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Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 79

Doku-Doppel: Töchter zweier Welten (1991) & Ekmek Parasi – Geld fürs Brot (1994)

Doku-Doppel: Töchter zweier Welten (1991) & Ekmek Parasi – Geld fürs Brot (1994)
© Arsenal - Institut für Film und Videokunst

Töchter zweier Welten (1991)

Ein so schlichtes und dennoch kraftvolles Porträt zweier Frauen, die jeweils für sich und einander eigentlich nur das Beste im Leben wollen. Doch die Vorstellungen davon scheinen nicht miteinander vereinbar. Doch was sie eint, ist, dass beide vom Patriarchat unterdrückt werden.

Für Serap Berrakkarasu wäre es wahrscheinlich sehr leicht gewesen, eine scharfe Abrechnung mit sowohl der türkischen Gesellschaft als auch den in Deutschland lebenden Türk:innen, die aktiv an der Zementierung des Patriarchats arbeiten, zu inszenieren. Doch das ist offensichtlich nicht ihr Ansinnen. Sie versucht, das strukturelle Problem lediglich durch die Linse ihrer Wurzeln in der

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Gesehen: Submarino (2010) - Unendlicher Schmerz

Gesehen: Submarino (2010) - Unendlicher Schmerz
Jakob Cedergren und Peter Plaugborg // © Mubi, Nimbus Film

Unendlicher Schmerz steckt in diesem Film – aus in der Kindheit wurzelnden Traumata und aus Liebe gegenüber den engsten Menschen hervorbrechend.

Damit einher geht lebenslange Schuld, die bereits eine Generation zuvor ihren Lauf nahm, die ungerechterweise der nächsten aufgeladen wurde und die nun die nächsten Leben zu zerfressen droht.

Wer seine inneren Dämonen über Jahrzehnte hinweg füttert, wird sie irgendwann nicht mehr überwältigen können.

Es entsteht erst ein gefährlicher Kreislauf, der sich schließlich zu einem mörderischen Strudel auswächst, der immer mehr droht zu verschlucken – die dir nahen Menschen, die Menschen, die gerne nah bei dir wären und die, deren Nähe du

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№ 15 - Komm in die Gruppe

№ 15 - Komm in die Gruppe
© Crispin Jones / Unsplash

Vergangenes Jahr habe ich auf dem DOK Leipzig unter anderem Dominique Cabreras cinephile Schnitzeljagd rund um Chris Markers legendären Kurzfilm und ihre Familie, LA JETÉE, THE FIFTH SHOT, gesehen. Arte hat den Film jetzt noch bis zum 02. November 2025 in der Mediathek stehen.

“Am Rande des Rollfelds”, fünftes Bild - Die ganze Doku | ARTE
Bei einer Chris-Marker-Ausstellung in Paris erkannte sich Jean-Henri Cabrera - ein Cousin von Dominique Cabrera, der Regisseurin dieses Dokumentarfilms - in dem Film “Am Rande des Rollfelds” (1962) wieder. Sollte er in diesem Kultfilm und Science-Fiction-Klassiker mitgespielt haben, kurz bevor Algerien die Unabhängigkeit
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Gesehen: Import/Export (2007) - Empathielos nah dran

Gesehen: Import/Export (2007) - Empathielos nah dran
Ekateryna Rak // © Alamode Filmverleih

Ein schonungslos harter Blick auf die unfassbar große ökonomische Ungleichheit, die innerhalb von Europa herrscht. Auf die regelrecht neokolonialen Strukturen, die sich aus den wirtschaftlichen Machtgefällen heraus ergeben, die ökonomisch schwächeren Menschen also für die vermeintlich niederen Arbeiten abgestellt und ausgebeutet werden. Auf die Abhängigkeitsverhältnisse, in die sich diese Menschen begeben müssen und ihre Existenz damit jedoch nur scheinbar abgesicherter als zuvor ist.

Weniger hätte ich von einem Ulrich-Sleidl-Film auch nicht erwartet.

Es ist nur schade, dass diesem Film kaum ein empathischer Blick auf seine Protagonist:innen gelingt. Denn deren Umgeben hat selten mehr als Verachtung für sie übrig. Der

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Gesehen: All the Old Knives (2022) - Formal in die Grauzone

Gesehen: All the Old Knives (2022) - Formal in die Grauzone
Chris Pine // © Amazon Studios

Natürlich ist das kein sich sonderlich weit aus dem Fenster lehnender Agent:innenthriller, der aber immerhin selbstbewusst durchinszeniert ist und auch formal etwas versucht.

Lange arbeitet dieser Film mit gestochen scharfen, kristallklaren und kontrastreichen Bildern. Dadurch wird transportiert: Die Dinge liegen klar auf der Hand und es bedarf nur unseres Ausnahmeprotagonisten, alles zu einem Gesamtbild zusammenzuführen.

Nun muss man kein:e Hellseher:in sein, um das Puzzle für sich bereits vorher zusammenzusetzen und zu begreifen, dass die vermeintliche Klarheit natürlich nur die halbe Wahrheit ist.

Aber es ist interessant zu sehen, wie schließlich auch die Bilder dem Geschehen folgen, zunehmend

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Gesehen: The Capsule (2012) - Frauen wie Möbel

Gesehen: The Capsule (2012) - Frauen wie Möbel
© The Match Factory

Möbel gebären Frauen hinein in einen Raum, in dem sie lernen, selbst ein Möbelstück zu sein: unterworfen, dekorativ, ohne Widerworte eine Aufgabe erfüllend. Die Zügel vermeintlich in der Hand hat eine andere Frau. Die ist jedoch offenbar selbst Teil eines weiteren unterdrückenden, noch mächtigeren Systems als es dieser schier endlose Durchlauf von Möbelfrauen durch ihr Gefängnis zwischen Raum und Zeit ist. Doch auch sie ist längst gebrochen und davon überzeugt, ihrem Purgatorium nur entkommen zu können, indem sie andere Frauen noch härter bricht. Auch so wird Misogynie internalisiert.

🇬🇷, R: Athina Rachel Tsangari, D: Ariane Labed, Clémence Poésy, Isolda Dychauk-Ott, Evangelia
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