Ich war sehr angetan davon, wie zu Beginn diese Bildästhetik einer melodramatischen Romanze, die etwa an die tschechischen Märchenverfilmungen wie DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL oder auch Historienschinken wie SISSI erinnert, mit dem über allem thronenden Kriegsthema kontrastiert wird.

In dieser vermeintlich heilen Märchenwelt, in der „guten" Männern zugeschriebene Tugenden wie Mut und Stolz auch immer eng verbunden sind mit militärischer Ehre und mitunter regelrechtem Kriegseifer, in der das Autoritäre schier unlösbar tief in den Menschen verankert ist, ist Pazifismus eine Krankheit, die ausgerottet werden muss.

Der Kontrast zwischen Form und Inhalt wird immer härter, bis auch die Bilder diesem Abstieg in den Höllenschlund des Krieges nicht mehr standhalten können. Auch die Motive können und wollen nicht mehr das Leid verbergen. Wo zuvor noch in der Ferne ganze Bataillone wie Schachfiguren auf einem riesigen Brett vom Marschmusik elegant über die Schlachtfelder geschoben werden, blicken wir zum Schluss nur noch einem einzigen, bitterlich im tiefen Schnee erfrorenen Soldaten ins Gesicht.

Dieser albtraumhafte Abstieg hat wirklich etwas Unheimliches, fast schon Spukhaftes an sich. Aber hier gibt es keine Geister, keine finstere oder gar höhere Macht, die den Menschen des Menschen Wolf bleiben lässt. Hier gibt es nur den Menschen, der sein eigenes Leid verantwortet. Darin liegt hier das Grauen, der gesamte Weltschmerz begründet.

★★★★☆

Der Film steht noch bis zum 30. Januar 2026 kostenlos bei Arte in der Mediathek.

Krieg und Frieden - Film in voller Länge | ARTE
Russland zur Zeit der napoleonischen Kriege: Im September 1812 erobern die Truppen des französischen Kaisers Moskau. - Opulente Verfilmung (1956, Regie: King Vidor) von Leo Tolstois Klassiker der Weltliteratur und Familienporträt. Starbesezt mit Audrey Hepburn und Henry Fonda. Für drei Oscars nominiert.
Infos & Extras