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Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 67

Der Dokumentarfilm stirbt und Streamer heben schon mal das Grab aus

PR-Slob sorgt eben für the most bang for the buck 🤷‍♂️

Der Dokumentarfilm stirbt und Streamer heben schon mal das Grab aus
Foto: Sudan Ouyang / Unsplash

Zach Schonfeld hat für den Guardian ein Stück geschrieben, das mir mit einem Megafon aus der Seele schreit. Es geht um eine äußerst bedenkliche Entwicklung auf dem Dokumentarfilmmarkt. Dort lodert nämlich seit geraumer Zeit ein Müllkippenbrand. Gelegt haben den die Streaming-Services und nun wenden sie liebend gern Zeit und substanzielle Teile ihres Budgets darauf, weiter Öl ins Feuer zu kippen.

Schonfeld umreißt gut die großen Probleme: Die Streamer wollen the most bang for the buck aka das größtmögliche (zahlende) Publikum bei möglichst wenig teueren Rechtsstreits mit den Subjekten ihrer „Dokumentarfilme". Da diese Taktik offenbar aufgeht, werden richtige Dokumentarfilme gar nicht

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Gesehen: Touched (2023) - Bitterböses Machtspiel

Wie das Gefälle verläuft, wechselt ständig

Gesehen: Touched (2023) - Bitterböses Machtspiel
Ísold Halldórudóttir // Foto: Cologne Cine Collective

Am meisten hat mich hier dieses mitunter bitterböse Machtspiel zwischen den beiden Figuren fasziniert und wie es dabei nie sonderlich lange ein klares, sondern ein permanent die Seiten wechselndes Gefälle gibt.

Der Film spielt mit unseren Vorurteilen, stellt unsere Annahmen permanent infrage und bricht mit unseren Erwartungen. Das vollzieht er immer wieder mittels sexueller und psychischer Transgression, mit dem klaren Übertreten moralischer Grenzen.

Es bleibt an uns, das nie aus den Augen zu verlieren angesichts der vielen eben auch sehr sinnlichen Momente, in denen sich zwei in diesen Momenten zutiefst verletzliche Menschen einander annähern und ihre physische Verfasstheit hinter sich

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Pörksen und Bleisch philosophieren in der Sternstunde über Kommunikation

Kommunikation über Kommunikation

Pörksen und Bleisch philosophieren in der Sternstunde über Kommunikation
Bernhard Pörksen auf der re:publica 22 in Berlin // Foto: Stefanie Loos / re:publica unter CC BY-SA 2.0

Bernhard Pörksen war bei der Sternstunde Philosophie im SRF zu Gast und hat dort mit Barbara Bleisch in sehr ausgeruhtem Rahmen mitunter auch sehr persönlich über Kommunikationsprozesse gesprochen – über das Reden, das Zuhören, das Schweigen, das Senden, das Empfangen und die Verantwortung der beteiligten Menschen.

Ich schaue mir Bernhard Pörksen immer gerne an – auch, wenn er in Formaten wie kondensierten Keynotes meiner Meinung nach nicht sonderlich gut funktioniert, weil es dann extrem schwer ist, den extrem dichten Inhalt zu verdauen und dabei auch noch den Anschluss nicht zu verlieren. Barbara Bleisch sorgt hier in sehr angenehmer Dosierung dafür, diesen wahrscheinlich

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Gesehen: Sonnenplätze (2024) - Erwarteter Erwartungsbruch

Mit dem typischen Hauch einer Abschlussarbeit

Gesehen: Sonnenplätze (2024) - Erwarteter Erwartungsbruch
Julia Windischbauer // Foto: Filmwelt Verleihagentur

Diese Anordnung hat mich schon gepackt: Da ist die junge Frau aus Künstler:innen-Haushalt, die an ihrem Debütroman arbeitet und dabei jedoch kaum aus dem Schatten ihrer Eltern hervorzutreten vermag. Die einerseits Erwartungen und Ansprüchen gerecht werden will und andererseits als Akt der Abgrenzung genau diese eigentlich zu sprengen versucht.

Doch wie will sie mit Erwartungen brechen, wenn die Erwartung ist, dass sie Kunst schafft? Kunst zu schaffen, ist immer auch ein Akt des Brechens mit Erwartungen. Kunst wohnt das Unerhörte inne und mindestens einmal eine Skepsis gegenüber dem Status quo. Hier entsteht eine spannende Reibung, die einfach nicht aufzulösen

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Gesehen: Let the Sunshine In (2017) - Verblasste Bedürfnisse

Berührend, aber nur wenig gewagt

Gesehen: Let the Sunshine In (2017) - Verblasste Bedürfnisse
Juliette Binoche // Foto: Pandora Film Verleih

Verfilmte Orientierungslosigkeit, die mich doch berührt hat. Juliette Binoches Figur als Frau mittleren Alters wird von allen, aber vor allem von Männern, fast schon nach Belieben geformt. Sie schreiben ihr vor, wie sie zu lieben, zu begehren, zu sehnen und Sex zu haben hat. Sie missbrauchen sie als emotionalen Mülleimer, ziehen sie mit Gewalt zu sich heran, nur um sie dann wieder voller Verachtung wegzustoßen. Eigene Bedürfnisse sind längst verblasste Relikte der Vergangenheit, als Frau in diesem Alter muss man offenbar nehmen, wie andere dich haben wollen.

Inszeniert erscheint mir das alles jedoch wenig gewagt. Von Claire Denis bin ich

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Gesehen: Only the River Flows (2023) - Gefangen am Fluss

Geschichten aus dem Moloch

Gesehen: Only the River Flows (2023) - Gefangen am Fluss
Foto: Rapid Eye Movies

Dieser Ort ist ein in der Zeit festeckender Moloch, in dem gar keine Bewegung mehr herrscht. Nur noch Elendsverwaltung scheint möglich, weil bereits jede:r resigniert ist und mit der Grundüberzeugung lebt, dass es kein Entkommen mehr von diesem Ort gibt. Wei Shujun hat einen unangenehm bedrückenden Film, eine atmosphärisch dichte Enge inszeniert.

Das Tian’anmen-Massaker findet nie Erwähnung und doch drängt es von außen immer wieder in den Film und hallt durch die Schlinge, die sich um diesen Ort und seine Menschen immer enger zieht, wider.

Wir sehen, wie die ebenfalls nie direkt namentlich erwähnte Kommunistische Partei Chinas bis

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