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Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 70

Gesehen: Archipelago (2010) - Upstairs, Downstairs

In diesem Gefüge wird es niemals Augenhöhe geben.

Gesehen: Archipelago (2010) - Upstairs, Downstairs
Amy Lloyd als die Köchin Rose und Tom Hiddleston als Edward // Foto: Wild Horse Film Company, Curzon

Mehr als die Synopse habe ich vor dem Film nicht gelesen. Umso überraschter war ich dann, hier bei genauerer Betrachtung fast schon ein klassisches britisches Upstairs-Downstairs-Drama serviert zu bekommen.

Da ist die Mutter, die vermutlich noch eine Zeit ohne ausufernden Wohlstand kennengelernt hat und krampfhaft versucht, sich und dem Zusammensein mit ihrer Familie noch einen Rest von Würde zu erhalten, nahbar zu bleiben, wie es der eigene Reichtum eben zulässt.

Da ist die Tochter, die vermutlich in ihrem Leben keine Sekunde der ökonomischen Unsicherheit erfahren hat, für die es normal ist und in deren Innerem sozusagen verankert ist, dass sie

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Die Lange Nacht zum Mann hinter der Held:innenreise, Joseph Campbell

Von Mythologie über Kino bis zur Therapie

Die Lange Nacht zum Mann hinter der Held:innenreise, Joseph Campbell
Joseph Campbell in den späten 1970ern auf der Feathered Pipe Ranch in Montana // Foto: Joan Halifax (Upaya) unter CC BY 2.0; Zuschnitt von mir

Wer schon mal ein Videoessay jedweder Qualität zu Star Wars ertragen musste und/oder genießen konnte, kam um diesen Namen wahrscheinlich nicht herum: Joseph Campbell.

Der US-amerikanische Literaturwissenschaftler beschrieb 1949 in seinem Buch The Hero with a Thousand Faces genau die Erzählstruktur, die heute gemeinhin als Held:innenreise bekannt ist – und die unter anderem George Lucas der Erzählung nach dabei half, aus einem Müllkippenbrand von Drehbuch, Adventures of the Starkiller, schließlich Star Wars zu machen.

Die Lange Nacht des Deutschlandfunks spürte Campbell nun noch mal in aller Ausführlichkeit nach. Für mich neu und spannend war, inwiefern sich auch therapeutische Ansätze

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Gesehen: Scanners (1981) - Selbsterfüllende Prophezeiung

Die Ärzte - Schunder-Song.mp3

Gesehen: Scanners (1981) - Selbsterfüllende Prophezeiung
Foto: Filmplan International, Canadian Film Development Corporation, Montreal Trust Company of Canada

Es ist das sympathisch-trahsig aufgemachte Spiel mit den vermeintlich Andersartigen, den Fremden, den Ausgegrenzten, den Vorverurteilten und damit natürlich mit verinnerlichten Mechanismen menschlichen Miteinanders.

Wenn Menschen aufgrund gesellschaftlich und/oder politisch konstruierter Eigenschaften benachteiligt, ausgegrenzt, erniedrigt, herabgewürdigt und ausgebeutet werden, ist eine radikale Gegenbewegung zum Brechen dieses Systems immer denkbar.

Wer etwa aus fremdenfeindlichen Motiven Menschen in verschiedene Klassen einteilt, erschafft damit eine selbsterfüllende Prophezeiung. Die Eskalation ist eingepreist, um noch härtere Repressionen zu rechtfertigen und proklamieren zu können, dass man es ja von Anfang an gewusst und gesagt habe.

Wird dieser Mechanismus nicht gebrochen, wird dessen Geist auf ewig

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Philosophy Tube über Nietzsche im Kontext heutiger Kulturkämpfe

Good Stuff!

Philosophy Tube über Nietzsche im Kontext heutiger Kulturkämpfe

Die fantastische Abigail Thorn widmet sich auf ihrem Youtube-Kanal Philosophy Tube in zwei Videos Friedrich Nietzsche und analysiert unter anderem, wie heute von rechts geführte Kulturkämpfe in Bezug zum Schaffen des 1900 gestorbenen Philosophen stehen. Good Stuff!

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Gesehen: Underground (1995) - Fiebertraum mit Blaskapellenbegleitung

In Inhalt und Form Ausdruck der komplizierten Geschichte des ehemaligen Jugoslawiens, der mitunter ziemlich sauer aufstößt.

Gesehen: Underground (1995) - Fiebertraum mit Blaskapellenbegleitung
Foto: Pandora Film Verleih

Ein bitterböser Fiebertraum mit Blaskapellenbegleitung. Wer Verklärungs- statt Erinnerungskultur pflegt, bleibt in längst überwunden geglaubten Zeiten stecken und unterwirft sich und die Gesellschaft dem Diktat der Ignoranz. Falscher (National-)Stolz ebnet den Weg in den Untergang.

Ein bitterer Nachgeschmack bleibt hier unter anderem aufgrund dessen, dass im Kontext des Bosnienkrieges das Wort „Brudermord" in den Mund genommen wird. Klar, der Völkermord von Srebrenica geschah erst zwei Monate nach Premiere des Films. Dass zuvor bereits Kriegsverbrechen an der Bevölkerung inklusive blutiger Massaker mit dem Ziel der ethnischen Säuberung begangen wurden, war jedoch schon bekannt. „Brudermord" erscheint mir eine bewusste Relativierung dieser

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Gesehen: Changeling (2008) - Auch Konservatismus geht nicht ohne Feminismus

In diesem Film stecken Gedanken, die heutigen sogenannten Konservativen die Schädel platzen lassen würden.

Gesehen: Changeling (2008) - Auch Konservatismus geht nicht ohne Feminismus
Angelina Jolie als Christine Collins // Foto: Universal Pictures International

Was mir sehr gefallen hat, ist, wie würdevoll Clint Eastwood diese Frau inszeniert. Er ist ganz nah dran bei ihr und ihrem Schmerz, wahrt aber dabei immer eine respektvolle Distanz. Sprich: Er lässt seinen Film einfach nicht ins Ausbeuterische, in einen Trauma-Porno abgleiten.

Das erreicht er durch eine verführerische Kameraarbeit. Die Kamera gleitet ganz sanft durch die Szenen und vollführt mit den Figuren fast schon einen klassischen Tanz – ganz zart, ganz vorsichtig und stets daran arbeitend, eine gemeinsame Frequenz zu finden und einen Resonanzraum zu konstruieren.

Ansonsten ist es natürlich ein Leichtes, Eastwood hier mit der Auswahl dieser Geschichte und

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