und findet mit dem Künstler Felix Nussbaum, der nach Auschwitz deportiert und dort wahrscheinlich von den Nazis ermordet wurde, einen cleveren Zugang. Denn an seiner Person lässt sich nicht nur die Geschichte der Verfolgung von Jüd*innen durch die Nazis erzählen, sondern auch die von verlorenen, aber auch bis heute überdauernden oder zum Leben erweckten Kunstschätzen.
Für die Maus haben Animationskünstler*innen nun ein Trickfilmdrehbuch von Felix Nussbaum und Michael Loewen, das zu deren Lebzeiten nicht mehr verwirklicht werden konnte, umgesetzt. Konkret heißt es in der Wikipedia:
Im Jahr 1936 konzipierte Felix Nussbaum gemeinsam mit seinem Freund Michael Loewen eine Kindergeschichte für einen Zeichentrickfilm. Der Trickfilm mit den Figuren Pit und Peggs kam zu ihren Lebzeiten allerdings nie zustande. Es blieben jedoch 29 Schwarzweiß-Fotografien der Originalzeichnungen erhalten.
Der Tod von David Lynch hallt nach. Ich habe noch sehr viele Texte – weitestgehend aus der filmanalytischen Ecke stammend – über ihn und seine Kunst im Browser offen, die ich bisher noch nicht lesen konnte. Aber zunächst möchte ich diese berührenden, ehrerbietigen Texte, geschrieben von Lynchs langjährigen Weggefährt:innen Laura Dern und Kyle MacLachlan.
As I sit here frozen, trying to put words to all that I feel about David Lynch on his birthday, I keep thinking that it’s too soon — too soon to express what I’m feeling, all while heartbreak surrounds us in our city right now.
Too soon to navigate through this grief or to sum up art’s greatest dreamer, as well as my dearest friend. As I think about how he lived, by truly diving into the unconscious, I reflect on his book “Catching the Big Fish” and how he wrote that catching ideas was like fishing. The extraordinary Isabella Rossellini (who I share in this life, thanks to David) recently reminded me that David always considered ideas like fragments that come to us and that by trusting them, we follow those ideas “like a seed.” So today, David, on your birthday, I will write you a love letter of fragments. Like meditation, I will remember our story by allowing all the delicious, awe-filled moments to float in, and I will try to reach toward them.
In our work together, he entrusted me with carrying these things in his mind out into the world. To bring them to life. So onscreen I might have been his avatar. But he was also mine. He was the floating presence on my shoulder that told me I could do it.
I was willing to follow him anywhere because joining him on the journey of discovery, searching and finding together, was the whole point. I stepped out into the unknown because I knew David was floating out there with me.
Den Youtube-Kanal des British Film Institutes habe ich abonniert, weil dort regelmäßig interessante Gespräche mit Filmschaffenden hochgeladen werden. Ab und zu gibt es auch eine Ausgabe von „Inside the Archive" – kompakte Videos, die dokumentieren, wie genau das BFI (britische) Filmkultur konserviert.
Für die Archivierung mancher Filme etwa braucht es spezielles Equipment – Equipment, das längst nicht mehr zu bekommen ist und für das es entsprechend auch keine Ersatzteile mehr gibt. Hier kommt ein 3D-Drucker ins Spiel, den sich das BFI angeschafft hat, um die Maschinen auch künftig am Laufen zu halten.
Natürlich geht keines der Videos aufgrund der Kürze sonderlich weit in die Tiefe. Aber ich finde, es ist eine gute Möglichkeit, ganz snackable einen Einblick in die wichtige Arbeit von Institutionen wie dem BFI zu erhaschen.
Aktuell (noch) vor der Paywall: Ronen Steinke von der Süddeutschen Zeitung spricht im Podcast mit Christina Clemm. Clemm berät aktuell Collien Fernandes, aber der ist nur mittelbar Thema der Folge, die sich in allererster Linie um das System dreht, in dem Fälle wie eben jener (immer wieder) passieren.
Christina Clemm
Nach der einfach nur niederschmetternden Recherche des Spiegel zur sexualisierten (digitalen) Gewalt, die Collien Fernandes erfahren hat, lese ich viele Texte, von denen ich erst mal zwei hier festhalten möchte.
Jasmin Schreiber:
Wer auf diese Zahlen hinweist, bekommt verlässlich zu hören: Aber die meisten Männer sind doch anständig. Stimmt. Mein
Börsenverein-Vorsitzender Sebastian Guggolz zu Weimer in der ersten Reihe: „Ich bin stolz auf die Buchbranche, weil wir Ihren fragwürdigen autokratischer Gestus nicht akzeptieren“.
— Alexander Moritz (@dermonologist.bsky.social) 2026-03-18T18:38:15.923Z
Um es auch noch mal hier festgehalten zu haben: BKM Wolfram Weimer (parteilos) hat beim Festakt zur Eröffnung
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