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Feuilleton & Firlefanz

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Kinotagebuch: Riefenstahl (2024)

Kinotagebuch: Riefenstahl (2024)

Es wirkt, als ob Leni Riefenstahl aus der Zwischenhölle heraus gegen diesen Film anargumentiert. Denn es ist wirklich eine Art Dialog mit dem Nachlass Riefenstahls, den Andres Veiel hier anstrebt. Ohne Effekthascherei und komplett in sich ruhend lässt der Film die vergangene Leni Riefenstahl immer und immer wieder voller Selbstbewusstsein auflaufen. Veiel widerlegt Stück für Stück die von Riefenstahl um sich herum gesponnene Legende.

Es mag daran liegen, dass ich am Tag vorher GOLDHAMMER gesehen habe. Aber je tiefer sich die Archiv-Riefenstahl in ihren Bau aus Widersprüchen gräbt, desto überzeugter war ich davon: Wäre die Filmemacherin in unserer Zeit

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Gesehen: Goldhammer (2023)

Gesehen: Goldhammer (2023)
(c) Glotzenoff / André Krummel

Wenn dein Beruf und deine Berufung sind, um jeden Preis, egal vom wem und durch welche Mittel auch immer rezipiert zu werden, dann bist du Geisel der digitalen Aufmerksamkeitsökonomie im Plattformkapitalismus.

Pablo Ben-Yakov und André Krummel treiben diese Beobachtung mit ihrem Film auf die Spitze – und zwar so sehr, dass ich GOLDHAMMER eher nicht als Dokumentarfilm, sondern als Medienkunst bezeichnen würde.

Denn hier wird offen mit dem eventuellen Überschreiten der Genregrenzen kokettiert – und zwar so sehr, dass ich zu zweifeln begonnen habe, ob Marcel Goldhammer überhaupt eine existierende Person ist. Die Grenze zwischen dem Dokumentarischen und dem Inszenierten

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Kinotagebuch: Anora (2024)

Kinotagebuch: Anora (2024)

Und die Moral von der Geschicht'? Milliardäre verbieten!

Sean Baker entzaubert den Cinderella-„Mythos" auf seine Art, die sich nicht auf den bereits ausgetretenen Wegen bewegt. Es geht hier nicht um zwei Figuren, die allen Widrigkeiten zum Trotz die Ketten ihrer bisherigen Leben sprengen, um miteinander sein zu können. Es geht um Macht als unweigerliche Konsequenz aus Geld. Wer Fuck-You-Money hat, wird sich folgerichtig irgendwann entsprechend verhalten. Ab einem gewissen Betrag wird das Konto zu einem Schwarzen Loch, dessen Hunger weder Licht noch Macht entkommen können.

Sean Baker hat sich auch hier die große Empathie gegenüber seinen Figuren

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Festival-Fazit: DOK Leipzig 2024

Festival-Fazit: DOK Leipzig 2024

Am Sonntag ging die 67. Ausgabe des Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm, kurz DOK Leipzig, mit einem Besucher:innen-Rekord zu Ende. Besonders in Zeiten, in denen sich das Kino noch nicht von Corona erholt hat, hat mich das sehr gefreut. Mein letztes „richtiges" DOK war tatsächlich 2020 – mitten in der Pandemie und deshalb auch nur online. Deshalb hat es mich dieses Jahr sehr gejuckt. Also habe ich mich für drüben sechs Tage lang ins Kino gesetzt und mich vorrangig durch deutsche und internationale Wettbewerbsfilme geschaut. 13 Sichtungen sind es letztlich geworden.

Bevor ich zu

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Gesehen: Suzhou River (2000)

Gesehen: Suzhou River (2000)
(c) X Verleih

In den ersten Momenten des Films sagt uns der Erzähler, durch dessen Linse wir das Geschehen betrachten, dass die Kamera nie lügt. Es ist ein Festklammern an vermeintlichen Grundfesten im Strudel der Stadt, die ihre Menschen frisst. Der Suzhou-Fluss teilt die Stadt und Realität, ist Zeichen des Anfangs und des Endes, eine Grenze zwischen Zukunft und Vergangenheit, Resignation und Hoffnung, Gut und Böse. Der Fluss selbst ist ein Ort, an dem alles gleichzeitig ist und nicht ist. Der Fluss als Ereignishorizont. Good Kid(s), M.A.A.D City. Und was die Kamera nicht zustande bringt, das vermögen die Menschen.

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Gesehen: Manodrome (2023)

Gesehen: Manodrome (2023)
(c) Universal Pictures International

Als Debattenbeitrag zum Thema Incels kommt der Film locker 20 Jahre zu spät, denn er verkennt, an welchen Orten und in welchen Räumen derartige Radikalisierungen nicht nur möglich sind, sondern in großen Zahlen stattfinden. Heute immer noch den zum Mann gewordenen ungeliebten Jungen, der mit sich und seiner unterdrückten Homosexualität hadert und so schließlich ein toxisches Verhältnis zu Frauen und Hass auf schwule Männer entwickelt, als Erklärmuster heranzuziehen, ist nicht nur enorm problematisch, sondern auch ignorant und faul.

★½☆☆☆

GB/US, R: John Trengove, D: Jesse Eisenberg, Adrien Brody, Odessa Young, Philip Ettinger, Trailer, Wikipedia
Manodrome - Stream: Jetzt Film online
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