Ich weiß nicht, irgendwie habe ich mehr von Olivier Assayas erwartet als die Tatsache, dass er offenbar – genau wie ich – die Wikipedia-Artikel zu Walter Benjamins Das Kunstwerk im Zeitalter seiner Technischen Reproduzierbarkeit und dem Kulturindustrie-Kapitel aus Dialektik der Aufklärung von Adorno und Horkheimer gelesen hat.
Die Diskurse und Debatten, die Assayas hier austrägt, fühlen sich längst in ihrer Breite ausgetreten an – natürlich aus heutiger Sicht, aber auch schon 2018. Wer genau hinhört, kann irgendwo im Hintergrund ein klingelndes Telefon ausmachen. Der Anrufer: die re:publica 2009.
DOUBLES VIES driftet in seiner Zuspitzung in die Banalität ab und tänzelt um die über allem schwebende, viel existenziellere Frage als die nach der Digitalisierung des Literaturbetriebs herum: Was macht ein*e Künstler*in aus, heruntergebrochen auf die Frage: „Wenn ein Baum in einem Wald umfällt und niemand da ist, um es zu hören, macht er dann ein Geräusch?“ Also: Ist Kunst überhaupt Kunst, wenn sie von niemandem rezipiert wird? Die Antwort scheint der Film zu scheuen. Für mich hat sich diese Kapitulation feige angefühlt.
★★½☆☆
