Es mag ein bisschen paradox klingen, aber ich fand es super angenehm, wie oft und zuverlässig dieser Film mich zum Stolpern gebracht hat – aber eben nie durch gezielt aus dem Rahmen fallende Irritationen, sondern alleine durch den Verzicht auf dramatische Zu- und Überspitzung. Deshalb kann ich mich auch nicht so recht mit dem Begriff des „Anti-Heist-Films" anfreunden, den ich im Zusammenhang mit THE MASTERMIND schon oft gelesen und gehört habe.

Kelly Reichardt steckt hier nämlich eben nicht am laufenden Band Stöcke zwischen die Speichen – das machen ausschließlich wir als Publikum, weil unser Blick und unsere mit dem Genre verknüpfte Erwartungshaltung mit Abweichungen nur schwer klarkommen. Währenddessen konstruiert Reichardt Schicht für Schicht eine durchaus komplexe Figur.

Sie beginnt ihren Film mit einer sehr klaren Bildsprache, die durch viele klare Formen, gerade Linien und kontrastreiche Farben geprägt ist. Das bricht und löst sich im Verlauf des Films immer weiter auf. Es folgt damit der Entwicklung des Protagonisten, der zwar aus keinem erfüllenden, aber zumindest sicheren Leben absolut diffuses Chaos macht.

Der Protagonist lässt sich dabei jedoch nie auf eine Dimension festnageln. Er steht etwa im permanenten inneren Konflikt mit seinem übermächtigen Vater. Er kann weder ihm noch den Erwartungen gerecht werden, die wahrscheinlich andere aufgrund des Rufs des Vaters an ihn haben. Nichts, was der Protagonist tut, scheint (in den Augen des Vaters) jemals genug zu sein. Warum also überhaupt etwas probieren, wenn alle anderen darin sowieso ein Scheitern ausmachen werden?

Gleichzeitig lässt sich seine totale Ambitionslosigkeit aber auch nicht abstreiten. Er ist außerdem ein Träumer, der sich vor allem in der Vorstellung von sich als „erfolgreichem" Typen gefällt, aber bei jedem noch so kleinen Widerstand, der zur Realisierung dieser Wunschvorstellung aufkommt, aufgibt.

Der Protagonist ist innerlich längst ein Drifter. Dass er diese Entwicklung im Verlauf des Films schließlich auch nach außen hin vollzieht, ist nur folgerichtig und gewissermaßen eine Vollendung.

Der Film endet schließlich auf einer sehr interessanten Note. Denn der Protagonist erfährt zum ersten Mal im Film richtige Konsequenzen – aber eben nicht für seine Taten, sondern für die „Taten" anderer, in deren Nähe er sich einfach zur falschen Zeit befunden hat. Er erfährt, dass das Einstehen für sich und seine Überzeugungen immer mit einem gewissen Risiko einhergeht. Das nennt sich Gesellschaft, in der er seinen Platz erst finden und außerdem lernen muss, dass ihm nicht alles in den Schoß fallen wird.

P.S.: Das eigentliche Mastermind ist hier ja wohl eindeutig die Frau des Protagonisten, die arbeitet, Essen kocht, die Schwiegereltern im Zaum hält und sich um die Kinder kümmert, damit nicht alles auseinanderfällt, während er in seinem eigenen Kopf leben kann.

★★★★☆

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