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Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 65

Gesehen: Summer of 85 (2020) - Mit Rohmer in den Abgrund

Wie „Trainspotting“, nur mit Liebe und The Cure

Gesehen: Summer of 85 (2020) - Mit Rohmer in den Abgrund
Foto: capelight pictures

François Ozon benutzt hier mit Rohmersche Mitteln das große Besteck, um uns erst zu ver- und dann hineinzuführen in den Abgrund dieser zutiefst verstörenden Geschichte, in der der Protagonist Alexis eigentlich nur eine Nebenrolle spielt. Denn als David in sein Leben tritt, überlagert der sehr schnell einfach alles.

David ist Täter und Opfer zugleich. Er hat den Tod seines Vaters bisher nicht überwunden und verarbeitet, konnte vermutlich offenliegende Konflikte vor dessen Tod nicht mehr lösen. Seine Psyche reagiert darauf mit totaler Abstumpfung. Um sich selbst bzw. überhaupt etwas zu spüren, bleibt David zunehmend nur die Ekstase – auf dem Motorrad, auf

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Gesehen: Gold (2013) - Inneres Fegefeuer

Hier wird gepflegt an sich selbst gescheitert.

Gesehen: Gold (2013) - Inneres Fegefeuer
Foto: Piffl Medien

GOLD ist kein Western, in dem die Figuren an den lebensfeindlichen Bedingungen an der Frontier, gnadenlosen Outlaws oder am Gesetz scheitern. Sie scheitern an sich selbst – ihrer Hybris, ihrer ununterdrückbaren Gier, ihrem Eitel, Egoismus und ihrer Herabsetzung alles Fremden. Sie wissen, wozu sie fähig sind, projizieren das auf ihre Umgebung und sind deshalb nie wirklich dazu fähig, Vertrauen in irgendwas und irgendjemanden zu fassen. Der Weg aus diesem inneren Fegefeuer ist die Liebe. Aber wie soll die in so einer Welt gedeihen?

★★★½☆

🇩🇪/🇨🇦, R: Thomas Arslan, D: Nina Hoss, Lars Rudolph, Uwe Bohm, Marko Mandić, Peter Kurth, Wolfgang Packhäuser, Rosa Enskat,
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„Träume fürs Kino": Durch die Lange Nacht mit Federico Fellini

Featuring Marcus Stiglegger, Christoph Hochhäusler und Petra Seeger

„Träume fürs Kino": Durch die Lange Nacht mit Federico Fellini

Sonderlich tief bin ich bisher noch nicht in die Filmwelt Federico Fellinis eingetaucht. Nichtmal LA DOLCE VITA habe ich gesehen; nur , NIGHTS OF CABIRIA und AMARCORD konnte ich bislang ins Tagebuch schreiben.

Natürlich habe ich trotzdem die jüngste Lange Nacht über den legendären italienischen Filmemachers gehört. Mich hat gefreut, immer wieder Einsichten und Analysen von Marcus Stiglegger, Christoph Hochhäusler und Petra Seeger kredenzt zu bekommen.

Federico Fellini schuf Kinoträume. Viermal gewann der Italiener den Oscar – und einen Ehrenoscar für sein Lebenswerk. Er war einer der einflussreichsten Regisseure des europäischen Kinos.
Federico Fellini: Träume fürs Kino
„La strada, „La dolce
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Gesehen: About Dry Grasses (2023) - Was für ein Mensch will ich sein?

Wirklich fundamental existenzialistisches Kino

Gesehen: About Dry Grasses (2023) - Was für ein Mensch will ich sein?
Foto: eksystent distribution

Das ist fundamental existenzialistisches Kino, das die Frage danach verhandelt, was für ein Mensch man eigentlich sein will. Hier werden die wirklich großen Fragen gestellt – die nach Natur und Vernunftbegabung des Menschen sowie nach Entstehung, Rolle und Macht der Kunst in einer durch und durch unwirtlichen Welt bzw. Gesellschaft.

Ist in dieser Welt überhaupt Platz für das Schöne, das Feinsinnige, das Bewegende? Wird Kunst erst zur Kunst und ein Mensch erst zum Menschen durch das Anarbeiten gegen diesen ungastlichen Ort? Es ist die Frage danach, ob es das Gute überhaupt ohne das Böse bzw. Schlechte geben kann.

Kann ich als

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Gesehen: Au Revoir les Enfants (1987) - Durch den Schmerz gehen

Ein Schlag in die Magengrube schmerzt auch, wenn man ihn kommen sieht.

Gesehen: Au Revoir les Enfants (1987) - Durch den Schmerz gehen
Foto: Alamode Film

Ein Film über die unbändige Kraft bedingungsloser Solidarität und Menschlichkeit, über den unfassbar dünnen Firnis der Zivilisation, den Verlust der Unschuld und die Ohnmacht gegenüber des Erwachsenwerdens und der Zeit, über den nostalgischen Rückblick auf die eigene Kindheit und die Melancholie angesichts der Menschen, die einmal waren.

Ein Film, dessen Ausgang so unausweichlich wie durch unser Wissen der Geschichte erwartbar ist und sich dennoch wie ein Schlag in die Magengrube anfühlt. Denn diese Grauen werden niemals ihr Gewicht verlieren.

Durch das Wissen, dass sich der Film aus den Erinnerungen Louis Malles an seine eigene Kindheit speist, ist es auch ein

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Gesehen: Stammheim – Zeit des Terrors (2025) - Autoquartett im Knast

Es stellt sich schon die Frage, was überhaupt das Ziel dieses Films ist.

Gesehen: Stammheim – Zeit des Terrors (2025) - Autoquartett im Knast
Foto: SWR, Hendrik Heiden

Das Allerbitterste ist es zu sehen, wie Lilith Stangenberg sich hier einen absoluten Wolf spielt und völlig verzweifelt gegen die blanke Bedeutungslosigkeit dieses Dokudramas ankämpft.

Diese absolut zerfaserte Inszenierung beweist wenig bis gar kein Gespür für das, was sie versucht – nämlich eine Art Kammerspiel zu sein, sich zur vielschichtigen Charakterstudie aufzuschwingen und irgendwie auch cooles mit Protagonist:innen, die wie die nächste Karte im Autoquartett eingeführt werden, zu sein.

Es stellt sich schon die Frage, was überhaupt das Ziel dieses Films ist, wonach das alles strebt. Denn hier wird weder eine einzige neue Erkenntnis zutage gefördert noch ein gelungener dramatischer

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