Um den sozialen Druck für mich herzustellen, poste ich das direkt auch einfach hier: Ich spiele jetzt auch mit Video rum. Jedenfalls habe ich mir vorgenommen, das regelmäßig zu tun – vorerst in Kurzform. Dieser erste Versuch ist noch ziemlich rough, aber irgendwann musste ich mich endlich mal überwinden. Der Schliff kommt eh erst mit der Routine.
Den Anfang macht mit KEIN TIER. SO WILD. ein Film, den ich schon vor dem heutigen Kinostart sehen konnte und deshalb höchstpünktlich empfehlen kann.
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(Die Videos veröffentliche ich auch auf Instagram und Tiktok.)
Während ich gerade endlich mal die dritte Staffel The Bear nachhole, muss ich zwangsläufig mit den Werbespots auf Disney+ umgehen. Also ich muss das natürlich eigentlich nicht. Aber hier liegt gerade eben nur der Zugang zu einem Lower-Tier-Account herum und das ist immer noch bequemer als andere Methoden. Anyways, so muss ich gerade jedenfalls immer und immer wieder einen Trailer zu Marvels kommendem Meisterwerk™ THUNDERBOLTS* ertragen und darf mich darüber wundern.
Diese Marketingstrategie finde ich faszinierend und irritierend zugleich. Aus Filmsicht ist Marvel schon lange nicht mehr on a roll. ANT-MAN AND THE WASP: QUANTUMANIA, THE MARVELS, DEADPOOL & WOLVERINE – alle fürchterlich. CAPTAIN AMERICA: BRAVE NEW WORLD gehört auch noch zu dieser Phase fünf des MCU. Den habe ich jedoch nicht gesehen, dafür aber auch nicht viel Gutes gehört.
Deshalb die Titel gänzlich anderer Filme zu beschwören, ergibt Sinn. Es kommuniziert: Wir wollen aus dem nicht mehr funktionierenden Trott ausbrechen. Was jedoch bei mir ankommt:
Denn dass sämtliches Talent, preisgekrönt und Kritiker:innenliebling oder nicht, in der Marvel-Maschinerie gnadenlos zermalmt wird. Chloé Zhaos ETERNALS ist (nicht nur, aber auch) angesichts ihres vorherigen Schaffens ein erschreckendes Desaster. Sam Raimi wollte DOCTOR STRANGE IN THE MULTIVERSE OF MADNESS zu einem richtigen Horrorfilm machen. Herausgekommen ist ein abstruser Flickenteppich. Taika Waititi hat mit THOR: LOVE AND THUNDER eine selbstreferenzielle Bankrotterklärung der Kreativität inszeniert. Cate Shortland ist die einzige Regisseurin in dieser Reihe, die mit BLACK WIDOW keinen absoluten Reinfall, sondern einen eindruckslos-soliden Film gemacht hat.
Arthousige Namen werden keinen Karren aus dem Dreck ziehen, wenn man ihnen keine Freiheit einräumt, sondern sie als Dienstleister betrachtet.
So, das war's. Es musste sein. Denn mir fällt hier erkältet gleich die Decke auf den Kopf und ich musste mich irgendwie beschäftigen.
Das Programm der diesjährigen Filmfestspiele von Cannes ist gerade präsentiert worden. Dass der Bums zwar live und simultanübersetzt gestreamt wurde und dazu vor einer riesigen Kinoleinwand stattfand, aber es statt Einblendungen immer noch nur Festivaldirektor Thierry Frémaux ohne Punkt und Komma mit seinem Zettel in der Hand gibt, is still one of the most french things ever.
...Richard Linklater, der mit NOUVELLE VAGUE einen Stoff über die Entstehung von Jean-Luc Godards legendärem Langfilmdebüt BREATHLESS (1960) präsentiert. Derartige Metafilme lassen mich in der Regel kalt.
...Wes Andersons THE PHOENICIAN SCHEME, weil spätestens mit ASTEROID CITY die Ermüdung bei mir eingesetzt hat.
In der Un Certain Regard läuft außerdem ONCE UPON A TIME IN GAZA von Arab und Tarzan Nasser, deren zärtlichen GAZA MON AMOUR ich sehr mochte. Ebenfalls in dieser Rubrik wechseln Harris Dickinson und Scarlett Johansson auf den Regiestuhl – was in mir ebenfalls ein masochistisches Interesse auslöst.
Hätte nicht gedacht, dass daraus wirklich noch mal was wird, aber TRON: ARES ist tatsächlich real 😅 Das suggeriert zumindest der erste Trailer, der nun erschienen ist. Ehrlich gesagt: Ich hege keine großen Hoffnungen in den für einen Oktober-Release vorgesehenen Film. Zwar war ich gefühlt einer von vier Menschen, die mit TRON LEGACY (2010) was anfangen konnten, aber damals™ war mein Blick noch nicht so geschärft wie heute und mit einem Soundtrack aus der Feder von Daft Punk klinkt bei mir sowieso jegliches kritisches Denken aus.
Für ARES ist hingegen Halbgott Trent Reznor am Start. Dieses Mal jedoch nicht mit seiner zuletzt gewohnten anderen Hälfte, Atticus Ross, sondern unter seinem Projekt Nine Inch Nails – und da ist es mit dem kritischen Denken bei mir auch nicht sonderlich weit her... Außerdem ist Greta Lee mit dabei! \o/
Isabelle Caldart arbeitet in einem Text für 54books umfassend die zahlreichen Ambivalenzen hinsichtlich Lena Dunhams HBO-Serie Girls (2012-2017) heraus. Mir gefällt dieser unaufgeregte Blick, der weit entfernt von jeglicher Glorifizierung und prinzipieller Verteufelung geworfen wird.
Für mich bringt Caldart mit diesem Text auf den Punkt, was Kunst für mich so faszinierend macht. Denn Girls war während der 2010er nicht nur ein beeindruckend authentisches Zeitdokument. Wer aus unserer Gegenwart heraus mit den sechs Staffeln in Dialog tritt, wird merken, dass die Serie nicht nur für ihre Zeit spricht, sondern uns auch viel über unsere Zeit, mehr als zehn Jahre nach Serienstart, erzählt.
Dann gibt es wiederum Situationen innerhalb der Serie und im echten Leben der Autor:innen und Darsteller:innen, auf die sich unser Blick als Gesellschaft mindestens verändert, in Teilen auch geschärft hat.
Die Kunst lebt, kann und muss sogar ständig neu bewertet werden. Das fasziniert mich immer und immer wieder.
Zudem war Dunham auf gewisse Weise ihrer Zeit voraus: „Girls“ ist eine der ersten Serien, die Frauen, die als eher unsympathisch dargestellt werden, in den Fokus nimmt. Das war auch immer eine gängige Beschwerde über die Serie: Man würde die Charaktere nicht mögen. Aber die Sehgewohnheiten haben sich verändert, inzwischen stehen unliebsame Frauen öfter im Zentrum von Filmen und Serien. Hinzu kommt, dass sich Dunham in „Girls“ als nicht normschöne Frau häufig nackt zeigte. Was in den frühen 2010er Jahren teilweise für Empörung sorgte, lässt sich heute als Female Empowerment interpretieren.
Anlässlich des Oscar-Gewinns von FLOW Jason Hellerman für No Film School eine Liste mit sieben tollen Filmen zusammengestellt, in denen wie in dem lettischen Animationsfilm gar nicht oder auch nur sehr wenig gesprochen bzw. auf Dialoge weitestgehend verzichtet wird.
No, I'm not talking about silent films, but more modern movies where characters simply don't talk for most of it.
Diese Liste möchte ich ergänzen, weil mir aus dem Stegreif noch ein paar passende und ziemlich eindrückliche Filme eingefallen sind:
Wolfgang Fischers STYX (2018) mit Susanne Wolff als Seglerin, die auf offener See auf ein schwer beschädigtes Boot mit flüchtenden Menschen stößt und sich selbst an die Rettung machen muss, weil die sogenannten Küstenwachen sich weigern, ihre Arbeit zu tun. (Justwatch)
Apichatpong Weerasethakuls MEMORIA (2021) ist eine regelrecht meditative Filmerfahrung, die in großen Teilen über Töne verschiedene Zeitebenen, Gefühle und Figuren mit einander verknüpft. (Justwatch)
Claire Denis' BEAU TRAVAIL (1999) kommt in seinen filmischsten Momenten ohne ein Wort aus. Hier sind es die Körper und die Choreografien, die einen hypnotischen Sog erzeugen, den Worte nur stören würden. (Justwatch)
Pablo Bergers ROBOT DREAMS (2023) ist ein wunderbar herzenswarmer Film über die Welt, betrachtet durch die Augen von grenzenloser Neugier und bedingungslos umarmender Akzeptanz all der Unvollkommenheiten, mit denen die Lebewesen auf der Erde durchs Leben gehen. Eine Verurteilung xenophober Strukturen und Haltungen. (Justwatch)
Mike Chesliks HUNDREDS OF BEAVERS (2022) ist sicherlich ein Grenzfall, weil er sich auch an Elementen des Stummfilms bedient. Aber letztlich steht der Film offensichtlich in der allerbesten Tradition von den Looney Toons, Jackass, South Park und so weiter und so fort – mit überhaupt keinem falschen Respekt vor Konventionen mit einem Humor, der von Albernheit und Stumpfsinn bis an nah die Grenze zur Dummheit zelebriert. (Justwatch)
David Lowerys A GHOST STORY (2017) war damals durchaus ein Wagnis. Casey Affleck anderthalb Stunden lang unter einem Bettlaken durch den Film zu schieben, war aber nicht nur ein Gimmick, sondern ein Experiment, das aufging. Diese Verdammung zur stummen Zeugenschaft hat mich noch sehr lange über den Abspann hinaus beschäftigt. (Justwatch)
Michelangelo Frammartinos IL BUCO (2021) hadert: Der Versuch etwas zu verstehen, zu durchdringen ist auch immer mit einem Eindringen verbunden und hat invasive sowie übergriffige Qualitäten. Das löst unweigerlich eine Gegenreaktion des Gegenstands der Betrachtung aus, provoziert sie mitunter auch bewusst – und zieht so bereits die erste Ebene der Diffusion ein. (Justwatch)
Jerzy Skolimowskis EO (2021) erklärt sich fast von selbst, weil Esel nicht sprechen können 😅 Jedes Motiv – sei es in der Sommersonne oder im harschen Winter – strahlt eine einnehmende Wärme aus, durch ich mich direkt auf jeder Etappe des Esels angekommen gefühlt habe – ganz unabhängig von Traurigkeit und Tristesse der eingefangenen Momente. Das hat es mir umso leichter gemacht, mich auf diese Geschichte über Sehnsucht, Zugehörigkeit und Liebe einzulassen. (Justwatch)
Helena Wittmanns HUMAN FLOWERS OF FLESH (2022) ist eine nette postkoloniale Sinnsuche, bei der man die Einflüsse zunächst sehr deutlich spürt und schließlich auch sehr deutlich sieht. Geht aber gut auf – auch als Companion-Piece zu BEAU TRAVAIL. (Justwatch)
Youtube hat mir einen Channel vorgesetzt, auf dem jemand unter anderem über Filme spricht und Formel-1-Rennen recappt – im ASMR-Stil. Und ich weiß ja auch nicht 🤷♂️
Calm Skateboard ASMRThis channel is for ASMR purposes, featuring videos that contain whsipering, and soft speaking, designed to help people relax, and sleep. ASMR (Autonomous
Aktuell (noch) vor der Paywall: Ronen Steinke von der Süddeutschen Zeitung spricht im Podcast mit Christina Clemm. Clemm berät aktuell Collien Fernandes, aber der ist nur mittelbar Thema der Folge, die sich in allererster Linie um das System dreht, in dem Fälle wie eben jener (immer wieder) passieren.
Christina Clemm
Nach der einfach nur niederschmetternden Recherche des Spiegel zur sexualisierten (digitalen) Gewalt, die Collien Fernandes erfahren hat, lese ich viele Texte, von denen ich erst mal zwei hier festhalten möchte.
Jasmin Schreiber:
Wer auf diese Zahlen hinweist, bekommt verlässlich zu hören: Aber die meisten Männer sind doch anständig. Stimmt. Mein
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