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FilmkritikWer abgegriffene Metaphorik suchet, der findet hier
Kein totaler Reinfall, aber unglaublich ambitions- und visionslos. Denn es erscheint mir nicht nur richtig abgegriffen, sondern auch total unproduktiv, das Spannungsfeld zwischen virtueller und Kohlenstoffwelt immer noch über eine Kriegsmetapher zu bearbeiten.
Natürlich liegt diese Metapher nahe – oder besser: wieder näher –, weil wir durch die Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz eine neue Art der Militarisierung erleben und weiterhin erleben werden. Aber im Gegensatz zu modernen Waffensystemen gelingt es dem Film nicht, der Metapher ein Update zu verpassen, einen frischeren Zugang zu finden. Eigentlich noch viel schlimmer: Er scheint gar nicht erst zu suchen.
Denn KI stellt uns als Menschheit wahrscheinlich in Zukunft vor kriegerische, aber in dieser Sekunde doch ganz konkret vor allem vor gesellschaftliche Herausforderungen. Wir erleben in de facto unregulierter Echtzeit, wie sich Menschen mit Chatbots in Psychosen schreiben. Wie das Weltwissen und jegliche Kunst- sowie Kulturerzeugnisse durch den LLM-Fleischwolf gedreht werden. Wie noch nie dagewesenes Desinformationspotenzial freigesetzt und wie die Demokratie auch dadurch zersetzt wird.
All das durch eine Kriegsmetapher zu erzählen, ist einfach zu grobschlächtig. Das kann doch niemanden mehr ernsthaft hinterm Ofen hervorlocken – also mich jedenfalls nicht. (Was ich dem Film jedoch nicht absprechen kann: Player sind hier Megakonzerne, die über Gesetz und Staat zu stehen scheinen. Das ist wiederum sehr zeitgeistig.)
Irritierend: Jared Letos fortwährende (Selbst-)Inszenierung als erleuchtete Jesusfigur und Jeff Bridges im Lewboski-Modus. Von der absehbaren Post-Credits-Szene mal ganz zu schweigen.
★★½☆☆
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