Es ist nicht nur das Hadern mit der Liebe, mit ausgefüllten, aber auch gebrochenen Herzen und schwerwiegenden Verlusten, sondern auch ein Hadern mit dem Unvermögen von (Populär-)Kultur, sich eben dieser Komplexität (auch nur versuchsweise) anzunähern.

Das lässt sich ganz gut an einer Sequenz festmachen, in der die junge Frau mit ihrer Mutter zu einer Kinoveranstaltung geht, wo es einen roten Teppich gibt, auf dem sich die Reichen und Schönen die Klinke in die Hand geben, bevor sie sich drinnen einen Film anschauen, der die eine große Frage nach Leben und Tod verhandelt – also um es mal möglichst euphemistisch zu formulieren. Denn unterm Strich lässt sich hier die Schickeria kein existenzielles Epos, sondern einen ambitions- und substanzlosen Ballerfilm um die Ohren hauen.

Der Film im Film steht für eine Kultur, die lediglich den Anschein erweckt, gesellschaftlich relevante Fragen zu verhandeln. Die sich selbstgefällig auf ästhetische Kategorien zurückzieht. Die ihr Gespür dafür verloren (oder nie besessen) hat, was Menschen bewegt und umtreibt.

Inmitten dieser trostlosen Welt rekurriert Bresson plötzlich auf François Truffauts STOLEN KISSES, indem er seinen Protagonisten in einer nach Truffauts Hauptfigur benannten Straße wohnen, ihn genau wie Truffauts Figur durch das ständige Wiederholen eines Namens semantisches Sättigung erzeugen und damit das Bild eines anderen Menschen von der Realität entkoppeln lässt.

Mit dieser Wiederholung des Namens versichert er sich seiner eigenen Gefühle, bevor sie ihm wie Sand durch die Finger rieseln und vom Rauschen der Großstadt weggeweht werden.

Aber dieser Verzweiflung, dieser Irritation, dieser Zersetzung der (eigenen) Wahrnehmung und Realität scheint sich Populärkultur nicht nähern zu wollen. Denn dazu müsste anerkannt werden, dass es sozusagen kein Happy End ohne gebrochene Herzen geben kann und dass eines dieser gebrochenen Herzen auch das ein*er Protagonist*in sein kann. Von der Liebe, von den essenziellen Fragen des Lebens zu erzählen, ist mit unverfänglicher Konvention nicht vereinbar.

★★★★☆

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