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Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 208

Mein Medienmenü - Woche 49/2023 & Mesut Özil

Früher war ich einer dieser unangenehmen Kandidaten, die es unbedingt offen vor sich hertragen mussten, wie wenig sie sich für Fußball interessieren und wie egal ihnen dieser ganze Zirkus ist. Dieses Gehabe habe ich hinter mir gelassen, an meiner Haltung zum Fußball hat sich jedoch wenig geändert. Und trotzdem habe ich mich auf den neuen Podcast SchwarzRotGold: Mesut Özil zu Gast bei Freunden aus dem Hause Undone eingelassen, der sich – Überraschung – um den ehemaligen Nationalspieler Mesut Özil dreht. In dessen Geschichte kulminieren nämlich zahlreiche Probleme unserer Gesellschaft.

Es ist eine Geschichte geprägt von Rassismus und Xenophobie auf der einen Seite

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Gesehen: Unrueh (2022) - Hegemoniales Großkapital

Wie Julian Radlmaier, nur mit viel klarerem Stilbewusstsein und zurückhaltenderer ironischer Brechung.

Gesehen: Unrueh (2022) - Hegemoniales Großkapital
Foto: Grandfilm

Wie einfach immer und immer mehr Wege in und um die Gemeinde herum abgesperrt werden, weil man den Werbefotografen für den neuen Fabrikkatalog nicht vor die Linse latschen darf, fand ich so lustig. Und es ist gleichzeitig eine so erfrischend unverbrauchte Metapher für das nach allem greifende Großkapital, das öffentliche Hand, Verwaltung, Legislative und Exekutive unterwandert und sich hegemoniale Ansprüche von den Bullen durchprügeln lässt.

Regelrecht besessen von Zeit ist das Großkapital in Gestalt der Uhrenfabrik, die alles daran setzt, die Zeit einzufrieren. Denn im Grunde genommen sind Fotografien genau das: ein in der Zeit eingefrorener Moment. Und dort, wo

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Gesehen: Ninjababy (2021) - Humor im Schmerz

Eine Geschichte über das eigene Leben, die eigene Unabhängigkeit, den eigenen Körper, die eigene Zukunft.

Gesehen: Ninjababy (2021) - Humor im Schmerz
Foto: Plaion Pictures

Ein Film, der sein Herz absolut auf der Zunge trägt und in sehr ehrlichen sowie mitunter schmerzhaften Momenten dennoch Humor findet. Regisseurin Yngvild Sve Flikke verliert dabei jedoch zu keiner Minute ihre von der großartigen Kristine Kujath Thorp gespielten Protagonistin Rakel und die sie umkreisenden existenziellen Fragen aus den Augen. Nie wird die Grenze zum bloßen Rumgeschmunzel überschritten, der emotionale Kern wird nicht verwässert, harte Fragen werden gestellt. Letztlich ist NINJABABY eine Geschichte über das Ringen um Selbstbestimmung und Kontrolle – über das eigene Leben, die eigene Unabhängigkeit, den eigenen Körper, die eigene Zukunft.

Mich jedoch immer wieder rausgerissen haben die

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Gesehen: Tokio in der Dämmerung (1957) - Gesellschaft unter den Rädern

Yasujirō Ozu schlachtet das vermeintlich Goldene Kalb der Karriere.

Gesehen: Tokio in der Dämmerung (1957) - Gesellschaft unter den Rädern
Foto: Shochiku

Für die Beförderung mal eben alle Zelte abbrechen und ans andere Ende des Landes ziehen? Kein Problem. Ist die Beförderung erstmal da, kannste dich ja auch nicht mehr dagegen wehren. Die Karriere als Goldenes Kalb, als einziger Kitt von Freundschaften, Beziehungen und Familien. Guter Job = gute Beziehung – das wird offenbar als Naturgesetz begriffen. Doch Ozu weiß beharrlich aufzuarbeiten, wie die Menschlichkeit in diesem eiskalten Gesellschaftssystem unter die Räder gerät, wie der eigentliche Beruf aller Japaner:innen darin besteht, den Schein um jeden Preis aufrecht zu erhalten und sich selbst bzw. Selbstfürsorge dabei möglichst zu vergessen.

★★★★☆

🇯🇵, R: Yasujirō Ozu, D: Setsuko
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Patrick Bahners: Kontinuitätslinien des deutschen Rechtsnationalismus

Patrick Bahners: Kontinuitätslinien des deutschen Rechtsnationalismus
Foto: Markus Spiske / Unsplash

Als Leipziger habe ich mich vergleichsweise wenig mit Neo Rauch beschäftigt. Im von mir geschätzten Museum der bildenden Künste sind zwar Werke von ihm prominent ausgestellt, aber bisher habe ich keinen Zugang zu ihnen gefunden. Es ist mir jedoch jetzt glasklar, unter welchem Licht das künftig zu tun ist.

Zum Licht geführt hat mich FAZ-Redakteur Patrick Bahners, der jüngst bei den 54. Römerberggesprächen in Frankfurt am Main anhand eines Interviews, das Rauch diesen Sommer der NZZ gegeben hat, die Kontinuitätslinien des deutschen Rechtsnationalismus nachzuzeichnen versucht.

Bahners ist in seiner Analyse sehr bedacht auf eine ausgewogene Sprache und darauf, Rauch nie

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Gesehen: Blue Jean (2022) - Naturgewalt Rosy McEwen

Georgia Oakley zeichnet zudem lesbische Liebe und Sexualität in ihrer Komplexität, ohne sich dabei in Klischees zu ergehen.

Gesehen: Blue Jean (2022) - Naturgewalt Rosy McEwen
Foto: Salzgeber

Rosy McEwen ist eine absolute Naturgewalt, die extrem tief in ihre Figur eintauchen kann und von dort unten zu gegebener Zeit eine emotionale Wahrhaftigkeit an die Oberfläche treiben kann, die ihresgleichen sucht. Georgia Oakley zeichnet zudem lesbische Liebe und Sexualität in ihrer Komplexität, ohne sich dabei in Klischees zu ergehen oder den Weichzeichner über gesellschaftliche und politische Realitäten des Englands der 1980er zu legen – jedenfalls soweit ich das aus meiner Perspektive beurteilen kann. Gefühlt befinden sich Filme und auch Serien aktuell nämlich in einer Phase, in der lesbische Liebe und Sexualität wieder eine sehr heteronormative Optik übergestülpt bekommen und irgendwie

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