Dieser Film gehört mit zu den eindrucksvollsten Beweisen, dass die Form des Ausdrucks fast keine Rolle spielt, wenn man eine starke Geschichte zu erzählen hat, etwas zum Ausdruck bringen will und das auch in einer klaren eigenen Stimme vermag. Und dennoch ist die Form hier keineswegs egal, sondern sie und der Inhalt bedingen einander.

Es ist das Rauschen des DV-Bildes und das Rauschen des durchlaufenden Bandes, das sich permanent über die Tonspur legt und an die Figuren schmiegt. Es ist der daraus entstehende sensorische Rausch, der die Erfahrungswelt der Figuren spiegelt.

Figuren, die virtuelle Räume nutzen, um bestehende zu erweitern, zu ergänzen oder überhaupt erst Räume zu schaffen, die in der echten Welt (noch) gar nicht existieren. Figuren, die in diesen virtuellen Räumen eine eigene Kommunikationsästhetik entwickeln, die wie hier auf einem Grat zwischen Digitalem und Analogem balanciert. Die gleichzeitig kalt, fremd und dennoch nostalgisch vertraut wirkt. Figuren, die ohne diese selbstgeschaffenen Räume aus unterschiedlichsten Gründen keine hätten.

Das sind Räume, in denen sich Geschichten voller Hoffnungslosigkeit, über Vereinzelung, Ausgrenzung, Stigmatisierung, Versagens- und Existenzängste, Einsamkeit, die Sehnsucht nach Liebe und Träume entfalten, resonieren und auch außer Kontrolle geraten können. Und in diese Räume begibt sich Louise Weard konsequent hinein.

★★★★☆

Der Film lässt sich samt dem Nachfolger für einen wirklich sehr schmalen kanadischen Dollar direkt bei Macherin Louise Weard via Gumroad kaufen.

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