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Filmkritik

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Gesehen: Late Night with the Devil (2023)

Gesehen: Late Night with the Devil (2023)
(c) capelight pictures

Will zum Glück erst gar nicht der neue NETWORK (1976) sein. Zwar nimmt er sich auch die Sendenden zur Brust, aber für mich war das viel mehr Kritik am Publikum als am Medium. Letztlich wirft der Film Medienkonsument*innen vor, ganz bewusst die eigene Ambiguitätstoleranz immer und immer weiter wachsen zu lassen und damit immer unkritischer zu werden. Das fängt bei produzierter Wahrheit im Reality-TV an, geht bei total authentischen Anekdoten in Late-Night-Talkshows weiter und läuft als massiv editorialized News à la CNN oder Fox News mit verheerenden gesellschaftlichen Folgen aus dem Ruder. Fakten sind von Gefühlen abgelöst worden.

Wer das auch noch befeuert, um sich kurzfristig daran zu bereichern, soll auf ewig wie Jack Delroy in der selbstgemachten Hölle schmoren.

★★★½☆

US, R: Cameron Cairnes, Colin Cairnes, D: David Dastmalchian, Laura Gordon, Ian Bliss, Fayssal Bazzi, Ingrid Torelli, Georgina Haig, Josh Quong Tart, Steve Mouzakis, Rhys Auteri, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Lawrence of Arabia (1962)

Gesehen: Lawrence of Arabia (1962)
(c) Plaion Pictures

Es ist schon verrückt, diesen absurden Aufwand zu sehen – die Set Pieces, die schiere Menge an Statisten und Tieren, die alle orchestriert werden müssen, das ist schon beeindruckend. Natürlich ist der Film aufgrund seiner zahlreichen Rassismen zu kritisieren. Zwar müht sich das Drehbuch redlich daran ab, vor allen Dingen Arroganz, Hybris, Anmaßung und Anspruchsdenken der britischen Kolonialmacht nach allen Regeln der Kunst zu zerlegen. Doch das gewährt noch lange keine Absolution.

Gefallen hat mir die Vielschichtigkeit, mit der hier der geopolitische Clusterfuck in der arabischen Welt zu dieser Zeit kartografiert wird. Denn der Mechanismus, Völkern letztlich den Zugang zur Moderne zu verwehren und sie so zu kontrollieren, auszubeuten und gegeneinander aufzuhetzen, hat schließlich bis heute Hochkonjunktur. Es sind nicht die Schachfiguren, die gewinnen, es sind die Schachspieler*innen.

★★★★☆

GB, R: David Lean, D: Peter O'Toole, Alec Guinness, Anthony Quinn, Jack Hawkins, Omar Sharif, José Ferrer, Anthony Quayle, Claude Rains, Arthur Kennedy, Donald Wolfit, I.S. Johar, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Rebel Ridge (2024)

Gesehen: Rebel Ridge (2024)
(c) Netflix

Die Spannung, die Jeremy Saulnier zu erzeugen vermag, ist wirklich phänomenal dicht. Mit REBEL RIDGE beweist er obendrein, dass seine Art des Spannungskinos noch nicht ausgeschöpft ist, sondern es noch viele Facetten gibt, die es weiter zu erkunden gilt.

Hier nutzt er systemische Unwuchten, Fehlkonstruktionen und Ungerechtigkeiten, um daraus Spannungsmomente zu erzeugen. Es ist unser Wissen um gesellschaftliche, politische und ökonomische Realitäten, die hier eine Vielzahl von Szenen bereits bis kurz vor den Zerreißpunkt spannt, bevor die Figuren auch nur einen Satz gesprochen oder sich wirklich zueinander verhalten haben. Erst danach brechen sich die individuellen Konflikte Bahn.

In Teilen wirkt REBEL RIDGE auf mich wie Saulniers Versuch eines modernen FIRST BLOOD – mit einem Ex-Militär, der scheinbar nie wirklich in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist und erkennen muss, dass das System kein ernsthaftes Fangnetz für Menschen wie ihn vorsieht, sondern teilweise sogar gegen ihn arbeitet. Menschen wie ihn bedeutet nicht nur Ex-Militär, sondern auch Schwarz. Das System und seine Vertreter*innen sind vergiftet durch Rassismus und Korruption – aber eben auch durch politisches Versagen, wodurch eben jene Auswüchse begünstigt bzw. bedingt werden.

Wer hier auf welcher Seite steht, steht nicht infrage. Aber Saulnier weiß auch, dass eine Schwarz-Weiß-Zeichnung seiner gewählten Anordnung nicht gerecht wird. Sein Film hat den Mut zur Komplexität und zur Grauzone, ohne dabei jedoch seinen moralischen Kern zu verraten.

Letztlich finde ich aber auch, dass der Film zunehmend den Fokus verliert und er sich streckenweise fast schon unnötig totläuft.

P.S.: Ich habe Macon Blair vermisst 😢

★★★½☆

US, R: Jeremy Saulnier, D: Aaron Pierre, Don Johnson, AnnaSophia Robb, Emory Cohen, David Denman, James Cromwell, Zsané Jhé, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Les Chambres rouges (2023)

Gesehen: Les Chambres rouges (2023)
(c) 24 Bilder

ANATOMIE D'UNE CHUTE meets Manson Family meets Werner Herzog, der in GRIZZLY MAN in Gegenwart von Timothy Treadwells Mutter [die Aufnahmen der tödlichen Bärenattacke anhört]({{< youtube zRQNFdh7Z34 >}}). In diesem Fahrwasser nähert sich LES CHAMBRES ROUGES dem abgrundtiefen und unvorstellbaren Grauen und schafft es, die Schwere dieses diabolischen Schreckens zu transportieren – und zwar, weil er sich eben genau nicht dieser eines Poetry-Slam ähnlichen Performance hingibt, wie sie die Staatsanwältin im Film darbietet.

Wir sehen gar nichts und hören nur wenig und wissen kaum etwas. Und doch wird der Knoten in der Magengegend immer größer...

...vielleicht, weil wir nie ganz sicher sein können, was die von Juliette Gariépy gespielte Kelly-Anne wirklich antreibt. Für mich war es das Streben danach, gesehen zu werden – nicht explizit vom Mörder, den Eltern der getöteten Kinder oder wem auch immer, sondern überhaupt gesehen zu werden. Deshalb arbeitet sie als Model – nicht, weil es gutes Geld einbringt. Sie macht im Verlauf des Films klar, dass es ihr nicht um dieses Geld geht. Stattdessen zeigt sie, dass sie wie besessen davon ist, dass die Fotos von ihr möglichst prominent platziert und breit rezipiert werden. Genauso will sie eine Reaktion des vor Gericht stehenden Mörders provozieren – nicht, weil so ein „Groupie“ ist, sondern weil er auf niemanden reagiert, niemanden eines Blickes würdigt. Aber wenn er sie (an)sehen würde, dann wäre sie besonders, dann würde sie sich endlich mal wieder fühlen.

Wer gesehen wird, kann sicher sein, dass er auch existiert...

P.S.: Ich war absolut beeindruckt davon, wie der Film die Untiefen unserer digitalen Welt erzählt. Kelly-Annes „Hacks“ werden nicht bloß mit Technobabble irgendwie zurechtgebogen, sondern die gezeigten Wege entsprechen bis zur genutzten Software weitestgehend tatsächlich verwendeten Methoden. Auch die sozialen und psychologischen Folgen einer von digitalen (Kommunikations-)Werkzeugen geprägten Welt fließen mit in die Figuren ein.

★★★★☆

CA, R: Pascal Plante, D: Juliette Gariépy, Laurie Babin, Élisabeth Locas, Maxwell McCabe-Lokos, Trailer, Wikipedia
Red Rooms – Zeugin des Bösen - Stream: Online anschauen
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Gesehen: A Self-Induced Hallucination (2018)

Gesehen: A Self-Induced Hallucination (2018)
(c) Jane Schoenbrun

Diesen Found-Footage-Dokumentarfilm als Desktop-Film einzuführen, ist formal betrachtet ein ziemlich interessanter Hook – weil es die Medialität des Gezeigten noch einmal hervorhebt und einen zusätzlichen Kontrast schafft. Deshalb finde ich es ziemlich schade, dass über diesen anfänglichen Hook hinaus nichts mehr versucht wird.

Davon abgesehen bedient sich Schoenbrun einer letztlich uralten KulturTechnik, indem sie bestehende Inhalte und Bilder kuratiert, so zueinander in neue Beziehung setzt, Kontext schafft und neue Kontrastierungen ermöglicht. Nur hat sich die Nutzung dieser Kulturtechnik im digitalen Zeitalter verlagert. Heute sind es Reposts, Newsletter, (immer noch und schon wieder) Blogger*innen, Youtuber*innen usw., durch die coole Inhalte einem größeren Publikum sichtbar gemacht werden.

Diese Gleichzeitigkeit von althergebrachter und hochmoderner KulturTechnik ist das, was A SELF-INDUCED HALLUCINATION für mich interessant macht.

US, R: Jane Schoenbrun, Trailer, Wikipedia

(Jane Schoenbruns Meinung zur Verfügbarkeit des Films.)

Gesehen: Trap (2024)

Gesehen: Trap (2024)
(c) Warner Bros. Entertainment

Sicherlich ließe sich irgendwo ganz tief drin die in oder andere Beobachtung zu obsessivem Verhalten, zur völlig distanzlosen Idolisierung und Überhöhung sogenannter Stars und der kultartigen Verehrung dieser oder zur immer weiter fortschreitenden Selbstaufgabe bis die eigene Identität gänzlich aus Fantum besteht, ausgraben. Aber dann macht Shyamalan, was Shyamalan eben so macht: sich mit einem über die Maßen faulen Drehbuch zufriedengeben. TRAP ist weder eine vielschichtige noch eine spannende Konstruktion. Der Film scheint viel mehr der Versuch, die Ambiguitätstoleranz seines Publikums so weit wie möglich zu überspannen.

Dazu sind die Motive des Mutterkomplexes und der Zwangsstörung einfach komplett aus der Zeit gefallen – und zwar aus sehr guten Gründen. Wer die Lebensrealität psychisch erkrankter Menschen als cooles Plot Device für die Geschichte eines Serienmörders und nichts anderes benutzt, keine Grautöne und Ambivalenzen erzeugt, der trägt unverhohlen zur Stigmatisierung Betroffener bei.

★★☆☆☆

US, R: M. Night Shyamalan, D: Josh Hartnett, Ariel Donoghue, Saleka, Alison Pill, Hayley Mills, Jonathan Langdon, Trailer, Wikipedia
Trap: No Way Out - Stream: Jetzt Film online anschauen
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