Wo fängt es an? am 06. Januar 2026
(Almost) DailiesDie heutigen Dailies unter anderem mit: Béla Tarr, Filmgenretheorie und Hildegard Knef
Barbara Kaufmann widmet sich in einem großartigen collagenhaften Audioessay für SWR Kultur der Frage, welche Rolle die Kunst beim zementieren von patriarchalen Rollenbildern und einem Umfeld, in dem Femizide an der traurigen Tagesordnung sind, gespielt hat und spielt.
Fast jeden Tag wird in Deutschland ein Femizid begangen, die Tötung einer Frau, weil sie eine Frau ist. Weil sie zu selbständig ist. Sich getrennt hat. Dinge tut, die der Mann für sie nicht vorgesehen hat. Das Innenministerium fordert „mehr Aufmerksamkeit“ für die Opfer… Das tut Barbara Kaufmann in ihrem Essay, auf eine andere Weise. Sie durchkämmt die Kunst der vergangenen Jahrhunderte nach Rolemodels von eifersüchtigen, rachsüchtigen, gewalttätigen Männern. Und findet einen erschreckenden patriarchalischen Blick, der das Frauenbild geprägt hat. Sie fragt: „Wo fängt es an?“
Die (Almost) Dailies sind mein kuratierter Blick auf das Internet – irgendwo zwischen (Pop-)Kultur, Medien, Politik und dem ganzen anderen Wahnsinn. Wenn du magst, auch in deinem Postfach!
Freya Herrmann und Vera Klocke sprechen in meiner liebsten Podcast-Neuentdeckung Fashion the Gaze die (meine Worte) Ausbeutung Wohnungs- und Obdachloser auf Tiktok. Zu Gast ist Janita-Marja Juvonen, die selbst 14 Jahre obdachlos war und heute darüber schreibt.
Gefakte Spendenaufrufe, performative Hilfsaktionen und Verfolgung von obdachlosen Personen in der Innenstadt. In diesem Live-Podcast analysieren wir – gemeinsam mit der Autorin Janita-Marja Juvonen – die Ästhetiken und Inszenierungsstrategien von Obdach- und Wohnungslosigkeit in den sozialen Medien. Dabei interessieren wir uns insbesondere für TikTok-Videos, in denen Content Creatoren Obdach- und Wohnungslosigkeit inszenieren, um ihre Reichweite zu vergrößern. Welche Bilder entstehen hier, wie werden sie politisch und emotional wirksam, und was verraten sie über Machtverhältnisse und die Ästhetisierung und Kommodifizierung sozialer Ungleichheit – gerade jetzt, in der Weihnachtszeit?

Béla Tarr ist gestorben. Bisher habe ich mich von ihm nur an WERCKMEISTER HARMONIES (den es auch mit vielen Bibliotheksmitgliedschaften bei Filmfriend zu sehen gibt) herangetraut, aber SÁTÁNTANGÓ und THE TURIN HORSE sind wortwörtlich schon seit Jahren auf meiner Watchlist.
Marcus Stiglegger spricht in den Projektionen mit Andreas Rauscher über Filmgenretheorie.
Gemeinsam diskutieren sie, warum Genretheorie bei weitem kein überholtes Konzept der Filmwissenschaft ist, sondern gerade in der aktuellen Film- und Serienlandschaft spannende Analyseergebnisse hervorbringen kann. Diskutiert werden u.a. THE SUBSTANCE, SINNERS und NOSFERATU.

Außerdem gerne gehört: die anlässlich des 100. Todestages von Hildegard Knef gesendete Lange Nacht.



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