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Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 8

Gesehen: Good Boy (2025) - Ellis Rosen grüßt

Hund gut, Metapher schwer, Horror behauptet

Gesehen: Good Boy (2025) - Ellis Rosen grüßt
Bild: DCM Film Distribution

Ich konnte wirklich nicht anders, als fast die ganze Zeit an diesen Cartoon des großartigen Ellis Rosen zu denken. Denn die Idee des Films ist recht clever und natürlich auch eine Liebeserklärung an Hunde und an das, was sie für uns Menschen sein und leisten können. Aber diese Idee wird recht schnell mit aller Gewalt an die Oberfläche gezerrt und dort überaus dünn ausgebreitet.

Immer und immer wieder müssen wir dem Hund dabei zuschauen, wie er besorgt in mal dunkle, mal erleuchtete Raumecken starrt, dabei mal etwas sieht, mal nicht – immer begleitet von den immergleichen Dolly Zooms und Streichbögen, die sehr langsam über die tiefen Saiten gezogen werden.

Der Horror bleibt so weitestgehend behauptet und nicht erfahrbar. Das mag auch daran liegen, dass das im Verborgenen Lauernde in diesem Film mit nahezu keiner realen Konsequenz verbunden ist, die über die bereits bis kurz vor den Zerreißpunkt gestreckte Metapher hinausgeht.

Es ist ein Film, den man echt mögen möchte. Aber diese Doppelbödigkeit um jeden Preis sorgt hier für keine kluge Erweiterung des Denkraums, sondern eine unnötige Begrenzung desselben.

★★☆☆☆

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Tiger sind skrupellos am 07. Januar 2026 Featured Post

Die heutigen Dailies unter anderem mit: „Twin Peaks“ für umme, Spielepodcasts und roten Linien

Tiger sind skrupellos am 07. Januar 2026
Bild: Pop & Zebra / Unsplash

Es gibt nun wirklich gar keine Ausreden mehr: Arte hat ab morgen (08. Januar 2026) alle drei Staffeln von Twin Peaks aus den Feder von David Lynch und Mark Frost im Programm! (Oder eher: beide Staffeln Twin Peaks und The Return, was bewusst gesondert steht und stehen sollte.)

Twin Peaks - Fernsehfilme und Serien | ARTE
David Lynchs Meisterwerk, eine einzigartige Symbiose aus Seifenoper und Filmkunst, lässt uns in die Abgründe einer amerikanischen Kleinstadt eintauchen und fühlt sich wie ein böser Traum an, aus dem man niemals erwachen möchte. Diese Anthologieserie vereint alle ihre Vorgänger in sich und dient zugleich als Grundstein für preisgekrönte Serien von heute.

Die (Almost) Dailies sind mein kuratierter Blick auf das Internet – irgendwo zwischen (Pop-)Kultur, Medien, Politik und dem ganzen anderen Wahnsinn. Wenn du magst, auch in deinem Postfach!

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Christian Schmidt und Gunnar Lott von Stay Forever haben sich angeschaut, welcher deutschsprachige Gamespodcast im vergangenen Jahr wie viel zahlende Unterstützer*innen hatte. Im Gespräch bei Gameswirtschaft mit Petra Fröhlich haben die beiden noch ein paar Fragen zur Marktentwicklung beantwortet.

Ich find's gut, dass auch auf dem deutschsprachigen Markt immer mehr Zahlbereitschaft vorherrscht. Jetzt muss das nur noch ein bisschen besser verteilt werden.

Stay Forever-Macher Lott und Schmidt: „Da ist noch Potenzial.“ - GamesWirtschaft.de
In der Liste der größten crowdfinanzierten Spiele-Podcasts in Deutschland schiebt sich Stay Forever auf Platz 1 - 2025 kamen 1.000 Kunden hinzu.

Karolin Schwarz bloggt!

Elon Musks Missbrauchsmaschine

Während Nazis mit Grok Holocaust-Überlebende in Hakenkreuz-Pornodeepfakes einbauen, posten unsere Spitzenpolitiker*innen fröhlich weiter im Faschosumpf.

Berit Glanz (@beritmiriam.bsky.social) 2026-01-07T17:32:43.432Z

Damn.

At the center of the story is Vladimir Markov, a poacher who met a grisly end in the winter of 1997 after he shot and wounded a tiger, and then stole part of the tiger's kill.

The injured tiger hunted Markov down in a way that appears to be chillingly premeditated. The tiger staked out Markov's cabin, systematically destroyed anything that had Markov's scent on it, and then waited by the front door for Markov to come home.

(Direktlink, falls der Player nicht richtig rendert.)

Gesehen: Train Dreams (2025) - Muss das so?

Der Film sucht nach Spuren, die er nicht richtig ausfüllen kann

Gesehen: Train Dreams (2025) - Muss das so?
Bild: Netflix

Das ist schon eine verführerische Aneinanderreihung von eleganten, in sich ruhenden, manchmal ausharrenden und oft kontemplativen Einstellungen, in denen der Mensch in einem positiven Möglichkeitsraum gezeigt wird, in dem er nicht zwingend Gegenspieler sein muss, sondern auch als Symbiont eine lebenswerte Existenz bestreiten kann.

Gravierendes habe ich an diesem Film gar nicht auszusetzen. Und dennoch frage ich mich, ob der nun genau so sein musste... Als würden sich in der von hier aus noch gut überblickbaren Filmgeschichte – von einem Hauch Tarkowski über jede Menge Malick bis zu Einschlägen à la Reichardt – nicht bereits entsprechende Spuren finden, in die dieser Film hier mehrfach hineinpasst.

Dazu die gewählte Erzählperspektive, die mich in dieser Form doch sehr schulterzuckend zurückgelassen hat. Selbstverständlich braucht das Genre auch weiterhin sensible und empathische Typen, die mit alten Mustern, Schablonen und Motiven brechen. Aber hier scheint es, als wäre man sich seines filmischen Umfeldes so gar nicht bewusst gewesen. Auch deshalb fühlt es sich ziemlich ausbeuterisch, wenn nicht sogar etwas parasitär an, wenn der rassistische Mord eines asiatischen Mannes dazu genutzt wird, gut 100 Minuten die zarte, leidende (und weiße) Männerseele in Szene zu setzen.

TRAIN DREAMS führt irgendwie nirgendwo so richtig hin – jedenfalls in keinen Bahnhof. (Hehe.)

★★★☆☆

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Gesehen: Kneecap (2024) - Kopfnickende Fußwipper

Energiegeladen, aber zuweilen auch schlicht in der Argumentation

Gesehen: Kneecap (2024) - Kopfnickende Fußwipper
Bild: Atlas Film

Ein paar Kopfnicker und Fußwipper sind schon dabei, aber diese musikalisch nach vorn treibende Energie schafft es dann doch nie so ganz, wirklich alles tight beisammenzuhalten.

Was funktioniert, ist die Beschreibung moderner imperialistischer Mechanismen, die unter anderem durch eine Art kulturelle Hegemonie greifen. Es ist nicht unbedingt die Sprache an sich, mit der Geschichte ausgelöscht wird. Es sind die Geschichten, die mit dieser Sprache erzählt werden. Und mit diesen Geschichten verschwinden Gemeinschaften. Mit diesen Gemeinschaften verschwinden Menschen.

KNEECAP verklärt die „Troubles" nicht. (Das tut die Bezeichnung irgendwie selbst schon ein bisschen.) Der Film zeigt vielmehr, mit welchen Waffen derartige Konflikte heute ausgefochten werden.

Aber auch: Antiimperialismustrunken ist Nationalismus offenbar ein immer geringeres Problem. Und das scheint mir hier wirklich nicht ausreichend problematisiert. Sex mit der „Gegenseite" zu haben, scheint mir im Kontext des Films zwar eine adäquate Metapher für das Überwinden dieses Lagerdenkens, aber eben auch für die Schlichtheit der Argumentation insgesamt zu sein.

★★★☆☆

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Gesehen: Härte (2015) - Vorabendliche Abgründe

Leider kommen die beiden Ebenen des Films nicht so gut zusammen

Gesehen: Härte (2015) - Vorabendliche Abgründe
Bild: rbb, Rosa von Praunheim Filmproduktion

Die Form der dramatisierten Szenen schwankt zwischen verstörendem Homevideo und krampfhaft auf Harmonie gebürsteter Vorabendserie. Rosa von Praunheim schafft es, die Abgründe hinter dieser uns allen so bekannten Ästhetik sichtbar zu machen, und erzählt mit diesen Mitteln eine der Geschichten, vor denen entweder nur zu gern die Augen verschlossen, oder die mit krudem Humor überspielt wurden.

Schade ist, dass die Verschränkung mit den dokumentarischen Szenen nicht wirklich gelingt. Denn Andreas Marquardt bleibt in denen als Mensch relativ farblos und durch das Framing des Films eine Figur der Vergangenheit, deren gegenwärtiges Schaffen zu einer Randnotiz verkommt.

★★★☆☆

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Wo fängt es an? am 06. Januar 2026 Featured Post

Die heutigen Dailies unter anderem mit: Béla Tarr, Filmgenretheorie und Hildegard Knef

Wo fängt es an? am 06. Januar 2026
Bild: zafree pinano / Unsplash

Barbara Kaufmann widmet sich in einem großartigen collagenhaften Audioessay für SWR Kultur der Frage, welche Rolle die Kunst beim zementieren von patriarchalen Rollenbildern und einem Umfeld, in dem Femizide an der traurigen Tagesordnung sind, gespielt hat und spielt.

Fast jeden Tag wird in Deutschland ein Femizid begangen, die Tötung einer Frau, weil sie eine Frau ist. Weil sie zu selbständig ist. Sich getrennt hat. Dinge tut, die der Mann für sie nicht vorgesehen hat. Das Innenministerium fordert „mehr Aufmerksamkeit“ für die Opfer… Das tut Barbara Kaufmann in ihrem Essay, auf eine andere Weise. Sie durchkämmt die Kunst der vergangenen Jahrhunderte nach Rolemodels von eifersüchtigen, rachsüchtigen, gewalttätigen Männern. Und findet einen erschreckenden patriarchalischen Blick, der das Frauenbild geprägt hat. Sie fragt: „Wo fängt es an?“
Podcast: I’m gonna kill that woman
Fast jeden Tag wird in Deutschland ein Femizid begangen, die Tötung einer Frau, weil sie eine Frau ist. Weil sie zu selbständig ist. Sich getrennt hat. Dinge tut, die der Mann für sie nicht vorgesehen hat. Das Innenministerium fordert „mehr Aufmerksamkeit“ für die Opfer… Das tut Barbara Kaufmann in ihrem Essay, auf eine andere Weise. Sie durchkämmt die Kunst der vergangenen Jahrhunderte nach Rolemodels von eifersüchtigen, rachsüchtigen, gewalttätigen Männern. Und findet einen erschreckenden patriarchalischen Blick, der das Frauenbild geprägt hat. Sie fragt: „Wo fängt es an?“ Essay von Barbara Kaufmann

Die (Almost) Dailies sind mein kuratierter Blick auf das Internet – irgendwo zwischen (Pop-)Kultur, Medien, Politik und dem ganzen anderen Wahnsinn. Wenn du magst, auch in deinem Postfach!

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Freya Herrmann und Vera Klocke sprechen in meiner liebsten Podcast-Neuentdeckung Fashion the Gaze die (meine Worte) Ausbeutung Wohnungs- und Obdachloser auf Tiktok. Zu Gast ist Janita-Marja Juvonen, die selbst 14 Jahre obdachlos war und heute darüber schreibt.

Gefakte Spendenaufrufe, performative Hilfsaktionen und Verfolgung von obdachlosen Personen in der Innenstadt. In diesem Live-Podcast analysieren wir – gemeinsam mit der Autorin Janita-Marja Juvonen – die Ästhetiken und Inszenierungsstrategien von Obdach- und Wohnungslosigkeit in den sozialen Medien. Dabei interessieren wir uns insbesondere für TikTok-Videos, in denen Content Creatoren Obdach- und Wohnungslosigkeit inszenieren, um ihre Reichweite zu vergrößern. Welche Bilder entstehen hier, wie werden sie politisch und emotional wirksam, und was verraten sie über Machtverhältnisse und die Ästhetisierung und Kommodifizierung sozialer Ungleichheit – gerade jetzt, in der Weihnachtszeit?
TIKTOK KOLLOQUIUM @Volksbühne: Wohnungslosigkeit zwischen Content Strategie und Selbstinszenierung - FASHION THE GAZE
Gefakte Spendenaufrufe, performative Hilfsaktionen und Verfolgung von obdachlosen Personen in der Innenstadt. In diesem Live-Podcast analysieren wir – gemeinsam mit der Autorin Janita-Marja Juvonen – die Ästhetiken und Inszenierungsstrategien von…

Béla Tarr ist gestorben. Bisher habe ich mich von ihm nur an WERCKMEISTER HARMONIES (den es auch mit vielen Bibliotheksmitgliedschaften bei Filmfriend zu sehen gibt) herangetraut, aber SÁTÁNTANGÓ und THE TURIN HORSE sind wortwörtlich schon seit Jahren auf meiner Watchlist.

Europäisches Autorenkino: Ungarischer Filmemacher Béla Tarr ist tot
“Satanstango”, “Das Turiner Pferd” und “Die Werckmeisterschen Harmonien”: Der ungarische Regisseur Béla Tarr ist gestorben. Bekannt war er für seine kunstvollen Filme.

Marcus Stiglegger spricht in den Projektionen mit Andreas Rauscher über Filmgenretheorie.

Gemeinsam diskutieren sie, warum Genretheorie bei weitem kein überholtes Konzept der Filmwissenschaft ist, sondern gerade in der aktuellen Film- und Serienlandschaft spannende Analyseergebnisse hervorbringen kann. Diskutiert werden u.a. THE SUBSTANCE, SINNERS und NOSFERATU.
Projektionen Kinogespräche: Was ist Filmgenretheorie?
Marcus hat vor einigen Jahren das Handbuch Filmgenre herausgegeben. Prof. Dr. Andreas Rauscher ist seit seiner Habilitation über Genres in Computergames ebenfalls als Experte in Genrefragen zu sehen. Gemeinsam diskutieren sie, warum Genretheorie bei weitem kein überholtes Konzept der Filmwissenschaft ist, sondern gerade in der aktuellen Film- und Serienlandschaft spannende Analyseergebnisse hervorbringen kann. Diskutiert werden u.a. THE SUBSTANCE, SINNERS und NOSFERATU.

Außerdem gerne gehört: die anlässlich des 100. Todestages von Hildegard Knef gesendete Lange Nacht.

Hildegard Knef genügte ein Leben nicht - immer wieder erfand sie sich neu
Immer wieder musste Schauspielerin Hildegard Knef als Projektionsfläche herhalten: Sie galt als “Trümmermädchen”, als “Sünderin” oder als Symbol der Republik.