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Feuilleton & Firlefanz

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Kinotagebuch: Alpha (2025) - Unsicherheit hat Tradition

Es ist dann doch etwas mehr, als „nur" eine tonnenschwere AIDS- und Corona-Metapher

Kinotagebuch: Alpha (2025) - Unsicherheit hat Tradition
Foto: Plaion Pictures, Studiocanal

Ich vertrete dann wohl das, was man eine Mindermeinung nennt. Natürlich lässt sich das rein als tonnenschwere AIDS- und auch als Corona-Metapher begreifen. Das war auch zuerst mein Zugang. Aber irgendwann habe ich unterbewusst begonnen, das Geschehen viel mehr erst mal als das zu begreifen, was es ist.

Es geht um Menschen, die aufgrund ihrer konkreten, vermuteten oder behaupteten Andersartigkeit markiert, stigmatisiert und ausgegrenzt werden – also um eine gewissermaßen universelle Erfahrung, um universelle Ängste. Das rekurriert wiederum stark auf die bisher in der Filmografie Julia Ducournaus zentralen Themen.

Es geht um ein Kind, das sein ganzes bisheriges Leben lang kein

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Gesehen: The Ugly Stepsister (2025) - Politische Schönheit

Ästhetik als strategisches Instrument

Gesehen: The Ugly Stepsister (2025) - Politische Schönheit
Foto: Capelight Pictures

Es geht eben nicht (nur) um die Dekonstruktion von Schönheit und die Entlarvung des Oberflächlichen. Für mich war es der Blick auf die Abbildung von Schein und Schönheit als politisches Instrument. Der Film streicht hervor, inwiefern das Beschreiben und Empfinden der äußeren Erscheinung durch ästhetisch „gute" und „schlechte" Merkmale als strategischer Hebel zum Erringen, Erhalten und Vernichten gesellschaftlicher, ökonomischer und patriarchaler Machtpositionen eingesetzt wird.

Der Film bricht zudem immer wieder mit seiner etablierten Form (und in Teilen auch der vierten Wand) und serviert uns eine durch fünfzehn Weichzeichner gejagte Musikvideo-Optik. Dadurch legt er frei, inwieweit auch Bilder – inklusive der eigenen

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Gesehen: Double Lover (2017) - Realitätsverlustiger Albtraum

François Ozon vollführt einen abgründigen Zaubertrick

Gesehen: Double Lover (2017) - Realitätsverlustiger Albtraum
Foto: Leonine

Da hat wohl jemand DEAD RINGERS geschaut 😉

Letztlich erschafft François Ozon hier eine Illusion. Wir glauben, dabei zuzusehen, wie eine Frau nach allen Regeln der gaslightenden Manipulation gebrochen wird – nur um dann festzustellen, dass sie bereits von Beginn an ein Scherbenhaufen war. Es entblättert sich Schicht um Schicht ein Bild von internalisierter Misogynie, das den fruchtbaren Boden für eine Beziehung bereitet, die mit einem unauflösbaren Machtgefälle beginnt und sich zu einem realitätsverlustigen Albtraum auswächst.

★★★☆☆

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Gesehen: After the Hunt (2025) - Behäbiges Hinken

Luca Guadagnino verliert den Diskurs aus den Augen

Gesehen: After the Hunt (2025) - Behäbiges Hinken
Foto: Amazon MGM Studios

Guadagnino hinkt hier wirklich total behäbig dem allerspätestens seit #MeToo in einer relevanten Breite geführten Diskurs hinterher. Nur, weil jetzt auch die Hochschulen zu einem Ort des rechten Kulturkampfes geworden sind, muss man das jetzt nicht mit allen bekannten Versatzstücken zu irgendeiner angeblich neuen Qualität herbeiintellektualisieren.

Dabei nimmt der Film doch eine kluge Wendung – nur eben erst auf den allerletzten Metern. Zu spät lässt er die Protagonistin ihre Position, ihre Erinnerungen und ihr Weltbild hinterfragen. Zu spät konfrontiert und zwingt er sie, die eigene Rolle als (unbewusste) Täterin, mindestens als Mitwisserin, aber auch als Opfer neu zu bewerten.

Erst an

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Gesehen: Hedda (2025) - Überlebensnotwendiger Schein

Nia DaCosta setzt das Politische im Privaten konsequent ins Licht

Gesehen: Hedda (2025) - Überlebensnotwendiger Schein
Foto: Prime Video

Wer darf wen ansprechen? Wer unterhält sich mit wem? Wer darf wen abblitzen lassen und wem ist Augenhöhe oder wenigstens Blickkontakt vergönnt? Das Politische im Privaten wird hier konsequent ins Licht gesetzt.

HEDDA ist ein permanentes Aushandeln von gesellschaftlicher, politischer und ökonomischer Macht, eingebettet in eine barocke Opulenz, der etwas ungewöhnlich Zeitloses anhaftet. Der Film spielt zwar in den 1950er Jahren, könnte aufgrund der gatsbyartigen Szenerie jedoch genauso gut erst vergangenes Wochenende während eines ausladenden Retreats für Techmillionär*innen über die Bühne gegangen sein.

Schein ist (überlebens)notwendiger als Sein. Obszön geht die Welt zugrunde.

★★★☆☆

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Gesehen: Favoriten (2024) – Mittendrin als Fliege an der Wand

Auf Ruth Beckermann ist einach Verlass...

Gesehen: Favoriten (2024) – Mittendrin als Fliege an der Wand
Foto: Grandfilm, Ruth Beckermann Filmproduktion

Auf Ruth Beckermann ist einfach Verlass. Sie schafft es, mit ihrer Kamera die Anmutung einer Fliege an der Wand zu erzeugen, während sie eigentlich mittendrin steht, sogar oft direkt adressiert wird. Doch je länger sie bei den Kindern ist, desto natürlicher fügt sie sich in das Klassengefüge ein, desto wahrhaftiger werden die eingefangenen Momente.

Dass das jedoch nicht immer klappen kann, wenn es aber klappen muss, ist Beckermann sehr offensichtlich bewusst – und darauf ist Beckermann vorbereitet. Indem sie den Kindern eigene Handys zum Filmen von eigenen Szenen in die Hände drückt, kann sie in entscheidenden Momenten dabei sein, ohne dabei

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