Skip to Content

Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 71

Gesehen: Caligula: The Ultimate Cut (1979/2023) - Dekadent geht das Gefühl zugrunde

Für absoluten Größenwahn und Opulenz gebührt trotz – oder gerade wegen – aller Trashi- und Tackiness Applaus.

Gesehen: Caligula: The Ultimate Cut (1979/2023) - Dekadent geht das Gefühl zugrunde
Malcolm McDowell als Caligula und Helen Mirren als Caesonia // Foto: Tiberius Film

Für diesen absoluten Größenwahn und die szenenbildnerische Opulenz gebührt dem Film trotz – oder vielleicht auch gerade wegen – aller Trashi- und Tackiness Applaus. Denn diese Figuren, diese fragilen Männeregos können wohl nur in nur wenigen Umfeldern so gut inszeniert werden wie in diesem.

Männer wie Caligula und der Rest der herrschenden Klasse stumpfen durch pure Dekadenz emotional komplett ab oder reifen erst gar nicht in nennenswertem Umfang heran. Um dann überhaupt (noch) Euphorie, Freude, Liebe, Selbstsicherheit oder überhaupt etwas zu spüren, müssen immer drastischere, immer transgressivere Maßnahmen ergriffen werden.

Denn wenn diese Gefühle plötzlich ausbleiben, dann muss das im Umkehrschluss ja

Gesehen: Caligula: The Ultimate Cut (1979/2023) - Dekadent geht das Gefühl zugrunde Read more

Gesehen: In Liebe, eure Hilde (2024) - Irritierende Deästhetisierung

Ein Film, der mir wenig über die Liebe erzählt und auf den meisten Ebenen sträflich apolitisch erscheint.

Gesehen: In Liebe, eure Hilde (2024) - Irritierende Deästhetisierung
Johannes Hegemann als Hans und Liv Lisa Fries als Hilde Coppi // Foto: Pandora Film Verleih

Liv Lisa Fries ist großartig. Es liegt an ihrer herausragenden Leistung, dass der Film nicht komplett entgleitet. Denn Andreas Dresens Entscheidung, Nazideutschland derart radikal zu deästhetisieren, ist extrem irritierend.

Vielleicht ist das der Versuch, der Unerschütterlichkeit der Liebe den Vorrang zu geben. Doch das untermauert der Film kaum. Ich konnte die Figuren nur selten greifen und hatte noch seltener den Eindruck, verstehen zu können, warum sie miteinander befreundet sind, sich ineinander verlieben, was ihre Wünsche, Träume, Wert und Ideale sind.

In einem der letzten existenziellen Momente des Films wird die Figur der Hilde gefragt, was sie will – und sie findet

Gesehen: In Liebe, eure Hilde (2024) - Irritierende Deästhetisierung Read more

Gesehen: La Cocina (2024) - Im Inneren der Bestie

Die Lautstärke des Films verführt. Aber es ist die Ruhe, die einer Dampfwalze gleich alles überfährt.

Gesehen: La Cocina (2024) - Im Inneren der Bestie
Foto: SquareOne Entertainment, 24 Bilder

American Dream schön und gut, aber mich hat hier vor allen Dingen fasziniert, wie konkret und konsequent diese Erzählung in Verbindung zu New York City gesetzt wird. Es ist die Stadt, die einst als Tor zur freien Welt, zu Hoffnung und der Chance auf Aufstieg und Wohlstand galt. Heute ist NYC ein ultra-urbaner Fleischwolf im Dienste eines ausbeuterischen Systems.

Wer nach New York kommt, muss sich auf dieses System einlassen und das Tempo mithalten können, um nicht unter die Räder zu geraten und zerfetzt zu werden. Eine Stadt ohne Erbarmen. Wer mithalten kann, wird vermeintlich hoch belohnt, muss aber einen

Gesehen: La Cocina (2024) - Im Inneren der Bestie Read more

Gesehen: Autobiografia di una Borsetta (2025) - Die reaktionäre Handtasche

Werbung bleibt nun einmal Werbung

Gesehen: Autobiografia di una Borsetta (2025) - Die reaktionäre Handtasche
Foto: Miu Miu

Ich habe vorher einfach nicht aufmerksam genug gelesen und war dann einigermaßen irritiert, als relativ schnell klar wurde, dass das hier ein Werbefilm ist. Dennoch gab es einiges an Reibungsfläche, an der man sich abarbeiten kann.

Einerseits gelingt Joanna Hogg eine Art persiflierendes Unterlaufen der Marke, in deren Auftrag diese Vignetten inszeniert wurden, und der absurden Maschinerie, die sich Designermode nennt. Wenn die Protagonistin, eine Handtasche, ausgepackt wird, dann sehen wir das aus ihrer Perspektive und wie ein Kind, das sich durch den Geburtskanal seinen Weg nach draußen bahnt. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Gegenstand der Inszenierung findet also schon

Gesehen: Autobiografia di una Borsetta (2025) - Die reaktionäre Handtasche Read more

Kurzfilmfiesta mit Radu Jude

Alles aufgesaugt, was Mubi hergibt.

Kurzfilmfiesta mit Radu Jude
Radu Jude auf dem International Film Festival Rotterdam 2020 // Foto: Vera de Kok unter CC BY-SA 4.0

Bei Mubi ist gerade nicht nur Radu Judes großartiger DO NOT EXPECT TOO MUCH FROM THE END OF THE WORLD (2023) zu sehen, sondern auch eine Reihe von sonst nur schwer zu bekommenden Kurzfilme, die ich mir nun Stück für Stück über ein paar Wochen hinweg angesehen habe.

Radu Jude – Im Programm
Erlebe großes Kino. Egal, wo du bist. Von ikonischen, preisgekrönten Regisseuren bis hin zu aufstrebenden Autorenfilmern. Bahnbrechende Filme aus der ganzen Welt. Im Stream oder offline. Starte jetzt dein kostenloses 7-tägiges Probeabo.

The Potemkinists (2022)

Faszinierend, wie viel Politik, Kunst und Gesellschaft in so einen kleinen Film mit

Kurzfilmfiesta mit Radu Jude Read more

Historiker Jens-Christian Wagner bei Jung & Naiv

Jemand, der trotz seiner Position seine Perspektive nicht bis zur Unkenntlichkeit verklausuliert.

Historiker Jens-Christian Wagner bei Jung & Naiv
Jens-Christian Wagner im Niedersächsischen Landtag 2021 // Foto: Axel Hindemith unter CC BY-SA 3.0 DE; Zuschnitt von mir

Jens-Christian Wagner ist Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora und derzeit eine besonnene wie nachdrückliche öffentliche Stimme gegen den gesellschaftlichen wie politischen Rechtsruck und auch jemand, der trotz seiner Position seine Perspektive nicht bis zur Unkenntlichkeit verklausuliert.

Ich bin nicht der größte Fan von Tilo Jungs Format, weil er in meinen Augen mitunter einen sehr komischen Interviewstil pflegt. Mich irritieren in ihrer Konfrontativität fehlgeleiteten Fragen, auf die sich oft nur „Das musst du XYZ selbst fragen" antworten lässt, einfach. Die beschränken sich in diesem Gespräch jedoch zum Glück auf ein Minimum. Hören- und/oder sehenswert!

Ein Gespräch über Jens'
Historiker Jens-Christian Wagner bei Jung & Naiv Read more