Gesehen: Wake Up Dead Man (2025) - Adé, Poirot!
FilmkritikRian Johnson lässt Überholtes hinter sich und kehrt gleichzeitig zu alter Form zurück
Tight geschrieben, tolles Tempo, guter Rhythmus, und damit nach dem für mich nur schwer zu ertragenden GLASS ONION eine fulminante Rückkehr zu alter, aber auch ein Ankommen bei neuer Form.
Jede Szene, jeder Satz folgt hier einer klaren Absicht. Damit meine ich jedoch nicht, dass der Film zu transparent wäre, sondern dass das Drehbuch auf absurde Nebelkerzen verzichtet. Dass hier nicht wild mit Punchlines um sich geworfen wird, sondern der Humor in skurrilen Momenten liegt.
Die Sujets müssen nicht großartig ergründet werden – im Gegenteil, sie liegen ziemlich offen auf der Hand, werden teilweise regelrecht ausbuchstabiert und auf dem Silbertablett serviert. Hätte das vielleicht etwas allegorischer verpackt werden können? Sicherlich, aber letztlich haben sich im Kulturkampf auch die Institutionen davon verabschiedet, ihre Absichten metaphorisch zu verschleiern. Es wird wortwörtlich von der Kanzel gepredigt.
Sinnbildlicher scheint dann aber eine Art von True-Crime-Kritik durch. Denn der Film entzieht Benoit Blanc seinen theatralischen Poirot-Moment, sein Ausbreiten der blutigen Tat in all ihren Facetten. Er lässt stattdessen ein Opfer – was nicht ausschließt, dass das Opfer auch Täterin sein kann – der Verhältnisse sprechen, die in einem Mord gipfelten.
★★★★☆
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