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Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 214

Gesehen: The Flavor of Green Tea Over Rice (1952) - Lügen für die Freiheit

Herrlich, mit wie viel Witz, Charme, Tempo und Schlagfertigkeit Yasujirō Ozu die Kräfteverhältnisse innerhalb einer Ehe verhandelt.

Gesehen: The Flavor of Green Tea Over Rice (1952) - Lügen für die Freiheit
Foto: Shochiku

Herrlich, mit wie viel Witz, Charme, Tempo und Schlagfertigkeit Yasujirō Ozu die Kräfteverhältnisse innerhalb einer Ehe verhandelt. Dass die ziemliche Schlagseite haben, wird schnell klar. Die Frauen müssen ein elaboriertes Lügenkonstrukt errichten, nur um mal ungestört mit ihren Freundinnen auf Tour gehen zu können. Währenddessen wähnen sich die Männer als über den Dingen stehende Taktangeber, verspielen aber gleichzeitig bei Hunderennen und Pachinko ihr Geld und denken, „Peanut“ ist das englische Wort für „Wanze“. Was sich jedoch immer deutlicher hervortut: Es sind die Frauen, die das Kartenhaus vorm Einsturz bewahren und den Laden am Laufen halten – sei es in der Ehe

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Gesehen: The Killer (2023) - Should I give a fuck?

David Fincher fällt mit seinem Perfektionismus auf extrem fruchtbaren Boden.

Gesehen: The Killer (2023) - Should I give a fuck?
Foto: Netflix

David Fincher versucht zu ergründen, ob und wie ein nur einen kybernetischen Eingriff vom Maschinendasein entfernter Nihilist zum Mensch werden kann. Was passiert, wenn I. Don’t. Give. A. Fuck., Empathy is weakness. und Stick to your plan. Anticipate, don't improvise. Trust no one. plötzlich auf Lebenssinn und die Frage nach Erfüllung trifft? Es ist auch ein bisschen so, als ob sich Fincher mit der Kamera vor einen Spiegel gestellt und dann losgefilmt hat (David Fincher is a perfectionist.). Deshalb ist Fincher auch prädestiniert dafür, diesen Stoff zu inszenieren. Sein Streben nach vermeintlicher Perfektion, seine Detailversessenheit, das strenge Regelwerk im

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Gesehen: Victim (2022) - Wenn Wahrheit keine Rolle mehr spielt

Ein geschenktes Sporttrikot erzählt alles über russischen Imperialismus.

Gesehen: Victim (2022) - Wenn Wahrheit keine Rolle mehr spielt
Foto: Rapid Eye Movies

Es ist wirklich gut, wie dieser Film den strukturellen Antiziganismus und den Fremdenhass per se herausarbeitet, wie sich diese Grundüberzeugungen durch alle Schichten und Lager ziehen und wie sie genutzt werden, um den Menschen ohne ökonomische Perspektive Sündenböcke hinzustellen und sich so selbst aus der Verantwortung zu ziehen. Außerdem ist zu sehen, was passiert, wenn Wahrheit keine Rolle mehr spielt und nur die überzeugendste Erzählung, den am meisten resonierenden Vibe erzeugt, zählt. Davon profitieren letztlich nur rechte Demagog:innen, die tragische Momente für ihre Zwecke missbrauchen und umdeuten.

Gleichzeitig zeitlos, aktueller denn je und zudem noch ziemlich clever ist die

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Gesehen: Les Créatures (1966) - Nature vs. Nurture

Agnès Varda nähert sich über den magischen Realismus dem Wesen des Menschen.

Gesehen: Les Créatures (1966) - Nature vs. Nurture
Foto: Ciné-Tamaris

Agnès Varda nähert sich über den magischen Realismus dem Wesen des Menschen. Wieviel ist naturgegeben, wieviel ist Prägung? Welche Rolle spielen gesellschaftliche Dynamiken, die zuerst von außen wirken und dann hereinziehen? Für ihre Versuchsanordnung setzt Varda zumindest einen Menschen auf Null, lässt ihn seine Prägung vergessen und wirft ihn dann in eine vermeintlich gefestigte Struktur. Und sie kommt zum dem Schluss: Der Mensch kann sich für das Gute entscheiden und dafür kämpfen. Varda bedient sich dabei eines unkonventionellen Werkzeuges, das mich an Ingmar Bergmans THE SEVENTH SEAL (1957) erinnert hat, für das gleiche existenzielle Gewicht jedoch für meinen Geschmack etwas

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Gesehen: Early Summer (1951) - Meisterhafte Melancholie

Yasujirō Ozus bleibt Film bis zuletzt von grenzenloser Empathie und Liebe getrieben.

Gesehen: Early Summer (1951) - Meisterhafte Melancholie
Foto: Shochiku

Yasujirō Ozu ist einfach ein Meister darin, dem alltäglichen Leben mit all seiner Melancholie, mit den kleinen schönen Momenten und der lauernden Unsicherheit, mit der Liebe in Familie und Freund:innenschaften Gestalt auf der Leinwand zu verschaffen. Dazu Setsuko Hara, die mit Ozus Stoffen eine perfekte Symbiose eingeht, durch die der Filmemacher sein Ansinnen kanalisieren kann.

Denn wie kann ein postfaschistisches Japan keine zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges weiter in solch einer starren, sich auf Traditionen und Etikette berufende Gesellschaft leben? Wie können derartige patriarchale Denken weiter unangefochten bestehen bleiben? Wie gelingt die Emanzipation von der Diktatur des

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Gesehen: Natural Born Killers (1994) - Einfache Antworten auf komplexe Fragen

Ein Film, den ich so nie von Oliver Stone erwartet hätte auch und einer, der eindeutig seine Handschrift trägt.

Gesehen: Natural Born Killers (1994) - Einfache Antworten auf komplexe Fragen
Foto: Warner Home Video

NATURAL BORN KILLERS ist gleichzeitig ein Film, den ich so nie von Oliver Stone erwartet hätte* und einer, der so eindeutig Oliver Stones Handschrift trägt**.

*Rein ästhetisch hat mich dieses Werk total hypnotisiert. Der sonst formal eher konservative Stone hat hier einen packenden Fiebertraum inszeniert, der wie das grobschlächtigere Fundament für den vier Jahre später erschienenen FEAR AND LOATHING IN LAS VEGAS wirkt. Dem liegt durchaus visuelles Ideenreichtum zugrunde. Stone probiert Unkonventionelles aus, spielt mit der Umkehrung und Verrückung von Perspektiven, erzählt viel über Farbe(n) und überlagert mehrere Erzählebenen.

**Inhaltlich gerät der Film dann mitunter doch ins Hintertreffen. Stone

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