Der Titel ist als direkte Frage an uns als Publikum zu verstehen: Haben Sie diese Frau gesehen? Um die Antwort zu formulieren, müssen wir uns mitunter unbequemen Wahrheiten stellen. Denn wortwörtlich eine Frau wie die Protagonistin(nen) gesehen hat bereits jede*r von uns. Doch wie oft haben wir – als Individuen und als Gesellschaft – schon durch Frauen wie sie entweder hindurchgesehen, oder sie gar (vor)verurteilt, bemitleidet oder belächelt?

Die Protagonistin ist den ganzen langen Tag damit beschäftigt, nicht endgültig zu entschwinden, sich irgendwie noch an der Welt festzuklammern. Sie muss permanent an ihre Existenz erinnern – durch das Verteilen von Flyern in Briefkästen, das Anbringen von Abrissmarken an Straßenlaternen, das Klingelputzen, durch das Aufrechterhalten der Illusion eines Lebens, das andere von ihr erwarten.

Armut, Einsamkeit und Erwartungsdruck machen Menschen zu Geistern. Deshalb sollten wir hinschauen, ihnen in die Augen schauen, ihre Existenz nicht weiter an Bedingungen knüpfen. (Klingt jetzt doch etwas pathetischer als geplant, aber es ist im Kern einfach zutreffend.)

★★★½☆

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