Gesehen: Z (1969) - Gespannte Verwaltung
FilmkritikCosta-Gavras macht Bürokratie spannend und spielt Puzzle mit der Wahrheit
Mit welchem Rhythmus und welcher Lässigkeit hier eine Reihe von Verwaltungsakten, also die bürokratische Seite des Autoritarismus, inszeniert wird, ist ein ambitioniertes und verführerisches Kunststück, das mich an Melville, Dassin oder auch Lumet erinnert.
Costa-Gavras bricht die Wahrheit – oder das, was gemeinhin als Wahrheit begriffen wird – Stück für Stück in immer kleinere Fragmente auf, und lässt sie von den politischen Akteuren seiner Erzählung immer wieder neu zusammensetzen. Die innere Logik und Plausibilität dieser neuen Puzzlebilder spielen dabei immer kleinere Rollen.
Denn je weiter die Lage eskaliert, je verrohter die Mittel werden, desto egaler wird die formulierte Herleitung. Es geht nur noch darum, Widerspruch gegen die neukonstruierte Wahrheit im Keim zu ersticken, komplexes Denken auszurotten und Vertrauen in die individuelle Wahrnehmung fundamental zu erschüttern.
Costa-Gavras vermag es, enorme Spannung aus spröden Verwaltungsakten zu ziehen. So unterstreicht er auch das brüchige Fundament, auf dem jede Form staatlicher Unterdrückung letztlich steht. Es sind nämlich die vielen kleinen und noch mehr großen Lügen, die geplant, umgesetzt und dann immer im Hinterkopf behalten werden müssen. Es sind die unendlich vielen notwendigen Mitwisser*innen, die es dafür braucht, die auf Linie gebracht, gehalten und in Schach gezwungen werden müssen.
★★★★½
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