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Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 75

Cannes 2025: Ohne Punkt und Komma

One of the most french things ever

Cannes 2025: Ohne Punkt und Komma
© Festival de Cannes

Das Programm der diesjährigen Filmfestspiele von Cannes ist gerade präsentiert worden. Dass der Bums zwar live und simultanübersetzt gestreamt wurde und dazu vor einer riesigen Kinoleinwand stattfand, aber es statt Einblendungen immer noch nur Festivaldirektor Thierry Frémaux ohne Punkt und Komma mit seinem Zettel in der Hand gibt, is still one of the most french things ever.

Anyways, der Wettbewerb kann sich wirklich sehen lassen. Ich bin besonders gespannt auf die Filme von Julia Ducournau, Kelly Reichardt, Mascha Schilinski, Joachim Trier, Kleber Mendonça Filho, Mario Martone, Sergei Loznitsa und Chie Hayakawa.

Ein gewisses masochistisches Interesse habe ich an...

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Gesehen: Fitting In (2023) - Wagenheber und Wattebausch

Ein Coming-of-Age gegen binäre Geschlechterkonstrukte

Gesehen: Fitting In (2023) - Wagenheber und Wattebausch
Maddie Ziegler und Djouliet Amara // © Nice Picture, Wondaland

Toll, diesen Missstand der von cis Männern dominierten und daher für cis Männer gedachten Medizin aufzugreifen und daraus ein Coming-of-Age gegen binäre Geschlechterkonstrukte zu inszenieren.

Direkt von seinem Gynäkologen wie ein Auto behandelt zu werden, dessen Getriebe nicht ganz rund läuft. Umgehend den vermeintlich einzigen Weg aufgezwungen bekommen, das angeblich kaputte Getriebe zu reparieren. Wie ein Gebrauchsgegenstand mit Macke behandelt zu werden. Das ist engstirnig, kurzsichtig, fahrlässig und entmenschlichend – kurz: menschenfeindlich.

So „erfrischend" ich das Aufgreifen dieses Themas finde, so zwiegespalten und skeptisch lässt mich dieser Film zurück. Denn viele Szenarien werden mit angezogener Handbremse durchfahren. Alles ist unter einer

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Streaming killed the Orte der Inklusion und Teilhabe

📼 + 🫂 = ❤️

Streaming killed the Orte der Inklusion und Teilhabe
© Marina Hanna / Unsplash

Eine kleine, herzerwärmende Geschichte – nicht nur für Filmfans und in typisch weichgespülter Frühstücksfernsehen-Art:

When the "Video Stop" in Idaho closed, its owner made sure Christina Cavanaugh, a loyal customer with Down syndrome, could still "rent" her movies every afternoon – thanks to a new section just for her.

Videotheken mögen Relikte der Vergangenheit sein, wenn man sie rein aus einer filmbeschaffenden Perspektive betrachtet. Aber als soziale Orte, als Räume der Zusammenkunft für Gemeinschaften sowie Instrumente der Inklusion und Teilhabe werden sie (in meiner Generation) nur selten in Erwägung gezogen.

Ich selbst war irgendwie immer neidisch auf meine Freund:innen, die hier

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Kinotagebuch: Mickey 17 (2025) - Ästhetische Ablenkungsmanöver

Dem sich verziehenden Rauch hinterherjagen

Kinotagebuch: Mickey 17 (2025) - Ästhetische Ablenkungsmanöver
Robert Pattinson als Mickey Barnes // © Warner Bros. Entertainment

Man könnte meinen, dass Bong Joon-ho diese ganz PARASITE durchziehende Unterwerfungssucht auf Basis von Edward Ashtons Roman bis in die letztmögliche Konsequenz weiterdenkt: Mickey Nummer 17 plant gar nicht mehr damit, zu überleben und sehnt sogar seinen Tod herbei, weil er sich längst dem System™ übergeben hat – ein turbo- wie anarchokapitalistisches und neofaschistisches System, in dem das Individuum verkümmert und Stück für Stück abgetragen wird.

Jedoch: Ist dieser Film letztlich von der Realität eingeholt worden? Ich fremdele selbst oft mit dieser Zuschreibung. Deshalb will ich es so versuchen: MICKEY 17 hat die falschen Schlüsse aus Trump I gezogen. Denn nun

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Gesehen: Rosenthal (2025) - Second-Screen-Verlierer

Erinnerungsskultur und kultiviertes Vergessen

Gesehen: Rosenthal (2025) - Second-Screen-Verlierer
Florian Lukas als Hand Rosenthal // © ZDF, Ella Knorz

Hans Rosenthal verkörpert in dieser Vignette die Dichotomie der sogenannten deutschen Erinnerungskultur. Da ist die Kultur des Täter:innenvolks, die viel mehr ein Kultivieren des Vergessens ist. Da ist der innere Kampf von Rosenthal und anderen Jüd:innen, die die Nazis überlebt haben. Gegen die eigene Scham, Erinnerungen und eine Gesellschaft, die sich aus der Affäre zieht. Und das Ringen mit dem Verhältnis zu einer nachkommenden Generation von Jüd:innen, die diesen inneren Konflikt nicht in dieser Form austragen muss und deshalb radikaler zu denken pflegt.

Florian Lukas macht seine Sache als Hans Rosenthal ganz gut, das jedoch in einem

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Gesehen: Thelma (2024) - We don't care

Steven Soderberghs und Sean Bakers Enkeltrick

Gesehen: Thelma (2024) - We don't care
June Squibb und Fred Hechinger // © Universal Pictures International Germany

Der Film gibt schon darüber zu denken, wie wir als Gesellschaft mit unterstützungsbedürftigen Menschen umgehen. Denn wer es sich leisten kann, sourct (physische) Care-Arbeit einfach aus. Per se ist das natürlich kein Problem. (Diskutiert werden müssen natürlich die finanziellen Zugangshürden, aber das steht auf einem anderen Blatt.) Aber damit einher geht immer auch eine teilweise oder vollständige Auslagerung emotionaler Zuwendung. Die einen erleichtern sich einer emotionalen Last auf Kosten derjenigen Menschen, die anderen werden sozial isoliert. Aber sie leben noch, also können wir uns ja alle gegenseitig auf die Schulter klopfen.

Die in THELMA porträtierte Methode des Enkeltricks ist nun

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