Viel diskutiert wird dieser Tage über das aus fadenscheinigen Gründen aus verschiedensten digitalen Stores geflogene Spiel Horses. Andre Peschke und Janna Krone haben sich diesem Umstand ausführlich gewidmet. Immer wieder gut, eine Auseinandersetzung mit dem Medium als Kunstform, die über ästhetische Kategorien hinausgeht, zu hören.
Die Pferde in „Horses“ sind nackte Menschen mit Pferdemasken. Aber die wahre Entblößung fand schon im Vorfeld der Veröffentlichung dieses Indie-Horrorspiels statt. Durch Verkaufsplattformen, die sich vielleicht mehr als je zuvor als Moralwächter lächerlich machen, indem sie ausgerechnet ein waschechtes Kunstprojekt zum Aussätzigen erklären. Andre und Janna sprechen über „Horses“, die Geschichte der Grenzverletzungen in der Kunst und die Gleichgültigkeit der Spieleindustrie.
Ich habe Horses (noch) nicht gespielt und hätte es wahrscheinlich auch nicht vorgehabt, weil ich ohne die losgestoßene Debatte vermutlich nie davon gehört hätte. Ich bin eben nicht (mehr) so tief drin im Gamesmarkt. Aber jetzt:
Tobias Nowak berichtet bei @mediasres im Deutschlandfunk über den Stellenwert, den Games in der Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks haben: „[...]aber die Spiele selbst, die stehen nur selten journalistisch im Mittelpunkt. Und bei den öffentlich-rechtlichen schon gar nicht."
Gesprochen hat er dafür größtenteils mit Sebastian Tyzak, Redakteur beim jüngst von ZDF neo vor die Tür gesetzten Gaming-Format Game Two. Der sagt:
Fakt ist gerade: Wir haben kein Games-Format und das egal wo man hinschaut, selbst beim Jungenangebot, bei Funk, gibt es kein Gamesformat. Und da frage ich mich immer warum. Weil in der Lebensrealität ist es einfach ein wichtiger, großer Aspekt, den man nicht so vernachlässigen sollte.
Dann wieder von Nowak:
In den letzten Jahren haben vor allem Podcasts die Lücke im hintergründigen Games-Journalismus zu schließen versucht. „Insert Moin", „Ok Cool" oder „Decode" heißen einige der Formate, die Hintergrundgespräche und kleine Recherchestorys aus der Gaming-Welt anbieten.
[...]
Genau hier bietet sich nun eine große Chance für die öffentlich-rechtlichen Medien. Sie könnten diese Lücke bei der journalistischen investigativen Berichterstattung über die Welt der digitalen Spiele schließen. Sebastian Tützak findet sogar, dass auch viele den öffentlich rechtlichen inzwischen ferne Menschen so wieder zurückgewonnen werden könnten. Um das zu erreichen, gelte es, redaktionelle Expertise in Sachen Games aufzubauen und das Thema mutig ins Programm zu holen.
Gerade die genannten Beispiele werden hier mit „kleine Recherchestorys" leider wirklich sehr paternalistisch angefasst. Es hätte außerdem geholfen, auch mal das eigene Haus zu erwähnen. Denn auch im Deutschlandfunk oder Deutschlandfunk Kultur sehe ich keinen dedizierten Podcast bzw. Sendung zum Thema Gaming. Das kommt zwar immer wieder etwa bei Corso oder im Kompressor vor, aber eben genau wie im Beitrag bemängelt: als kleiner Teil einer großen Sendung. (Kein Ahnung, ob es bei Nova was außer Einzelbeiträgen gibt. Die Seite ist kaum zu benutzen.)
-- Medienkritik am medienkritischen Medienmagazin Ende 😉 --
Ich bin ebenfalls total dafür, dass der ÖRR redaktionelle Kompetenzen in Sachen Gaming aufbaut und nicht outsourct oder gar vor die Tür setzt. Dazu kommt, dass guter Spielejournalismus auch immer guter Kultur- und Wirtschaftsjournalismus ist bzw. unbedingt sein muss. Es gehört also nicht nur dazu, sich ein eigenes Format zu leisten, sondern dass das Thema ganz selbstverständlich auch in den anderen Ressorts auf dem Tisch liegen und ein ressortübergreifender Austausch stattfinden muss. Die Meldung zur Gründung des ARD Games Netzwerks ließt sich dahingehend jedoch leider noch nicht so überzeugend.
Christian Schiffer, einst Chefredakteur der WASD und aktuell Redakteur beim Bayrischen Rundfunk, hat auf der diesjährigen re:publica einen extrem klugen Vortrag über die sogenannte Killerspieldebatte gehalten.
Es ist nämlich so, dass wenn man sich das Opferprofil anschaut, vor allem junge Frauen umgebracht worden sind. Also insbesondere war es so, dass wenn es um die Schüler geht, er vor allem Mitschülerinnen ermordet hat [...] und wir würden eigentlich das heute nicht mehr als Amoklauf diskutieren, sondern als Femizid.
Mir ist es auch noch nie in den Sinn gekommen, durch die Linse des derzeitigen Niveaus öffentlicher Diskurse einmal zurück auf die Taten zu blicken, die die Killerspieldebatte zu meiner Zeit™ anfeuerten.
Das Spielkind ist einfach nicht aus mir herauszukriegen. Ich liebe Lego, seit ich denken kann, verbinde unglaublich viele schöne Erinnerungen damit und auch heute, wo es nicht nur Lego gibt und wir von Klemmbausteinen sprechen, hat sich daran nicht unbedingt viel geändert.
Öffentlich unbestätigten Gerüchten zufolge habe ich mir eine USS Enterprise NCC-1701 gegönnt, als BlueBrixx noch die Star Trek-Lizenz hatte, gegönnt.
Eben dieser Klemmbaustein Hersteller hat nun einen weiteren Griff in die Lizenz-Wundertüte und damit meine Jugend gewagt – also so halb. Denn offiziell Command & Conquer scheint scheint die „Kristall-Konflikt" getaufte Kollektion nicht zu sein. Jedenfalls noch nicht. Den Bildern der drei kleinen Szenarien mit Kraftwerken, Bauhöfen, Obelisken, Kasernen, Silos, den Panzern und Hubschraubern, ist die Nähe zu – wie wir damals™ naiv zu sagen pflegten – Kommahnd änd Konkwer nicht abzusprechen.
Fotos: BlueBrixx
Preise und Veröffentlichungsdaten sind offenbar noch nicht bekannt, nur die Setgrößen, die sich alle um die 780 Steine bewegen.
Ich höre immer mal wieder gerne bei Dom Schott rein, wenn er Gäst:innen aus dem Spielejournalismus – also tatsächlichem Journalismus, der die Branche kritisch hinterfragt – vor dem Mikrofon hat. Das ist besonders derzeit aus bitteren Gründen ziemlich spannend. Denn nicht nur in der Techbranche allgemein herrscht radikaler Kahlschlag, sondern auch bei den Entwicklungsstudios und in der Folge auch im Spielejournalismus.
In der Reihe „OK COOL trifft" waren jüngst zwei Menschen bei Dom zu Gast, die genau mit diesem Spannungsfeld umgehen (müssen).
Pascal Wagner war bis vor Kurzem noch festangestellter Redakteur bei Gamesmarkt und dann wurde auch an seiner Stelle die Axt angesetzt. Im Podcast spricht er nicht nur über seinen spannenden Werdegang zwischen Wissenschaft und Journalismus, sondern auch über die derzeit schwierige Lage des deutschsprachigen Spielejournalismus.
Sebastian Tyzak kennen manche vielleicht aus dem Game Two-Kosmos. Nun hat er zusammen mit Martin Dietrich für das ZDF-Dokuformat „Die Spur" einen Beitrag zu Cybergrooming im besonders bei Kindern sehr beliebten Spiel Roblox gemacht. Davon ausgehend spricht er über die Aufwände investigativer Arbeit beim Thema Games und wie schwer es trotz der gesellschaftlichen Verbreitung von Videospielen nach wie vor ist, derlei Themen in den verschiedensten Redaktionen platzieren zu können.
„Heute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag, habe ich mir einfach mal überlegt, welche Möglichkeiten und Privilegien Männer haben, die ich für uns auch gern hätte“, schreibt Jasmin Schreiber. Man(n) liest und scrollt sehr lange.
Privilegien, die ich als Frau auch gern hätte — JASMIN SCHREIBERHeute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag,
Die heutigen Dailies unter anderem mit: Robyn, Hank Green und Alice Rohrwacher
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