Gesehen: Diary of a Country Priest (1951) - Gegen die Verzweiflung anschreiben
Irgendwann spuckt jede*r Blut...

Es steckt unheimlich viel in der Anordnung der Geschichte, aber am eindrücklichsten sticht für mich hervor, wie das Machtkonstrukt Kirche unter dem Gewicht der eigenen Lügen und Ansprüche zusammenbricht.
Es geht gar nicht so sehr um den Glauben, sondern um das institutionalisierte System dahinter, das den Verlust der eigenen Macht zu spüren bekommt. Denn einen verunsicherten Priester ins hinterletzte Kaff zu schicken, in dem die Menschen inklusive sich selbst an gar nichts mehr glauben, ist an Verzweiflung kaum zu überbieten.
Der Priester bekommt dort an eigenem Leib und eigener Seele zu spüren, dass die Welt, an deren Aufbau er bisher geglaubt hat, nichts weiter als Teil einer Pappkulisse ist. Denn von Rom aus lässt sich leicht Allmacht proklamieren. Aber dort draußen stößt diese Propaganda auf die Lebensrealität „einfacher" Menschen, die längst die ausbeuterischen, gierigen und autoritären Seiten der Kirche erkannt haben.
Die Kirche ist der Krebs, der Zwangslagen, Dissonanzen und Realitätsbrüche zur Folge hat – genau wie der Krebs im Magen des Priesters ihn von innen zerfrisst.
Eine ganz gute Lebensweisheit ist: Man kann nur eine gewisse Menge Mist schlucken und das in sich behalten, bevor man damit beginnt, Blut zu spucken.
Gegen all das permanent und unablässig anzuschreiben, der Verzweiflung diesen unendlichen Raum auf dem Papier zu gewähren, das finde ich als Bild wunderschön und bittersüß.
★★★★☆

