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Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 80

Gesehen: Futura (2021) - Ein therapeutischer Zukunftsblick

Gesehen: Futura (2021) - Ein therapeutischer Zukunftsblick
© Mubi

Rein formal ein toller Film, der durch seinen analogen Look – es spielt keine Rolle, ob nun emuliert oder echt – eine zusätzliche Ebene an Empathie, Warmherzigkeit und Wohlwollen einzieht.

Spannend ist die Entscheidung, die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits super instabile und von rechten Ideen durchdrungene Politik bis auf wenige Halbsätze aus dem Film zu streichen. Jedenfalls glaube ich, dass diese Momente auf der Schlachtbank über die Klinge gesprungen sind. Denn spätestens bei einer Gruppe eindeutig linker Student:innen ist es für mich nur schwer vorstellbar, dass dort nichts konkret benannt wurde.

Vielleicht ist das ein Verschließen der Augen vor den

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Gesehen: The Wild Robot (2024) - Konsum, Kapitalismus und unehrliche Bilder

Gesehen: The Wild Robot (2024) - Konsum, Kapitalismus und unehrliche Bilder
© Universal Pictures Germany

Die an der Oberfläche treibenden Themen von Freundschaft, Familie und Liebe sind auch hier total abgegriffen und kaum interessant. Besonders originell ist meine Lesart des Films als Allegorie auf Konsum und Kapitalismus wahrscheinlich auch nicht. Aber sie bietet letztlich doch mehr Futter und zeitgeistige Reibungsfläche.

Der anfangs noch gar nicht so wilde Roboter knallt auf den abgelegenen Planeten und beginnt umgehend damit, jedem dahergelaufenen Tier ungefragt seine Rabattcodes wortwörtlich ins Gesicht zu drücken – wie ein wandelnder Podcast und immer in der Annahme, sich erwartungsgemäß zu verhalten.

Doch es gibt offensichtlich Lebewesen, die gar nicht nach dem erwarteten Muster funktionieren, die

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Gesehen: Digger (2020) - Wem gehört das Land?

Gesehen: Digger (2020) - Wem gehört das Land?
Vangelis Mourikis und Argyris Pandazaras // © Mubi

Georgis Grigorakis stellt die Frage: Wem gehört das Land? Gemeint ist sowohl das kleine Fleckchen Waldgrundstück seiner Figuren als auch das gesamte Griechenland angesichts der Staatsschuldenkrise, der folgenden Austeritätspolitik und der Verstümmelung des (Sozial-)Staates samt den psychosozialen Folgen.

Die Konfliktlinie zwischen den Generationen verläuft hier entlang der Themen Autonomie, Stolz, Fremdbestimmung und Solidarität auf dem Grund und Boden, über dessen Kontrolle gerungen wird.

Letztlich schade ist ob dieser spannenden Gemengelage dann doch die Entscheidung zum Vollzug dieser Kreisbewegung zwischen Vater und Sohn, die dem ganzen dann doch etwas Radikalität raubt.

★★★☆☆

🇩🇪/🇫🇷/🇬🇷, R: Georgis Grigorakis, D: Vangelis Mourikis, Argyris Pandazaras, Sofia
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Ti-West-Triple im Kino: X, Pearl & MaXXXine

Ti-West-Triple im Kino: X, Pearl & MaXXXine
Fotos (v.l.n.r.): capelight Pictures (X), Universal Pictures International Germany (PEARL, MAXXXINE)Fotos (v.l.n.r.): capelight Pictures (X), Universal Pictures International Germany (PEARL, MAXXXINE)

Als Teil des Ti-West-Triples zusammen mit den beiden anderen Ablegern der Reihe im Leipziger Luru Kino geschaut. Was besonders deutlich wird, wenn man die drei Filme so geballt sieht, ist, wie detailversessen Ti West ist und wie das niemals reiner Selbstzweck bleibt, sondern auch immer wieder dafür genutzt wird, die drei Filme und ihre Themen miteinander in Beziehung zu setzen, sie zu verweben.

Beim ersten Mal X habe ich vor allem auf die Auseinandersetzung mit Moral und Gesellschaft geachtet. Nun, beim zweiten Mal, ist mir vor allem die krankhafte Obsession der Figuren mit der ewigen Jugend, dem Ekel vor dem

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Gesehen: Das freiwillige Jahr (2019) - Vater vs. Freiheit

Gesehen: Das freiwillige Jahr (2019) - Vater vs. Freiheit
Maj-Britt Klenke // © Grandfilm

Ein beachtliches Kunststück, derartige vermeintliche Banalitäten durch unendlich viele subtile Spitzen mit Spannung aufzuladen.

Freiheit ist eine Illusion und realistisch betrachtet ein Gefängnis – jedenfalls, wenn wir der Vaterfigur dieser Geschichte folgen.

Seine Vorstellung von Freiheit dreht sich nur um seine eigene Freiheit und nicht die seines Umfeldes. Unter diesen Umständen ist ein „Bitte" niemals eine ehrliche Bitte und ein „Zusammen" immer das Ziehen einer anderen Person an deren Hand.

Freiwilliges soziales Jahr in Südamerika? Klar, da kann sich die Tochter frei entfalten, zu ihrem eigenen Menschen heranwachsen und an sich und ihren Aufgaben wachsen.

Die Affäre hat das Verhältnis ihrem

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Isabelle Caldarts treffende „Girls"-Bilanz und lebende Kunst

Isabelle Caldarts treffende „Girls"-Bilanz und lebende Kunst
© Oleksandra Bardash / Unsplash

Isabelle Caldart arbeitet in einem Text für 54books umfassend die zahlreichen Ambivalenzen hinsichtlich Lena Dunhams HBO-Serie Girls (2012-2017) heraus. Mir gefällt dieser unaufgeregte Blick, der weit entfernt von jeglicher Glorifizierung und prinzipieller Verteufelung geworfen wird.

Für mich bringt Caldart mit diesem Text auf den Punkt, was Kunst für mich so faszinierend macht. Denn Girls war während der 2010er nicht nur ein beeindruckend authentisches Zeitdokument. Wer aus unserer Gegenwart heraus mit den sechs Staffeln in Dialog tritt, wird merken, dass die Serie nicht nur für ihre Zeit spricht, sondern uns auch viel über unsere Zeit, mehr als zehn Jahre nach Serienstart,

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