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Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 63

Gesehen: Als Susan Sontag im Publikum saß (2021) - Reenactment im Flachwasser

Inhaltlich nicht sonderlich produktiv, in der Form hingegen schon

Gesehen: Als Susan Sontag im Publikum saß (2021) - Reenactment im Flachwasser
Foto: Real Fiction Filmverleih

Ganz prinzipiell finde ich schon, dass Reenactments dieser Art gewinnbringend sein können – also etwas nicht nur durch seine textliche Wiedergabe zu rezipieren, zu durchdringen und zu verhandeln, sondern sich durch das Theater sozusagen mitten in die Verhandlungsmasse zu begeben und durch diesen performativen Akt Denk- und Diskursprozesse anzustoßen.

Hier, glaube ich, kommen wir jedoch zu keinem überaus produktiven Ergebnis. Dass es damals wie heute unterschiedliche feministische Strömungen gab und gibt, das ist keine überraschende Erkenntnis – aber eben das, was in diesem Zusammenschnitt sehr viel Platz eingeräumt wird.

Eine wirklich inhaltliche Tiefe erreicht der Film also nicht. Aber er evoziert und

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Gesehen: Maidan (2014) - Stärke durch Ausharren

Über das eigentliche Wesen des Widerstands

Gesehen: Maidan (2014) - Stärke durch Ausharren
Foto: Grandfilm

Es ist erstaunlich, mit welchen Mitteln Sergei Loznitsa uns so nah an die Menschen auf dem Maidan heranbringt. Die rein räumliche Nähe ist es nicht, denn gefilmt wird oft aus (vergleichsweise sicherer) Distanz.

Dennoch fühlen wir uns dem Geschehen so nah, weil die Kamera das tut, was die Ukrainer:innen während der Proteste insbesondere Kyjiw getan haben: ausharren, abwarten, durchhalten, überdauern. Die Bilder der Eskalation werden im Kopf bleiben, aber das Ausharren und die Weigerung, sich zermürben zu lassen, sind das eigentliche Wesen des Widerstands.

Genau das versteht die Kamera, die sehr oft Szenen einfängt, in denen nur vermeintlich nichts

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Gesehen: My Life as a Zucchini (2016) - Schmerz ist Schmerz

Niemand muss alleine fühlen

Gesehen: My Life as a Zucchini (2016) - Schmerz ist Schmerz
Foto: Polyband Medien

Ein herzzerreißender wie herzerfüllender kleiner Film – einfach, weil er Kinder als vollwertige Menschen ernst nimmt.

Nur, weil die kognitive Wende noch nicht stattgefunden hat, heißt das nicht, dass man Schmerz von ihnen fernhalten und/oder verdrängen muss. Denn das ist doch herabsetzend.

Nur weil ein Kind anders fühlt, heißt das noch lange nicht, dass diese Gefühle weniger wert als unsere „erwachsenen" sind.

Es gibt immer einen Weg durch den denkbar größten Schmerz. Der mag lang und beschwerlich sein, aber er muss nicht alleine begangen werden.

★★★★½

🇫🇷/🇨🇭, R: Claude Barras, D: Gaspard Schlatter, Sixtine Murat, Paulin Jaccoud, Michel Vuillermoz, Raul Ribera, Estelle
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Gesehen: Stilles Land (1992) - Nur die Kunst hat Bestand

Von Wesenskernen und Weltumbrüchen

Gesehen: Stilles Land (1992) - Nur die Kunst hat Bestand
Foto: Pandora Film Verleih

Andreas Dresen gelingt es hier, Figuren zu inszenieren, die so vertraut und gleichzeitig so fremd erscheinen. Die allesamt in diesem einzigartigen Moment in der Geschichte fast schon feststecken. Die an diesem Ort gefangen sind und ihn folglich praktisch nicht verlassen können.

Ihre Welt befinde sich im Umbruch und gleichzeitig bleibt alles gleich. Sie verbringen ihre Zeit mit dem Warten darauf, dass endlich der Zeitpunkt kommt, tätig zu werden. Sie konzentrieren sich so sehr auf das Warten, dass der herbeigesehnte Moment fast schon unbemerkt verstreicht.

Es ist der Glaube, wichtiger Teil des großen Getriebes zu sein und sich insgeheim im Klaren

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Gesehen: Crossing (2024) - Transzendenz der Liebe

Liebe kann auch konventionelle Roadmovies transzendieren

Gesehen: Crossing (2024) - Transzendenz der Liebe
Foto: Mubi

Ich war gleichzeitig überrascht und auch irgendwie enttäuscht, als sich der Film dann doch als ein ziemlich konventionelles Roadmovie inklusive der durchgespielten Tropen entpuppt hat.

Die zwei scheinbar sehr gegensätzlichen Figuren, die sich im Verlauf immer mehr aufeinander zu bewegen; die Suche nach etwas oder jemandem, die letztlich auch oder vor allem in einer Suche nach sich selbst gipfelt – das alles ist leider das Erwartbare und das versucht der Film auch nicht, zu umschiffen.

Aber ich finde, Levan Akin hat dennoch sehr viele sehr berührende und sehr wahrhafte Momente zu schaffen – Momente, in denen die Figuren es schaffen, sich von

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Gesehen: Bird (2024) - Rastlos auf dem Drahtseil

Was Andrea Arnold immer meisterinnenhaft gelang, entgleitet ihr hier ein bisschen...

Gesehen: Bird (2024) - Rastlos auf dem Drahtseil
Foto: MFA Film

Diese Art von sozialem mit magischem Realismus zu verknüpfen, ist auf jeden Fall ambitioniert. Aber ich finde, Andrea Arnold gelingt hier etwas. Plötzlich hat ihre entbehrungsreiche Welt eine zusätzliche Dimension, in die es sich zusammen mit all den anderen Vögeln entschwinden lässt, wenn die eigentliche Welt unerträglich eng wird. Das ist, finde ich, schon ein sehr herzenswarmer, berührender Gedanke.

Mir hat außerdem gefallen, wie laut, wie treibend und wie hektisch dieser Film mitunter werden kann. Wie die Kamera stellenweise wortwörtlich Schritt halten muss und es kaum schafft, wie sie beim Linedance fast umgerempelt wird. Andrea Arnold hat hier schon eine

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