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Feuilleton & Firlefanz

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Gesehen: Führer und Verführer (2024) - Bilder als (Rüstungs-)Material

Wie ein Dokudrama mit billigen Reenactments, nachts auf N24.

Gesehen: Führer und Verführer (2024) - Bilder als (Rüstungs-)Material
Robert Stadlober als Joseph Goebbels und Fritz Karl als Adolf Hitler // Foto: Wild Bunch Germany

Diesen einen interessanten Aspekt will ich dem Film nicht absprechen: Joachim Lang inszeniert die Propaganda als Teil der Kriegswirtschaft. Robert Stadlober spricht in der Rolle des Joseph Goebbels an manchen Stellen wortwörtlich davon, dass ihm die Bilder ausgehen – als wären sie (Rüstungs-)Material.

Aber davon abgesehen ist FÜHRER UND VERFÜHRER eine Hülle, die vergeblich mit schwülstig ausgestalteten Figuren aufgefüllt werden soll. Gepaart mit den immer wieder eingestreuten historischen Aufnahmen entsteht so schnell der Eindruck ähnlich eines Dokudramas mit billigen Reenactments wie nachts auf N24.

Endgültig selbst untergräbt sich der Film jedoch durch die Entscheidung, die Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer, Elly Gotz,

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Gesehen: Naked Lunch (1991) - Im Dienste des Unvollständigen

Alles geht in einer sexuell-ekstatischen Transgression auf.

Gesehen: Naked Lunch (1991) - Im Dienste des Unvollständigen
Peter Weller als William Lee // Foto: Studiocanal

Ich habe hier vor allen Dingen diese so enge, so kleingeistige Welt gesehen, der jemandes Unterbewusstsein um jeden Preis ein Ende bereiten will. Der Protagonist sagt selbst von sich, jedes rationale Denken ausrotten zu wollen. Das scheint nur niemand ernst zu nehmen.

Das interessiert jedoch den Film, der sich dazu aufschwingt, diese Welt und die dort herrschenden Verhältnisse einzureißen, Erwartungen zu brechen und aufzubrechen sowie gegen den Strich zu bürsten, nur um gegen den Strich gebürstet zu haben, überhaupt nicht. Dabei reißt er seinen Protagonisten einfach mit und treibt ihn schließlich fieberhaft vor sich her.

Inmitten dieser Gemengelage gibt Cronenberg

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„Her Last Portrait" gibt bei Femiziden getöteten Frauen ein Gesicht

Raum und Zeit kommen zusammen

„Her Last Portrait" gibt bei Femiziden getöteten Frauen ein Gesicht
Symbolfoto: Miguel Bruna / Unsplash

Die österreichische Künstlerin Daniela Luschin hat mit „Her Last Portrait" ein Projekt ins Leben gerufen, das an all die Frauen erinnern soll, die einzig und allein aufgrund ihres Frauseins getötet wurden. Sie schreibt:

Jedes Jahr werden unzählige Frauen Opfer von Femizid – ermordet, weil sie Frauen sind. Ihre Gesichter verschwinden aus dem öffentlichen Gedächtnis, ihre Geschichten werden zu bloßen Zahlen. Her Last Portrait ist eine weltweite künstlerische Initiative, die das ändern möchte. Durch Portraitkunst ehren wir diese Frauen, bewahren ihre Geschichten und fordern Bewusstsein.

Dass Luschin von „Wir" schreibt, ist kein Zufall, sondern eine Einladung:

Wir laden Künstlerinnen aus aller Welt
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Gesehen: Ellbogen (2024) - Im Fluss nach hinten

Ein (zu) diffuses Themengeflecht.

Gesehen: Ellbogen (2024) - Im Fluss nach hinten
Melia Kara als Hazal // © JIP Film und Verleih

Sich erst mitreißen und dann treiben zu lassen, ist ein Problem, wenn die Richtung rückwärtsgewandt ist. Dass sich überhaupt etwas bewegt, mag sich wie ein Ausbruch anfühlen. Da jedoch nur eine Bewegungsrichtung möglich scheint, ist auch das ein Gefängnis.

Ich kann das komplexe Geflecht aus Themen, die nicht nur parallel existieren, sondern einander potenzieren und/oder abschwächen, die nicht ohneeinander erzählt werden können, anerkennen.

Dem Film fehlt jedoch die Klarheit, um dieses Geflecht zu transportieren. Alles ist total diffus und schwimmend. Als Spiegelbild der Protagonistin trägt das jedoch nicht, denn es scheint kein bewusstes Spiel mit dieser Diffusität, sondern eher

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Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats (2017) - Ästhetik des Fanatismus

Faszinierend wie ausbeuterisch, ngl.

Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats (2017) - Ästhetik des Fanatismus
© Port au Prince Pictures

Sehr ambivalente Gefühle hat dieser Dokumentarfilm bei mir ausgelöst.

Da ist einerseits dieser faszinierende Einblick in die Funktionsweise eines radikalen Systems aus unmittelbarer Nähe. Es zeigt, dass diese „Fußsoldaten" des sogenannten Kalifats ideologisch absolute Dünnbrettbohrer sind. Was die geistige Führung an Weltanschauung konstruiert und propagiert, kommt so weit unten gar nicht mehr an.

So erklärt der Vater als einer der Protagonisten des Films so ziemlich zu Beginn, dass er von diesen und jenen Begriffen fasziniert sei und manche seiner Söhne nach „erfolgreichen" Terroristen benannt habe. Im Auto hört er einfältigste Schlager, die militärische Erfolge des sogenannten Kalifats besingen.

Es ist

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Kinotagebuch: Warfare (2025) - Unfallchirurgen im Krieg

Notfall-OP an einem eigenhändig verletzten Patienten

Kinotagebuch: Warfare (2025) - Unfallchirurgen im Krieg
D’Pharaoh Woon-A-Tai // © Leonine Distribution

WARFARE ist extrem sensorisches Kino. Es wird viel geschossen, aber eben nie stumpf wie in einem Actionfilm. Das Sounddesign stellt sicher, dass jede einzelne abgegebene Kugel Gewicht hat. Jeder Schuss rollt gleich einer Welle durch den Kinosaal, überwältigt den Hörnerv, übersetzt sich in Vibration und nimmt so den gesamten Körper in Beschlag.

WARFARE ist Körperkino, das auf allen Sinnesebenen Mark und Bein durchdringt. Dazu gehören auch drastische Bilder von verletzten und getöteten Soldaten. Eigentlich bin ich der Meinung, dass diese Art der Inszenierung des Krieges mittlerweile ausgedient hat und wir andere Bilder suchen müssen. Aber Alex Garland und Ray Mendoza

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