Gesehen: Joker: Folie à Deux (2024) - Ohne Angebot
FilmkritikBeleidigte Leberwürste machen keine guten Regisseure
Es ist dann doch erstaunlich, wie wenig dieser Film zu bieten hat oder überhaupt erst versucht, anzubieten. Mehr als zwei Stunden lang ist Todd Phillips weitestgehend damit beschäftigt, darüber zu schwadronieren, wie er JOKER eigentlich gemeint hat und warum andere Lesarten nicht zulässig sind.
Erst einmal ist es ziemlich vermessen, als Künstler die Deutungshoheit ausschließlich für sich zu beanspruchen und das Publikum zu entmündigen. Dass Todd Phillips ein Problem damit hat, dass JOKER durch Incel-Kreise kooptiert wurde, ist verständlich. Er stellt sich in FOLIE À DEUX nur nie die Frage, warum und wie das passiert ist. Ob das eigene Werk vielleicht doch zu anschlussfähig war und das vor lauter selbstgefälliger Naivität einfach ignoriert wurde.
Stattdessen wird hier einfach didaktisch die eigene behauptete weiße Weste durchgeorgelt, ohne die Figuren und diese Welt produktiv weiterzuerzählen bzw. auf den Prüfstand zu stellen.
Nur zwei Punkte möchte ich dem Film zugestehen:
- Der Bombenanschlag auf das Gericht funktioniert innerhalb des JOKER-Universums wunderbar als allegorische Übersetzung der Zersetzung von Gesellschaft und demokratischen Institutionen auf die Leinwand/den Bildschirm.
- Das Abfeiern der moralisch unstrittig verwerflichen Taten des Jokers von Teilen der Gesellschaft in der Filmwelt resoniert besonders heute, nachdem etwa Luigi Mangione einen Krankenversicherungs-CEO erschossen hat und auch der rechtsextreme Charlie Kirk getötet wurde – und das aus verschiedensten Gründen und Kreisen heraus nicht flächendeckend verurteilt wurde. Die soziale Ungerechtigkeit, die ökonomische Ungleichheit und die zunehmende Polarisierung von Politik und Gesellschaft ziehen immer schlimmere Folgen nach sich.
★★☆☆☆
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