Gesehen: All About My Mother (1999) - Blut überwinden
FilmkritikWahrscheinlich noch mal wuchtiger als zuschauernder Mann
Ein berührend zugewandter Film über Schwesternschaft jenseits von Blut, die Kraft der Frau und die übermenschliche Arbeit der Frau. Frauen sind Mütter, Töchter, Schwestern, Großmütter, Schauspielerinnen, Köchinnen, Ärztinnen, Therapeutinnen, Sozialarbeiterinnen, Sexarbeiterinnen. Frauen sind all das und noch viel mehr. Und Frauen sind einsam, weil sie eben all das sein müssen, während für sie selbst kaum Zeit und Raum bleibt.
All das zu können, hat jedoch nur selten etwas mit Wollen zu tun. Es sind die patriarchal organisierte Gesellschaft und die internalisierte Misogynie, die Erwartungen schüren, Zwänge auferlegen und in Rollen drängen, um die bestehende Machtstruktur zu erhalten.
Almodóvar bewundert seine Frauenfiguren für ihre Stärke, bemitleidet sie aber bei aller Melodramatik nie, indem er ausbeuterisch ihr Leid breittritt. Jeder paternalistische Gestus liegt ihm fern, seine Sprache ist die Empathie. Deshalb ist bei ihm auch selbstverständlich jede Frau unbestritten eine Frau.
Wahrscheinlich ist dieser Film gerade als zuschauender Mann eine derartige Wucht, weil er aufzeigt, was die Frauen im eigenen Leben geleistet und dafür keinerlei oder nicht genug Würdigung erhalten haben, welche Kraftanstrengungen wir einfach als gegeben hingenommen haben.
★★★★½
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