Was diesen Film für mich so finster gemacht hat, ist seine Gegenwärtigkeit. Es ist nicht zwingend die Eskalation der Gewalt, deren Zuspitzung oder die Drastik der Bilder, aus denen das Unwohlsein heraus entsteht. Für mich sind es eher die Menschen, die Zeug*innen dieser Abwärtsspirale werden und ihr dennoch teilnahmslos und gleichgültig beiwohnen, alles erst dulden und schließlich befeuern. Es ist die Gleichgültigkeit gegenüber dem zunehmenden Verfall der eigenen Moral und das Verschieben der eigenen, wortwörtlich und im übertragenen Sinne gemeinten Schmerzgrenzen.

Die Rückbezüge und Vorgriffe auf die Weltgeschichte lassen sich nicht ausblenden, sie sind Teil der filmischen Struktur: Die Arroganz gegenüber Schwellenländern und der sogenannten Dritten Welt, deren Ausbeutung und die Duldung bis hin zur aktiven Förderung von zivilisatorischer Regression gehörten schon immer zum Playbook des sogenannten Westens – durch neokoloniale Ausbeutung des globalen Südens, durch die entsetzlichen Verbrechen der Nazis, durch Orte wie Guantanamo Bay, durch Abschiebungen nach Afghanistan direkt in die Arme der Taliban, durch das CECOT in El Salvador oder auch den Gaza-Streifen.

Selbst als Profiteur dieser Strukturen kann der sogenannte Westen somit im Zweifelsfall immer noch mit dem erhobenen Zeigefinger auf andere zeigen und sich selbst durch widerlichste Art und Weise überhöhen. In dieser Welt scheint jede Moral ihren Preis zu haben, der sich verhandeln lässt.

★★★½☆

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